Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1870)
- Date
- 1870-11-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XI. Jahrgang. Beilage z« Nr. 45 des Israelit. Leitender Artikel. Miefe u. Nachrichten vom Kriegsschauplätze. xxxm. Die „A. Z. d. I." veröffentlicht einen Bericht des Herrn vr. I. Blumen st ein, der, wie wir bereits mitgetheilt, zum Versöhnungstage in das Lager vor Metz gereist war, um dort einen isr. Feld-Gottesdienst abzuhalten. Wir theilen denselben hier im Auszuge mit: „Mannheim, 19. Oktober 1870. Aus dem Lager vor Metz zurückgekehrt, beehre ich mich über den Erfolg des mir ertheilten ehrenvollen Auftrages ergebenst Bericht zu erstatten: Durch die Legitimation, welche mir vondemBürgermeifteramte und Etappencommando in Mannheim ertheilt worden, erhielt ich als „isr. Feldgeistlicher" freie Fahrt (II. Classe) in das Hauptquartier des I. Armeekorps, wohin ich mich gemäß der von Seiner Excellenz dem General von Manteuffel ergangenen telegraphischen Mittheilung d. D. St. Barbe v. 25. v. M. zunächst zu begeben hatte. Donnerstag den 29. Sept. reiste ich von Mannheim ab, gelangte aber an diesem Tage nicht weiter als bis nach Saarbrücken; hier wurde mir vom Etappencommando Quartier für die Nacht im Hause des Herrn Banquier Michel Simon angewiesen, woselbst ich freundliche Ausnahme fand. Ich kam am folgenden Tage gegen Mittag nach Courcelles, der letzten Eisenbahnstation vor Metz, und erreichte vermittelst eines von dem Johanniter Baron v. Gramm aus Hannover mir freundlichst zur Verfügung gestellten Wagens um 2 Uhr meinen Bestimmungsort. Ich begab mich sofort zu Sr. Excellenz dem kommandirenden General Herrn von Manteuffel, der aber eben im Begriff war, sich mit dem Generalstabe zur Tafel zu begeben. Exc. empfing mich sehr freundlich, lud mich zur Tafel ein und bemerkte, daß er geschäftlich mich erst gegen 3 Uhr zu sprechen wünsche. Dankend lehnte ich die freundliche Einladung ab und fand mich zur bestimmten Stunde ein. Ich überreichte Sr. Exc. das verehrliche Schreiben vom 28. v. M., in welchem das Großh. Stadtrabbinat zu Mannheim mich zur Ausübung feldgeistlicher Functionen für die Soldaten isr. Glaubens präsentirte. Der Herr General äußerte: Das Gesuch Großh. Stadtrabbinats vom 16. v. M. sei zu seinem Bedauern erst spät angekommen, weshalb die Berufung eines isr. Feldgeistlichen und die Abhaltung eines organisirten Feldgottesdienstes an den beiden Neujahrstagsn nicht mehr zu ermöglichen gewesen; er habe indeß die Berücksichtigung der Soldaten isr. Glaubens bei Heranziehung zum Dienste an diesen Festtagen, soweit nach den Verhältnissen thunlich, bei seinem Armeecorps und der seinen Befehlen untergebenen Division Kummer angeordnet. Den Gottesdienst am Versöhnungstage betreffend, bemerkte Se. Exc., daß ich mich nach Olgy zum General von Kummer zu begeben habe, da in der Division Kummer eine beträchtliche Zahl Soldaten isr Glaubens sich befinden, aus deren Mitte auch das Gesuch an Großh. Stadtrabbinat um Verwendung behufs Erlaubniß zur Feier der hohen Festtage ergangen ist. Die Division Kummer besteht nämlich aus mehreren combinirten Landwehrregimentern, die den Provinzen Posen, Ost- und Westpreußen angehören. Im Laufe der Unterredung, in welchem Herr v. Mannteuffel wiederholt seine Freude über meine Sendung ausdrückte und mir alle Vergünstigungen bereitwilligst zu gewähren versprach, bemerkte er jedoch, daß sein Corps fast täglich engagirt sei, er also eine bestimmte Zusage in Betreff der Theilnahme an dem Gottesdienste seitens der Israeliten dieses Corps vorerst nicht machen könne. Schließlich wies mich Se. Exc. an seinen Adjutanten Major v. Frankenberg, und dieser gab mir ein Schreiben, mit welchem ich den Weg nach Olgy ungehindert passiven würde. Herr Oberst von der Golz, von welchem ich einen Wagen erhielt, gab mir noch, da die Wege wegen der Francs-Tireurs unsicher sind, eine reitende Ordonnanz mit. In der That hatte der Weg nach Olgy ein recht kriegerisches Aussehen; beträchtliche Truppenmaffen lagerten auf freiem Felde, ihr Mittagbrod am Bivouakfeuer abkochend. Ich wurde sehr oft von den wachhaltenden Soldaten nach meiner Legitimation gefragt, aber das Schreiben des Herrn v. Frankenburg und meine Ordonnanz bahnten mir überall den Weg. — Gegen 4 Uhr in Olgy angekommen, hatte ich sofort eine Unterredung mit dem General v. Kummer. Dieser sagte mir, daß laut Corpsbefehl des kommandirenden Generals v. Manteuffel die isr Soldaten seiner Division am Abend des 4. und am 5. Oktober vom Dienste im Heere befreit seien. Er werde mir gern nach geschehener Ermittlelung die Zahl der jüdischen Soldaten und den Ort für den abzuhaltenden Gottesdienst telegraphisch angeben. Mein Verlangen, den Gottesdienst in dem drei Stunden entfernten Dorfe Bonlais, woselbst eine Synagoge ist, abzuhalten, erklärte der General für unthunlich. Wir müssen, sprach er, immer darauf gefaßt sein, innerhalb 10 Minuten allarmirt