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Der Israelit · 1870-11-09 · Heft 45 (9.11.1870) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 45 (9.11.1870)
Date
1870-11-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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830 zu werden, und alsdann hat die gefammte Mannschaft gefechtsbereit auszurücken. Er versprach, mir feine kkleMphische Miltheilung für spätestens Sonntag den 2. Oktober Vormittags, worauf ich ihm sofort antworten müsse, ob ich mich an den von ihm bezeichneten Orte hinbegeben wolle. — Um 5 Uhr war ich wieder in St. Barbe, woselbst mir eine Stube zur Wohnung angewiesen wurde, die mich innerhalb der Verhältnisse noch sehr befriedigte. Mit Spannung erwartete ich Sonntag Vormittag das Telegramm deS Herrn v. Kummer, aber vergebens. Auf dem Bureau deS Feldtelegraphen erfuhr ich Nachmittags 4 Uhr, daß inzwischen General v. Kummer in der Nacht des 31. Sept. mit seiner ganzen Division von Olgy aufgebrochen und auf das linke Ufer der Mosel marschirt sei; es wurden überhaupt in den Tagen des 31. Sept. und 1. Okt. größere Dislokationen im Lager vorgenommen. Sonntag den 2. Okt. hörte man, daß die Division Kummer in einem starken Vorpostengefecht sich befinde; d-e Kunde erhielt durch den in St. Barbe vernommenen Kanonendonner volle Bestätigung. Ich unterließ dennoch nicht, telegraphisch bei Herrn General v. Kummer anzufragen, wie ich es mit dem Feldgottesdienste zu halten habe und erhielt von einem Offizier seiner Division folgende telegraphische Antwort: „Da das Corps in den nächsten Tagen voraussichtlich stark engagirt ist, so vermag Excellenz keinen Tag zu bestimmen " Einen Augenblick hatte es den Anschein, als ob mein Vorhaben völlig mißlungen sei; ich begab mich jedoch zum Adjutanten des Herrn v. Manteuffel, Major v. Frankenburg, und bat ihn, da voraussichtlich ein Gottesdienst mit der Division Kummer nicht zu Stande käme, einen solchen mit den israelitischen Soldaten eines anderen Corps zu ermöglichen. Herr v. Frankenburg unterbreitete mein Gesuch dem Herrn v. Manteuffel, welcher hierauf die Abhaltung eines Gottesdienstes am Dienstag Abend und Mittwoch in St. Barbe für das I. Armeecorps genehmigt und angeordnet hat. Montag den 3. October traf mich Herr von Manteuffel und machte mir von seiner Anordnung persönlich freundliche Mittheilung mit dem Ausdrucke deS Bedauerns, daß er für die Israeliten der Division Kummer nichts mehr anzuordnen habe, da letztere seinem Befehl nicht mehr untergeben ist. Se. Excell. bemerkte, daß der Gottesdienst in St. Barbe dem Mittelpunkte der Standquartiere, stattzufinden habe, da auch die am Gottesdienste teilnehmenden Soldaten bei einer etwaigen Allamirung in kürzester Zeit zu ihren Abtheilungen zurückkehren müßten. „Kommt Bazaine, so hört Alles auf." Die weitern Anordnungen möge ich mit seinem Adjudanten vereinbaren. Nach einer Besprechung mit letzterem wurde zunächst die Zeit für den Gottesdienst dahin festgesetzt, daß derselbe Dienstag Abend 6 —T1 /2 Uhr, Mittwoch Morgens von 3—6 Uhr abgehalten werde, daß aber jedenfalls die Soldaten nach vollbrachter Andacht in ihre Quartiere fich zurückzubegeben -haben. Das Bedürfniß des NachmittagSgotteSdienstes, nachdem bereits einer am Vormittage ftattgefunden, wollte deck Herrn Major nicht einleuchten, zumal unter dem obwaltenden Verhältnissen. Er meinte auch, daß ihm dadurch neue Schwierigkeiten wegen der nöthig werdenden Verpflegung der Soldaten entstehen würde, eine Besorgniß, deren Beseitigung ich für Jom-Kippur leicht übernehmen konnte. — Eine nicht unwesentliche Schwierigkeit bot noch die Wahl des Ortes. Von einem eigentlichen Feldgottesdienste mußte für Dienstag Abevkd wegen der Dunkelheit und auch für Mittwoch aus selbstverständlichen Gründen abgesehen werden. Es ist erwähnenSwerth, daß mir die Benützung der katholischen Kirche angeboten wurde, obwohl dieselbe erst von einer großen Zahl Soldaten, ihren zeitigen Bewohnern, für diesen Zweck hätte geräumt werden müssen! — Da jedoch ein Köuigsberger Arzt, mein unmittelbarer Nachbar, mir bereitwilligst sein dem meinigen angrenzendes Zimmer einräumte, so fand der Gottesdienst in diesen beiden Räumen statt. Zum Gottesdienste erschienen nun Dienstag am Vorabend des Versöhnungstages fast sämmtliche iSr. Soldaten aus den Regimentern 1, 5, 43 und 44; als ihre Heimath bezeichneten sie größtentheils: Thorn, Culm, Danzig und Tilsit, mehrere derselben sind zur Auszeichnung mit dem eisernen Kreuze vorgeschlagen; die meisten kamen aus den Dörfern Colombey, Ogy, Servigny, Retonfay, Flanville und Laquenexy. Wenige Minuten vor 6 Uhr ließ ich den Gottesdienst beginnen. Ein Unteroffizier trug die sämmtlichen Gebete sehr angemessen vor. Vor dem Scklußgebet Olenu hielt ich die Predigt über den Text aus Ieremia Cap. 31. Vers 15 und 16: „So spricht der Ewige, halte zurück deine Stimme vom Weinen und dein Auge von Thränen, denn ein Lohn ist für dein Thun, ist der Spruch des Ewigen, und sie werden zurückkehren aus dem Lande des Feindes. Und Hoffnung ist für die Zukunft, ist der Spruch des Ewigen, und es werden zurückkehren die Kinder in ihr Gebiet." Ich mahnte meine Krieger Muth zu fassen im Vertrauen und in der Hoffnung auf Gott. Jeder möge heute an diesem heiligen Tage mit dem Erzvater Jacob aus vollem Herzen geloben und beten: „Wenn Gott mit mir sein wird und mich behüten auf diesem gefahrvollen Weg, den ich gehe, und ich nach errungenem glorreichen Frieden heimkehre in mein älterliches Haus, so soll der Ewige mir zum Gotte sein;" eine innere Stimme werde ihm alsdann den Spruch des Ewigen, des Erhörers aller aufrichtigen Gebete, verkünden: Nicht vergeblich ist deine opferwillige, todesmuthige Hingebung, „ein Lohn Ist für dein Thun," du wirst ruhmgekrönt zurückkehren

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