Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1870)
- Date
- 1870-11-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XL Jahrgang. Beilage zu Nr. 47 des Israelit. Seiimtgdnacfm&tett und Gorresvon denzer». Deutschland. Für'tH, im Marcheschwon. Nachdem ich vor einiger Zeit so glücklich war, Ihnen von dem für die hiesigen Israeliten so außerordentlich günstigen mtf> ehrenden Ausfall der Landtags- und namentlich der städtischen Gemelndewahlkn belichten zu können, bin ich heute in der erfreulichen Lage, von neuerlichen an hiesige Glaubensgenossen verliehenen Auszeichnungen Erwähnung zu thun, die zwar nicht ihren Ursprung den ruhmvollen Thaten auf dem Felde der Ehre, wohl aber dem ersprießlichen Wirken auf dem Gebiete des Handels und VerkebrS verdanken. Ich meine die Ernennung resp. Bestätigung der Herren S. E. Berolzheimer und I Ni Lieser zu Assessoren, sowie der Herren I. Mohr und P. Morgenstern zu ErgänzungSrichtern am hiesigen Köuigl. Handelsgerichte. Erstere beiden Herren waren bereits Ergänzungörichter und sind somit avaneirt; Herr I. Mohr war bereis früher von Handelsgemeinden zu diesem Posten designirt. gelaugte aber damals dennoch nicht dazu, worüber ich seinerzeit näher berichtet habe. Leider sind aber das immer nur unbesoldete Ehrenposten , die da der Staat den Israeliten gewährt; von wirklichen StaatsansteUungen zu Beamten, höheren Stabsoffizieren u. s. w. hört man in Bayern trotz der in der Verfassung begründeten vollkommenen Gleichstellung selbst in jetziger Zeit nichts, wo die Aufopferung von Gesundheit und Leben zu Gunsten des Vaterlandes auf dem Schlachtselde keinen Unterschied von Stamm und Religion kennt, also auch daheim im Vaterlande selber das endliche gänzliche Fallenlassen der fraglichen Unterschiede bei hoher Staatsregierurg zur Genüge nahegelrgt haben dürfte. Sonstiges Interessante habe ich Ihnen von hier gegenwärtig nicht mitzutheilen, außer etwa, daß die seit Ende vorigen Jahres in der Schwebe befindliche jüdische Mahlaugelegenheit, wohl in Folge des K-iees und der durch ihn bedingten Geschäsisüberbäuf' ng ei unseren Regierungsbehörden, noch immer der Entscheidung harrt. Ueber die Verhältnisse der K. Handelsschule un> ihrer jüd. Schüler hat Ihnen ein Correspondent, der sich 'flEN unterzeichnet, in Nr. 42 ausführlich berichtet; nur schade, daß es diesem Herrn tck manchmal weniger um die lautere, unzweifelhafte Wahrheit zu j thun scheint. Ich sage „manchmal", denn was derselbe über die von dem K. Rektorate, in so lobenswerther Weise angeordnete Belegung des Schulbeginns bis nach dem Laubhüttenfest bemerkt, wird seinem ganzen Jnbalte nach von jed-^rn wahren, unserer heit. Religion auch nur einigermaßen zugerhanen Israeliten überhaupt ebenso gerne wie von jedem Pädagogen anerkannt werden. Das „Bedauern" hingegen, „wenn man weiß, daß der Religionsunterricht sich lediglich auf systematische Religionslehre und biblische resp. jüd. beschichte beschränkt," kann wohl nur einen durch Nichrs begründeten Vorwurf gegen den betr. Religionslebrer involviren,denn, sollte er gegen den staatlichen Lehrplan gerichtet sein — an welcher staatlichen Handelsschule in ganz Deutschland und wohl auch darüber hinaus werden bei der in Folge des enormen Lehrstoffs so kurz zugemessenen Zeit — dahier 2 Stunden wöchentlich für jeden Curs — hebräische oder gar talmudische Gegenstände neben den gewiß überall eingeführten vorgenannten gelehrt werden?! Nun kömmt, es aber dabei a..ch daraus an, in welchem Sinne und Geiste die Religio; slehre vorgetr^gen wird. Herr Cantor Ebert benützt bei den wichtigsten Bibelstellen vielfach den hebrärscyen Urtext und bekundet somit, daß es ihm nicht um e'n gleichgittizes Auswendiglernen, sondern auch Beherzigen Seitens der Schüler zu thun ist. Der echt jüdischreligiöse Knabe und Jüngling aber soll und wird sich damit freilich noch nicht befriedigt finden; er wird durch einigen P ivatunterrickt sich das ihm in jüd. Kenntnissen Fehlende wenigstens einigermaßen anzueignen suchen. Einem solchen würde freilich der Bes-ch einer israel. Anstalt, wie die hiesige anerkannt vortreffliche Bürgerschule, wo immer thunlich (wobei freilich das bei letzterer bedeutend größere Honorar nicht selten maßgebend ist), von vornherein zu empfehlen sein und zwar nickt rur wegen des hinreichenden religiösen Unterrichts, sondern auch aus anderen Gründen, wovon ich weiter unten sprechen werde. Für jetzt wieder zu unserem zurück, der in di, Geheimnisse der Handelsschule sich so eiugeweiht zeigt. Derselbe beklagt sich nämlich darüber, daß „dem ras? ^ti der Schüler durch Schreiben u. dergl. von den jüd. Lehrern nicht gesteuert, ja indirect dazu ange eitet wird". In der That eine schwere Beschuldigung! Hört Zhr's, Ihr auswärtigen Eltern, die Ihr Eure Söhne, Ihr Vormünder, die Ihr Eure Mündel dieser Anstalt anvertrauet? Es Hilst nichts, daß das christliche Rektorat sich in so humaner Fürsorge um das Halten der rD*D Feiertage Seitens der isr. Schüler resp. um die Möglichkeit dieses Haltens angenommen bat, wenn