Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 46 (16.11.1870)
- Date
- 1870-11-16
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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859 zum Guten als zum Bösen die Anlagen in ihm. Aufgabe der Erziehung ist es daher, das Gute zu wecken und zu fördern, das Böse zu unterdrücken Wenn nun aber das Kind von Natur noch nicht als moralisch gut angesehen werden kann, da man nur durch bewußtes Guthandeln gut wird,^so ist aber das Kindesgemüth, noch nicht von der Sünde befleckt, auögestattet mit dem göttlichen Antheil, der Seele, rein. In diesem Sinne äußert sich R. Asia: „Warum beginnen die Schulkinder zuerst das 3. B. M. zu lernen? Weil dieses die Vorschriften über die Opfer enthält, und die Kinder bis jetzt noch rein geblieben und nicht die Sünde kennen, so mögen die Reinen kommen und sich mit dem beschäftigen, was die Reinheit wiedergibt." (Tanchuma zu Äbschn. is.) Nicht gut und nicht schlecht ist der Mensch seiner Natur nach, rein aber ist das Kind, so lange es die Sünde noch nicht kennt, doch schlummert neben dem Trieb zum Guten der Trieb zum Bösen im Menschen (vgl. Sanhedrin 91 1».), Aufgabe des Erziehers ist es die Menschenpflanze, die ihm anvertraut ist, zu pflegen, daß der Trieb zum Guten so zur Herrschaft komme, daß einst der erwachsene Mensch ihm ganz unterthan sei, so unterthan, daß sein Guthandeln sich ganz von selbst verstehe. Keine Macht schreibt dem Menschen seinen Lebensweg vor, er ist Herr seiner Handlungen, D’Btp nso'D pn o’qip hu du Nichts aber ist lhörichter, als die Erbsünde in dem Bibelworte (l. B. M. 8, 2L) „denn der Trieb des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an" ("“iu,’:o jn D"ixn -ts’ u) zu finden; denn erstens bezeichnet die Schrift nicht denMenschen böse, wildern sagt nur, daß die Anlage zum Bösen in ihm l ege, zweitens ist nicht von seinerGeburt an, und endlich drittens wird dieses als Entschuldigung für die Sünden der Menschen angeführt: die Erde soll nicht mehr um des Menschen willen .untergeben, die Menschheit soll nicht mehr um ihrer künden willen vernichtet werden, liegt doch im Herzen, im Sinnlichen, der Reiz zur Sünde, darum soll Milde statt des strengen R<chles eintreten. V H^rogrammenjchau. An der Urtterrichtsanstalt der isr. Religionsgesellschast zu Frankfurt a. M. haben die Prüfungen vom 19.—22. Sept. stattgesunden. Die der Einladungsschrift beigefügte Abhandlung aus der Feder des Directors, Rabb. Hirsch: „Ein Einblick in einen altjüd. ErziehungsKanon" erläutert vielseitig den jüd.-pädag. Grundsatz „Chanoch Lanaar al pi darko," die Macht, die die Erziehung am jüd. Volke erprobt hat, nachweisend. — Aus den Schulnachrichten entnahmen wir, daß die Schule im Winter von 342 Kindern (Knaben und Mädchen) und im Sommer von 323 Kindern besucht worden ist. Dem dritten Jahresbericht der hebr. Unterrichtsanstalt des vr. P Neustadt in Breslau, dem ein Vortrag über „Des Israeliten vorzüglichste Pflichten zur Zeit der Gefabr des Vaterlandes vorangeht," entnehmen wir, daß sich die Schülerzahl auf 70 beläuft, von welchen 18 Knaben unentgeltlich, und eine ähnliche Zahl für die Hälfte des Schulgeldes unterrichtet werden. Die Schule wird insofern erweitert, als von jetzt an auch Mädchen ausgenommen werden. Von vielen Seiten wurde die Anstalt durch Getdunterstützung wie durch Zusendungen von dhsd erfreut, und schließen wir uns gern der Bitte des Leiters der Anstalt an, derselben ferner dhsd sowohl als auch Schriften über Juden und Judenthum zum Gebrauche für unbemittelte Schüler zu übersenden. -Literarisches. V* Herr Rudolph Fuchs, Lehrer in Wien, hat mchre Werke für den ersten Unterricht im H brä schul ausgearbeitet, und uns dieselben frenndllchst zur Einsicht übersandt. Wir lassen hier mit unwesentlicher Abänderungen den Verfasser reden, der sich über seine Schriften in einem Begleitschreiben folgendermaßen ausspricht: „Neue hebräische Lehrmittel. 1. Eine hebr. Wrudstvel, besteh nd aus 14 Wandtabellen mit großer, schöner Schrift. 2. Fibel OH'nß rvzwi, deren er'te 14 Seiten mit dem Inhalte der Tabellen ganz analog gehalten sind. — Oie pädagogisch berechneten Leseübungen, die S. 16 beginnen, wie die praktischen Anleileitungen zur Betheiligung am öffnitl-chen Gottesdienst, dürfen als sehr zweckmäßig bezeichne: werden. Der zweite Theil der Fibel enthält eine für diese Klasse berechnen, d. h. deren Auflassnngskraft angemessene Auswahl von den täglichen Gebeten und die ersten zwei Kap aus Die Uebersetzung (nach einer neuen Linieu-Methode) ist so eingerichtet, daß selbst das Minderbegabte Kind das einmal Gelernte, ohne jede fernere Nachhilfe selb st z lt w jederholen im Stande ist.*) Die Behandlung der Schöpfungsgeschichte mit den unter der Linie gesetzten Beesen, verdient Aufmerksamkeit; diese Declamationsübungen beheben und wecken den Geist der Kleinen für das große und erhabene göttliche Werk der Schöpfung. Die Seite 79 ist eine Vorbereitung zum nächsten Buche. 3. minn." Die Bearbeitung des voll- *) Anm. des .Ree.: Auch nur für Wiederholung können wir Linearübersetzung empfehlen.