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Der Israelit · 1870-11-09 · Heft 45 (9.11.1870) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 45 (9.11.1870)
Date
1870-11-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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831 aus den mächtig«» Ereignissen, welche die Söhne des Vaterlandes mit Gottesmuth und Gotteskraft heldenmüthig vollbringen, ertöne laut uvd vernehmlich die GotteSverheißung einer großen Zukunft für das Vaterland, da auch die beinahe seit zwei Jahrhunderte entfremdeten Kinder wieder zurückkehreu werden in den Schooß ihrer Mutter. Ich entwickelte dann anschließend die Bedeutung des Dersöhnunfistages in der obwaltenden Lage und schloß mit einem Gebete für den König, unfern Schirmherrn, dessen Verbündete, für das deutsche Heer, die deutschen Stämme und für Israel. — Eine wahrhaft erhebende Andachte herrscht während des ganzen Gottesdienstes; so innig und bewegt wurde wohl selten gebetet als an diesem Abende. Als ich von dem Gebete des Erzvaters (Jacob) über die „Heimkehr zum eignen Heerd in Frieden" sprach, mußte ich, unterbrochen durch das Weinen und Schluchzen der Zuhörer, mehrere Minuten inne halten. Mit Ausnahme der wenigen Soldaten, welche den Lazarethdienst versehen und deshalb in St. Barbe blieben, begaben sich alle Uebrigen nach Beendigung des Gottesdienstes in ihre Quartiere zurück, manche mußten einen dreistündigen Weg zurücklegen. Am andern Morgen waren sie alle zur festgesetzten Zeit erschienen. Der Vorbeter von gestern verrichtete "das Schachris- und Musaphgebet und in Ermanglung einer Thorarolle erklärte ich den Inhalt deö Tagesabschnittes und die Haphtara aus JesaiaS. Anknüpfend an den verlesenen Vers über den Tod der Söhne Aronö beleuchtete ich das Wesen jener hohlen Begeisterung, welche zum Untergänge führen müsse, weil sie ohne Sittlichkeit und Religion, nur aus dem „fremden Feuer," aus der Sucht nach eitler Größe und falscher Gloire entsteht, während der echten, wahrhaften Begeisterung, die aus dem Streben nach Recht, Wahrheit und Liebe hervorquillt, der Sieg nie ausbleibt. Da unter den Anwesenden mehrere sich befinden, welche in den Schlachten gefallene Krieger betrauerten, sprach ich noch über die tiefe mustergültige aber stille, gottergebene Trauer AronS bei dem Tode seiner geliebten Söhne. Es fand übrigens wie üblich nach Schachris eine Seelenfeier (Haskoras N'schemoS) statt, in welcher ich noch ein besonderes Gebet für die gefallenen Krieger einschaltete. Nach dem Musaphgebete verblieb noch eine Anzahl zurück mit Gegenständen der Andacht sich beschäftigend. Um 3 Uhr fand sich die fromme Schaar wieder ein mit Ausnahmen von wenigen, welche sich schon zum Vorvostendienste für den folgenden Tag bereit halten mußten. Wir beteten sämmtliche Gebete von Mincha und N'ilah; ein Unteroffizier war auf sein Verlangen Vorbeter für Mincha und ich für N'ilah. Nachdem der Gottesdienst mit Sonnenuntergang beendigt war, richtete ich an die Anwesenden noch einige Worte der Anerkennung für die fromme, lebhafte Betheiligung am Gottesdienste, der mir selbst eine theure Erinnerung lür's ganze Leben sein werde. Hierauf ergriff Herr Hirschberg, Vicefeldwebel aus Culm, dem, wie ich hörte, die Ernennung zum Lieutenant bevorstcht, das Wort, und drückte mir im Namen seiner Kameraden den herzlichsten Dank aus. Ich wurde beauftragt, Großh. Stadtrabbinat den Dank aller Anwesenden zu überbringen. Es sei ihnen schon längst ein Herzensbedürfniß gewesen, in einer Stunde gemeinsamer Andacht ihrer bedängtes Herz vor Gott auszuschütten; sie hätten jetzt dem Drange ihres Herzens genügt und würden in freudiger Stimmung und mit ruhigem Gewissen der Zukunft entgegengehen. Im Namen sämmtltcher Kameraden wurde ich von Herrn Hirschberg ersucht, einen Gottesdienst für das 1. Armeecorps bald wieder abzuhalten. In gehobener Stimmung trennte sich die andächtige Schaar. Am folgenden Tage den 6. October machte ich Sr. Excellenz General v. Manteuffel Anzeige über den stattgefundenen Gottesdienst, und indem ich demselben Seitens meiner und der isr. Soldaten ebenso innig wie ergeaen Dank abstattete, trug ich ihm das Verlangen der letzter» nach baldiger Wiederholung eines Gottesdienstes vor. Herr von Mauteuffel nahm meine Mittheilung freundlich entgegen und äußerte seine freudige Befriedigung. Er beauftragte mich) Großh. Stadtrabinat seinen Dank für meine Sendung zu überbringen. Den fernern Gottesdienst betreffend, frug mich Herr v. Manteuffel, wann ich denselben zu halten gedenke, er erachte jedoch in Anbetracht der Verhältnisse einen solchen erst nach Ablauf von drei Wochen für thunlich. Auf Weisung des Herrn v. Manteuffel wurde mir auch für die Rückreise freie Fahrt gewährt. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 6. Nov. Heute kam ein Bettler in ein hiesiges Haus mit einem sehr warm abgefaßten Empfehlungs-Schreiben, angeblich vom Oberrabbiner Aron m Straßburg; dasselbe war auf Papier geschrieben, auf welchen sich gedruckt befindet: Le Grand-Rabbin du Consistoire de Strassbourg (statt Strasbourg); ferner Strassburg (sic) le __ 18; es war ferner mit einem Stempel versehen, welches als Umschrift die Worte: „Consistoire Isra&ite de Strassbourg, und als Inschrift: „Amoud Aron, Grand-Rabbin,“ hat. Das Schreiben wurde dem Vorzeiger abgenommen und uns zur Beurtheilung zu-

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