Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1870)
- Date
- 1870-11-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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866 Häusern singen, zu sorgen; aber vergebens. Dies zur Antwort ans Wallers Gebet. Als Jude stehe ich für meine Religion in allen Beziehungen ein, fühle aber doch Erbarmen mit diesen armen Kindern. Der Präsident bemerkt, daß diese Gesellschaft „nicht so vielen Schaden anrichte, wie viele andern." Ich glaube, daß keine Gesellschaft in diesem Lande so viel Schaden angerichtet, als eben diese. Sie sendet den gelausten Juden Stern nach Abessynien, um die Juden in diesem Lande zu bekehren, und weil er den König Theodor beleidigt?, veranlaßt er den abessynischen Krieg, der Ströme von Blut von unfern Soldaten erfordert und dem Lande an 10 Millionen Pfund Sterling gekostet, was wir mit unfern Steuern ersetzen müssen. Der Vorsitzende bemerkt weiter: „Die Kinder der jetzigen Generation werden jetzt derart influirt, daß wir in der nächsten Zeit zahlreichere Bekehrungen zu erwarten haben." Ich kann ihn versichern, daß er sick gewaltig irrt. Wenn er oder einer seiner Freunde sich die Mühe geben wollen, einmal unsere Schule zu besuchen, er oder sie werden dann err'ahren, daß unter „unseren jetzigen Generation" große Liebe für das Judenthum existirt. Er behauptet ferner: „die Juden erhalten jetzt mehr Freiheit und werden besser gehalten und da finden wir, daß sie eher gewillt sind, auf die christlichen Lehrer zu hören." Herr Lissack weist diese Bemerkung mit Nachweisen aus Oesterreich zurück, wo gerade im Gegentheil viele Juden, die sich in früheren Jahren haben taufen lassen, jetzt, seitdem die neue Aera angebrochen, zahlreich wieder zum väterlichen Glauben zurückkehren. Herr Sutcliffe berichtet eine lange Geschichte über die Bekehrung eines „alten Mannes und einer Frau." Ist es aber nicht sehr seltjams, daß, wenn er in der ehrennerthen Gesellschaft von Bekehrung gesprochen, dem Publikum niemals die Namen und Adressen der Personen mitgetheilt werden? Als der getaufte Jude Stern in einer Vorlesung in Bedford über seine Leiden in Abessynien berichtete, erzählte er unter anderm auch, daß er in Constartinopel einen Rabbimr und seine Frau getauft habe. Da ich wußte, daß dieses nicht wahr sein könne, forderte ich Herrn Stern im „Mercury" auf, den Namen des Rabbinen und seinen Wohnort, sowie den Tag der Taufe dem Publikum öffentlich mitzutheilen, damit man feiner Angabe vollständig Glauben schenken könne. Aber es scheint mir, Herr Stern gebraucht jetzt große Vorsicht in seinen Veröffentlichungen; meine Frage harret heute noch einer Antwort. Ja, als Herr Stern bald darauf in Northampton über dasselbe Thema sprach, ließ er wohlweislich die Taufe des Rabbiners und seiner Frau aus dem Bereiche seiner Besprechung. Amerika. Atew-Uork. Herr Advocat Stuart, der, wie wir berichtet, seine jüdischen Schreiber entlassen, weil sie am Neujahrs- und Versöhnungsfeste keine Arbeit verrichteten, will wie die Jew. Tim. schreiben, nicht aus Vorurthcilen gegen die jüd. Religion seine Schretber eutlassen haben, fordern weil sie ihm nicht vorher angezeigt haben, daß sie an diesen Togen nicht arbeiten. Asien. Damaskus. Die „Times" veröffentlichen einen Brief, in welchem die Juden von Damascus arg verlaumdet werden. Unter der muhamedanischen Bevölkerung war in jüngster Zeit große Unruhe ausgebrochen; man fürchtete allgemein, daß es wieder auf eine Metzelei gegen die Christen und die Juden abgesehen sei. Die Christen behaupteten, die Juden seien Schuld an der Aufregung, sie hätten, um die Muhamedaner gegen die Christen aufzuhetzen, Kreuze an muhamedanische Gebäuve angebracht. Diese Behauptung ist nichts als eine große Verleumdung. Sir Moses Montesiore wies auch sofort in einem Schreiben an die „Times" dieselbe energisch zurück. Unser Correspondent aus Beyruth brachte in Nr. 40 und 41 hierüber Details, die wir hier ihrer Wichtigkeit halber kurz wiederholen. Aus diesen ergibt sich, aß der engl. Consul daselbst der Urheber dieser Verleumdungen ist. In dem Augenblicke, als man mehrere Kreuze an einem muhamedaniscken Gebäude bemerkte, spielten gerade zwei jüdische Knaben vor demselben, die sofort von der türkischen Polizei ergriffen und vor den engl. Consul geführt, unter dessen Schutz deren Vater steht. Dem Vater, der vor den engl. Consul geladen, wurde gleich mit d.r Entziehung des engl. Schutzes gedroht, obgleich er seine Unschuld betheuerte, und als auch der Olerrabbiner zu seinen Gunsten beim Consul intervenirte, sagte der Consul, daß er annehmen müsse, daß nicht bloß dieser Jude, sondern die ganze jüdische Gemeinde an der Anbringung der Kreuze Schuld trage, da der Oberrabbiner den Beschuldigten so sehr verteidige. Merkwürdig und auffallend ist es, daß die engl. Consuln bei jedem geringsten und lächerlichsten Vorfall gleich Anlaß nehmen, mit der Entziehung ihre» Schutzes zu drohen; so geschah dies jüngst wegen eines geringfügigen Etiquettenstreites in Jerusalem, und so hier auf einen bloßen Verdacht hin.