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Der Israelit · 1870-11-23 · Heft 47 (23.11.1870) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 47 (23.11.1870)
Date
1870-11-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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864 über rituelle Speisegesetze hinwegsetzt, kann man von einem solchen Manne erwarten, daß er diejenigen ernstlich und gewissenhaft prüfe und überwache, welche für die rituelle Zubereitung des Fleisches zu sorgen haben? Man täusche sich nicht. Glaubt unser Rabbiner den obm b^>*n, den er seinen jüdischen und nichtjüdischen Brüdern gegenüb er am sich geladen hat, glaubt er den an Gott und seiner Thauroh verübten Treubruch dadurch wieder gut zu machen, daß er sich den Anschein von religiöser Gewissenhaftigkeit bei d:r Prüfung der Schochtim rc. gibt?! Nimmer glaubt er dies, aber er glaubt — und nicht mit Unrechr — daß die gefügigen lammfrommen Gemeinden seines Rabbinats sich noch viel mehr als dieses bieten lassen, und so bietet er ihnen ncch mehr. So ist es denn dahin gekommen, daß man fast in dem ganzen Darmftädter Rabbinate mit gutem jüdischen Gewissen keinen Bissen Fle sch essen darf. Denn säst alle Schochtim sind mit diesem Amte von einem Manne betraut, dem man selbst jedes religiöse Zutrauen versagen muß, sind von einem Rabbiner autorisirt, der in dieser Beziehung jede Autorität verscherzt hat. Und was thun die Gemeinden? Nichts, gar nichts. Untereinander beklagen sie sich alle ohne Ausnahme, daß sie einen Rabbiner haben, dessen ganze Existenz ihnen nur aus den Sporteln bekannt ist, die sie ihm jährlich schicken; aber sie fühlen nicht, daß dieser ihnen ausoctroyirte Rabbiner der guten jüdischen Sacke in's Antlitz schlägt, und wenn sie es fühlten, so fürchten sie sich, auch nur die oppositionelle Miene zu verrathen, die er doch zu Folge haben müßte. Seht Ihr denn nicht, daß Eure Haushaltungen nach u d nach nana werden, wenn Ihr durch Schochtim bedient werdet, die unter solcher Aufsicht stehen? Eure Schochtim mögen Biedermänner sein, die das Vertrauen verdienen, welches man in sie s tzt, aber dieses Vertrauen wird im höchsten Grade abgeschwächt, wenn es aus der Bescheinigung unseres Rabbiners entspringt. Hier thut Abhilfe dringend noth; doch davon ein anderes Mal. Aus Preußen. In Nr. 4L Ihrer geschätzten Zeitsiprift sucht Herr Rabbiner vr. Wallerstein die ui Nr 40 und 41 erhobene Anklage hinsichtlich der „Schechitah ohne Aufsicht" damit zu rechtfertigen, daß er als Beweis seines guten Willens zur Herbeiführung einer Ordnung die Berufung von 12 Vertrauensmännern aufführt und bedauert, daß in Folge des Ausbruches vieles Krieges das „gute Werk" nicht schon znm gedeihlichen Abschluß gebracht worden ist. Ich überlasse gerne die Beurcheilung den geehrten Lesern des „Isiaelit", ob durch Kriegslärm tiß religiösen Verpflichtungen aufgeschoben werden dü fen. Was die Bemerkung des Herrn Rabb. vr. Wallerstein betrifft, es gäbe in Danzig nur zwei isr. Friedhöfe, so habe ich in meinem Berichte Nr. 40 und 41 überhaupt keine Zahl angegeben. Gleichzeitig mache ich Sie noch auf meinen Bericht in Nr. 42 aus Stettin ammerksam, worin ich die Zahl der militärpflichtigen Juden mit 15,000 angab, woraus der Setzer 75,000 machte, was nachträglich gefäll. zu berichtigen ich bitte. *) Hamburg, 40. Nov. In einem jüdischen Blatte befindet sich ein Artikel aus Hamburg, der bei Lesern, die mit den hiesigen Verhältnissen nicht genau bekannt sind, zu Mißoerständniffen Veranlassung geben kann. Ich erlaube mir daher, einen genauen Bericht über die in dem erwähnten Artikel beregten Zustände Ihnen zur Veröffentlichung einznsenden. Im Apr l d. I gründeten die Herren Berlin und Munk, Lehrer an der hiesigen Talmud-Thora, einen Religionscursus für solche ür. Knaben, welche christl. Schulen besuchen. Hiermit haben diese Herren einem tief gefüllten Bedürfnisse abgeholfen. Trotz der kritischen Zertverhältnisse hatte sich dieses junge Institut des allgemeinsten Beiialls zu erfreuen Dies ermunterte diese beiden Herren, zum Winter auch einen Religionscursus für isr. Mädchen zu gründen. Gleichzeitig aber schritt auch Herr Oberrabbiner Stern dazu, seinen längst gehegten Plan, eine Religionsschule für isr. Mädchen zu stiften, auszuführen. So entstanden rein zufällig gleichzeitig diese beiden Institute, ohne daß Eines dem Andern Concurrenz machen wollte. Von einer gewinnsüchtigen Absicht kann bei diesen 'i keines vegö die Rede sein, vielmehr herrscht bei Allen nur die Aöstcht vor, nor1? D’mn nx. Hamburg. das bis jetzt keine eigentlich orthodox - jüdische Mädchenschule besitzt, bietet wohl beiden gleichzeitig entstandenen Instituten Aussicht auf gesichertos Bestehen. Da ich diesen beiden neu entstandenen Anstalten gl-üch fern stehe, hielt gerade ich es für meine Pflicht, zur Steuer der Wahrheit und zur Abwehr gegen den oben erwähnten Artikel Ihnen Vorstehendes mitzntheilen. Abraham Levy, Lehrer der Talmnd-Thora-Schule zu Hamburg. Stettin. An den Redacteur der „Israelitischen Wochenschrift" ist folgende Zuschrift des Ministers der geistl. Angelegen!) gelangt: Berlin, 8. November 1870. In Allerhöchstem Aufträge eröffne ich Ew. Wohlgeboren auf die Eingabe vom 19. Äug ift b. I.. daß Se Majestät der König den von Ihnen empfohlenen .... die freiwillig angebotene unentgeltliche seelsorgerische Thätigkeit bei den jüdischen Soldaten der mobilen Armee und in den Lazarethen zu gestatten ge *) Anm. des Correctors: Wir erfahren erst durch diese Berichtigung von dem erwähnten Druckfehler; derselbe stand nicht in der Correctur und kam, wie uns heute gesagt wurd^ dadurch in's Blatt, baß beim Einheben in die Presse eine Zeile herausgefallen war und dann eilig neugesetzt tvurde. Dies zur gefälligen Notiz für Herrn Treuenfels.

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