Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1870)
- Date
- 1870-11-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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832 geschickt. Wir erkannten dasselbe sofort als gefälscht, da die Handschrift eine ganz andere als die des darin genannten Herrn Ober-Rabbinen war. Man sieht, in welcher Weise, Schwindler sich beeilen, das Unglück Straßburgs auszubeuten. Wie viele Bettelbriefe mögen schon von jenem .Fälscher ausgestellt und verkauft sein! Wir ersuchen alle jüdischen Zeitschriften, die obige Mittheilung zur Kenntniß ihrer Leser zu bringen, damit das Publikum vor Betrug bewahrt werde. Wie sich herausstellte, wnrde der Stempel von einem hiesigen Graveur angefertigt, dem sich der Betrüger als Oberrabbiner von Straßburg vorstellte! Bei dieser Gelegenheit wollen wir noch bemerken, daß dem Herausgeber dieser Blätter bereits vielfach zu Ohren gekommen, daß von umherreisenden Bettlern seine Unterschrift, Siegel und Papierstempel nachgeahmt werden, und daß derselbe deßhalb bereits seit vielen Monaten keine derartigen Zeugnisse oder Unterschriften gibt. Mainz, 6. Nov. 'Auf eine Anfrage nach dem Zustande unserer Glaubensgenossen in Metz haben wir von Herrn Oberrabbiner Lipmann daselbst die nachstehende Antwort in französischer Sprache erhalten, die wir hier in deutscher Uebertragung wiedergeben: „M e tz, 4. Nov. 1870. „Sehr geehrter Herr College! „Empfangen Sie meinen herzlichen Dank für das wohlwollende Mitgefühl, das sich in Jbrem Briefe vom 31. October ausspricht; ich habe diesen Brief erst gestern Abend erhalten. „Ich habe die Genugthuung, Ihnen mittheilen zu können, daß wir bis jetzt noch den Bedürfnissen unserer Armen zu genügen im Stande sind. „Genehmigen Sie, sehr geehrter Herr College, die Versicherung meine vorzüglichen Hochachtung. S. Li p pm ann, granä-raddin äs Metz.“ Mainz, 7. Nov. Zn der Armee Bazaine's, welch in Metz capitulirt hat, befinden sich mehrere Hundert Glaubensgenosien — die Mobilgardisten ungerechnet. Unter den hier bis heute von Metz ein« gebrachten Gefangenen befinden sich 11 Israeliten, darunter ein Sergeant majeur. Ein jüdischer Oberst, Colonel See, ist dieser Tage hier durchgereist — Karlsruhe. Von 304 Stimmberechtigten wurde heute Leopold Guggenheim, Kaufmann in Gailingen, mit 206 Stimmen als Bürgermeister gewählt. Er ist der erste Israelit in Baden der zu einer solchen Stelle gelangt. □ Frankfurt a M , 28. Oct. Ihre Maj. die Königin von Preußen war vorgestern hier anwesend, und besuchte auch das Lazareth der Baronin v. Rothschild an der Hafenstraße dahier. — d Dresden, im October. Die Festtage sind vorüber, und wie wurde das Schlußfest begangen? durch Einweihung der Orgel, deren Töne in den Seckel der Gemeinde einen starken Mißton geben, und deren Klänge die bisher stets leeren Räumen der Synagoge nicht füllen und nicht füllen werden. Am Eingang der Synagoge war einige Tage vor Rosch Haschonoh angeschlagen, daß am 1. und 2. Tag Rosch Haschonoh früh von 6—8 Uhr Koscher- Fleischverkauf stattfinde, ferner daß Jom Kippur die Nan tyi nur vom Chasan zu Kol Nidre und zuMußaf laut gesagt werden. Das sind Verordnungen, die aus dem Schooß des Gemeinderathes hervorgehen, und die nach und nach darauf Hinzielen, das religiöse Judenthum aä acta, zu legen. Seit Jahr und Tag wird die Schemone Esreh nur einmal gebetet, aus Furcht, daß der Gottesdienst 3 Minuten länger dauere. Und was sagt die Gemeinde dazu? Nichts; sie läßt sich Alles gefallen und wenn der Gemeinderath, dem das religiöse Judenthum Null, den Sabbat auf den Sonntag verlegen würde rc., wie die Pagoden würde auch hier die Gemeinde zu Allem ja sagen. Christliche Herren und Damen singen hier im Chor, diese singen Schma Jisrael. Ist hier Jemand tow, so kömmt er zum Kaddischsagen allenfalls einmal am Sabbat in die Synagoge oder gibt es ganz in Commission. Auch kömmt es vor, daß einer frommen Frau blos vier Wochen lang Kaddisch in Auftrag nachgesagt wird; der Auftraggeber meint dann, es sei das lange genug für eine alte Frau. Auch 2 Civilehen sind hier geschlossen worden: ein jüdisches Mädchen, welches einen Nichtjuden heirathete und ein Jude, welcher eine Nichtjüdin heirathete. Die Leute waren Ausländer und zwar Böhmen. Gott besiere unsere traurigen irreligiösen Zustände. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Die Wiener israelitische Kultusgemeinde wird statutenmäßig gegen Ende des nächsten Monats zur Vornahme der alljährlichen Vorstandswahlen schreiten. Einem Vorstandsbeschlusse gemäß soll (falls diesem Beschluß noch rechtzeitig die nöthige Sanktion der Behörde zu Theil wird) das bezügliche aktive Wahlrecht eine wesentliche Erweiterung erfahren und auch auf jene in Wien wohnenden Israeliten ausgedehnt werden, die, ohne Mitglieder der Kultusgemeinde zu sein, seit drei Jahren in der Hauptstadt domiziliren und den statutenmäßigen Beitrag zu den Gemeinde-