Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1870)
- Date
- 1870-11-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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870 — horribile dictu! —- an derselben Anstalt die isr. Lehrer diese Verletzung der heil. Gebote passiv, ja sogar mehr oder weniger activ veranlassen. Traurig, aber — nicht wahr! Unwahr ist vor Allem die Behauptung des fraglichen Herrn, als könnten die betr. isr. Lehrer dem nntp ^d'fi der Schüler steuern, wenn sie nur wollten — und einen anderen Sinn können wir aus dessen Worten doch unmöglich entnehmen. Er spricht vo n „cow der Schüler" und läßt durch diese Allgemeinheit des Ausdrucks der Meinung Raum, als ob dieser mttf d'd'si in der hiesigen Handelsschule etwas allgemein Eingeführtes, Selbstverständliches sei. Das ist aber gottlob nicht der Fall. Ein großer Theil ist von religiösen Eltern, oder es ist mindestens die Mutter religiös; solche Schüler halten sich denn, sei es aus religiösem Grundsatz, sei es aus Furcht vor den Eltern oder deren Stellvertretern, von Sabbatentweihung zurück; selbst das böse Beispiel der jungen Sabbatverächter oder Verführung Seitens Einzelner derselben wird nur in ganz seltenen Fällen die fragliche Entweihung, namentlich eine so öffentliche, herbeiführen. So kann ich denn auch, nach eingehenden Erkundigungen, constatiren, daß von den ca. 114 jüd. Schülern (bei ca. 26 christl.), welche gegenwärtig die K. Handelsschule hier besuchen, nahezu die Hälfte sich des nvp l?6,n durch Schreiben u. s. w. erthält — ein Resultat, das ich bei dem ungün^ stigen Rufe, in dem die fragliche Anstalt in Beziehung auf jüdische Religiosität steht, selbst n cht vermuthet hätte und gewiß auch Manchem der geschätzten Leier dieses Blattes eine erfreuliche Ueberraschung gewährt. Was hingegen die anderen Schüler betrifft, die den Sabbat entweihen, so sind sie durch ihre neologe Erziehung ein viel zu sprödes Material für die Bearbeitung eines isr. Lehrers, besonders in dem wöchentlich einstündigen (eigentlichen) Religionsunterrichte. Und doch geschieht auch in dieser Richtung Etwas, wenn auch vielleicht nur mit momentanem Erfolge, indem nämlich Herr Handelslehrer (an fraglicher Anstalt) Silberschmidt seinen 11 Pensionären das „Schreiben" strengstens untersagt. In kleinem Kreise kann man da immer noch Einiges wirken, wenn es auch rSp Seitens des Schülers befolgt wird. Man muß sich eben mit Wenigem begnügen, wo man Vieles nicht erreichen kann, posn nb mno rosn nDsn NUiy’D nD2n. Dies dürfte sich Herr »nox ganz besonders merken. Aber die „indirecte Anleitung" zu im* vH'ii Seitens der jüd. Lehrer — ist die zu dulden? Nein, abermals nein, man müßte sie mit allen gesetzlichen Mitteln bekämpfen, wenn sie wirklich existiren würde. Glücklicherweise besteht sie nur in dem Elaborat und vielleicht auch in der Einbildung des Herrn Correspondenten! Wie ich auf das Bestimmteste versichern kann, ertheilt von den beiden jüd. Lehrern Herr Silberschmidt am Sabbat in der Handelsschule keinen Unterricht (er hat dies sogar bei seiner Amtsübernahme zur Bedingung gemacht); wohl aber ertheilt er da Unterricht an der Gewerbschule, in welcher sich voriges Jahr ein jüd. Schüler befunden, während sich dieses Jahr diese ansehnliche Zahl verdoppelt hat. Diese 2 Israeliten „schreiben" nun zufällig nicht; würden sie, würden 100 es thun, es stände nicht in der Befugniß des Herrn S., sie davon abzuhalten. Aber es sind eben doch nur jene 2 vorhanden — und auf sie bezieht sich die Klage des Herrn ’nnx sicherlich nicht; er spricht von der Handelsschule, an welcher aber, wie gesagt, Herr S. am Sabbat keinen Unterricht gibt, alio auch die Israeliten da nicht bei ihm schreiben können. Oder sollten sie schriftliche Aufgaben, die am Freitag Abend oder Samstag Nachmittag zu fertigen h rben, von Hrn. S. erhalten? Mit Nichten, da ja am Sonntag keine Schule ist. Mit der „indirecten Anleitung" von dieser Seite her ist es also nichts. Nun ist aber noch der andere jüd. Lehrer, Herr Cantor Ebert, vorhanden. Wer weiß, ob er nicht seinen Religionsunterricht, namentlich seine Bibel - und Geschichtsstunde, in welcher er nach Popper dictirt, gerade auf Sabbat Vormittag angesetzt hat, um sich nach Beendigung seines Gottesdienstes das Vergnügen der „indirecten Anleitung" zu machen?! Herr Cantor Ebert setzt aber am nnttf keinen Fuß in die Handels - und Gewerbschule und es kann demnach auf ihn angewendet werden Jes. Cap. 58, V. 13: rnffj; dx ."di "jssn Wie kömmt nun der fragliche »nox - Correspondent zu seiner mehrerwahnten Behauptung, jener, wie ich wohl nachgewiesen habe, ebenso grundlosen als schweren Anklage gegen die beiden isr. Lehrer? Ja, diese Anklage, wäre sie so be ründet als sie es nicht ist, müßte jeden auch nur einigermaßen religiös denkenden und fühlenden Juden von der Betheiligung an fraglicher Anstalt zurückschrecken, wenn um irdischer Zwecke, um des Götzen Mammons willen die Vernachlässigung und Untergrabung des in der Sabbatseier repräsentirten Cultus des Ewigen und Himmlischen angestrebt wird, müßte endlich die fraglichen Lehrer als wahre npmai D’n’DD, als Verführer der isr. Jugend brandmarken? Hat der Verfasser des quäst. Berichts auch wohl die große Tragweite seiner Worte bedacht? Zu seiner Ehre wollen wir bloße Oberflächlichkeit, allzugroßen Eifer für die gute Dache und nicht etwa bewußte Absichtlichkeit als Grund annehmen. Das orthodoxe Judenthum aber und — die hiesige isr. Bürgerschule dürfen sich für solche Propaganda bestens bedanken. „Der Himmel bewahre mich vor meinen Freunden!" dürfen sie ausrufen, vor den Freunden, die mit solchen Waffen kämpfen. Wohl würde, wie in Obigem bereits angedeutet, für streng-religiöse Familien