Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 46 (16.11.1870)
- Date
- 1870-11-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2447447-2447492--08813-2464479- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
846 faltig die Thürcn Eurer Schulen, daß der Abfall und der Leichtsinn nicht eindringen könne. Wenn ihr hören |rötet, daß unser Landrobbiner ja eure Schulen besuchen wollte, schickt ihm nicht eilf, schickt ihm sofort zweimal eils GuldeK, um Eure Schulen im Tact zu erhalten. — Doch das sind müssige Befürchtungen; er wird nie auf den Gedanken kommen-, aus freiem Antriebe eine Schule besichtigen zu wollen; der Schwerpunkt feines Wirkens scheint also vielleicht anderwo zu liegen. Nun, wir werden Alles untersuchen, was zur Funktion eines Rabbiners gehört, und unS dann überzeugen. Berlin. Vor einigen Tagen traf ein fünffach schwer verwundeter Landwehrmann mosaischen Glaubens hier ein , welcher von seiner in Flatow in Preußen wohnenden Frau hier erwartet wurde. Derselbe lebt zu Hause unter sehr dürftigen Verhältnissen und hat noch seinen 80 Jahre alten blinden Vater zu ernähren. Der BezirksVorstand des 100. Stadtbezirks, Herr Dalchow, veranstaltete unter den jüdischen Bewohnern des genannten Stadtbezirks eine Sammlung, die unserem Helden nahezu 40 Thlr. einbrackte. Dieses G'!d wird Herr Dalchow an den Ortsvorstand von Flatow zur Unterstützung der Familie des Schwerverwundeten senden. (Trib.) Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Wien. Hofrath Dr. Gottfried Schmelkes, Gründer des königl. sächs. und des isr. Hospitals in Teplitz in Böhmen, der erste praktische Arzt daselbst und eine auch in wissenschaftlichen Kreisen hochgeachtete Persönlichkeit, ist auf einer Erholungsreise am 28. v. M. in Jnterlaken einer Nervenlähmung erlegen. In Prag 1807 geboren, hat er dort und in Wien feine Studien vollendet und durch 40 Jahre rmunlrrbrochen als Arzt und später als Stadtrath in Teplitz gewirkt. Er war Ritter des Fran; Joseph- Ordens; kaum eine Akademie oder medizinische Gesellschaft , die ihn nicht zu ihren Ehrenmitgliedern zählte. Lemberg, 7. Nov. Das neue, nun sanctionirte Lemberger Gemeindestatut mit seiner Bestimmung , welche die Zahl der für die Gemeindevertretung zu wählenden Israeliten beschränkt, verstößt gegen unsere die Gleichstellung proclamirenden Grundgesetze. Man bereitet daher non freisinniger Seite eine Klage beim Reichsgericht vor. Aus Effegg wird berichtet: Der Bau des neuen israelitischen Tempels in der Oberstadt — eine Zierde dieses Stadttheiles — ist bereits beendet und wird jetzt mit allem Eifer an der inneren Ansschmückung und Einrichtung desselben gearbeitet. In der Nacht aus den 28. drang ein unbekannter Muthwilliger in den Tempel, kletterte auf die Gerüste, bespritzte die kaum vollendeten Plasondmalercien in den Gallerten mit verschiedenen Farben, beschmierte die Wände und den Sternenhimmel, brach die wttsten Ornamentspitzen mit einem aufgefundenen Eisen ab uno warf schließlich alle Farbentöpfe und Wasferkübel vom Plafondgerüste herab. Trotzdem Vorübergehende das Getöse im Tempel hörten, achtete doch Niemand daraus und so konnte der Böswillige seinen Vandalismus ungestört sortsetzen, ohne entdeckt zu werden. Italien. Rom. Bei der Versammlung der beiden vereinigten Viertel Sant' Angelo und Campitelli unter dem Präsidium des Grasen Pianciani fand eine lobenswerthe Demonstration für die Israeliten statt. Es ist bekannt, daß daö Ghetto zu beiden Bezirken gehört; mau sollte acht Räthe wählen, und man dachte gleich zwei Israeliten zu wählen, welche Wahl auch unter einstimmigem und herzlichen Beifall vor sich ging. Die Römer bezeigten mm aus diese Weise durch Worte und Thaten, daß sie anders denken und handeln, wie es bis jetzt der Fall, und sie das Unrecht einsehen, das bis jetzt ausgeübt wurde. (1' Adige.) England Porlsmulh. In diesem Jahre wurde es zum ersten Male erlaubt, im hiesigen Gefängnisse am Laubhüttenfeste einen Gottesdienst mit aM und jnnK abzuhalten. (Iew. Ehr.) Feuilleton. Säen und Ernten. XXII. Die Rache. Herr von Wolfseck hatte beschlossen, sich an seiner Frau und seinen Kindern in empfindlicher Weise zu rächen; zuleich war er entschlossen, gegen die Ruhdorfs, die ihm stets feindlich in den Weg traten, einen vernichtenden Schlag zu führen. Er erspähte eifrig die Gelegenheit. Unterdeß hatten sich die Verhältnisse der Familie Ruhdors sehr glücklich gestaltet. Das Geschäft Naph-