Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1870)
- Date
- 1870-11-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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827 Verwaltung von Präfecten und der Oberleitung eines Civilgouverneurs. Jedes Departement wählt drei Deputirte. Didier ist zum Gouverneur, Lallemand zum Obercommandanten der Streitkräfte zu Wasser und Land in Algerien ernannt. Die Israeliten Algeriens sind zu fra nzö sis chen Bürgern erklärt worden. Feuilleton. Säen und ßrnten. XXI. Die Audienz. Als Wilhelmine lange am Herzen der Mutter geweint hatte, beruhigte sie sich endlich insoweit, daß sie Kraft gewann, die Unterredung zu wiederholen, die sie mit ihrem Vater gehabt hatte. Hier that eilige Hilfe Noth. Auguste entschloß sich, rasch zu handeln; sie ließ ihren Wagen Vorfahren und fuhr zu dem ihr bekannten Hofmarschall von Freysingen. „Excellenz," sagte sie, als sie vor den Hofmarschall trat, „ich muß heute noch Seine Majestät, den König, sprechen; ich würde Ihnen ewig dankbar sein, wenn Sie mir eine Audienz verschafften." „„Aber, liebe Frau von Wolfseck,"" fragte der Hofmarschall erstaunt, „„was haben Sie so Eiliges beim Könige zu thun?"" „Ich beschwöre Sie, Excellenz, fragen Sie mich nicht; aber erfüllen Sie meine Bitte. Später werde ich Ihnen Alles erzählen." „„Nun denn, es ist heute gerade Audienztag, und die Empfangsstunden sind noch nicht abgelaufen. Ich will mit Ihnen nach dem Residenzschlosse fahren und sehen, was ich für Sie thun kann."" Vor dem Hofmarschalle öffneten sich alle Pforten des königlichen Schlosses. Bald meldete der dienstthuende Kammerherr dem Könige, daß Frau von Wolsseck Seine Majestät in dringender Angelegenheit sofort zu sprechen wünsche. Unterdeß stand Auguste im Vorzimmer voll Angst und Zagen. Ihre Gedanken stiegen zu Gott empor, der das Herz der Könige lenkt. „Allmächtiger Gott," flehte sie lautlos, „Du vernimmst, was ich denke. O, lehre meine Lippen zu reden und das Herz des Königs zu erweichen; stehe Du mir bei, daß mein Mund nicht verstumme, daß meine Knie nicht wanken. Kräftige Du mich in der Fülle meines Kummers, Du, meine Zuversicht, mein Fels, mein Hort, mein Erlöser!" Jetzt kam der Kammerherr zurück und führte die zitternde Frau in das Gemach des Königs. „Sie wünschen mich zu sprechen, Frau von Wolfs eck?" redete der König sie sanft an. Auguste öffnete die Lippen, brachte aber keinen Laut hervor. „Fassen Sie Muth, Frau!" sagte der König, „was führt Sie zu mir?" Da erholte sich das geängstigte Weib; einThränenstrom machte ihrem gepreßten Herzen Luft, und schluchzend rief sie: „„Gnade. Mäjesiät, Hilfe, Schutz!"" „Hilfe, Schutz?" Gegen wen, Madame?" „..Gegen meinen eigenen Gatten!"" „Gegen den biedern Herrn von Wolfseck?" „,,O, Majestät, mein Gatte will meine Tochter zu einem verhaßten Ehebund zwingen!"" „Ist Ihrer Tochter eine Verbindung mit dem Grafen von Rieneck so verhaßt?" „„Das ist sie. Majestät!"" „Und warum? Graf Rieneck ist doch ein angenehmer Cavalieri" „„Majestät, ich könnte sagen, daß Graf Rieneck sich nicht des besten Rufes erfreut — allein das ist nicht der alleinige Grund!"" „Und die anderen Gründe?" „„Mein Mann will meine Tochter dieses Ehebundes halber zur Taufe zwingen!"" „Ist bas so schrecklich?" „„Majestät wollen mich nicht mißverstehen. Wollen Majestät geruhen, mir zu erlauben, mich auSzusprechen?"" „Hören Sie, Frau von Wolfseck, ich begreife Sie nicht. Schon vor Jahren, als Ihr Sohn in'S Kadettenhaus eintreten sollte, haben Sie ihm zur Flucht verhoffen, um ihn der Taufe zu entziehen. Man hat mir gesagt, Sie seien eine gebildete Dame; als solche müssen Sie wissen, daß das Christenthum die eigentliche Entwickelung des Judenthums ist, daß nur Hartnäckigkeit und Halsstarrigkeit die ungebildeten Juden von der Taufe abhält. Sehen Sie Sich um in der Welt, Madame; schauen Sie auf die Gesittung, auf die Civilisation der Völker, die das Christenthum bewirkt hat, auf die hohen Sittlichkeit - Prinzipien , die durch das Christenthum in das Leben der Nationen eingedrungen sind — und Sie wollen den Uebertritt zu einer solchen Religion für etwas Schreckliches , für etwas Verabscheuungswürdiges erklären? Danken Sie Ihrem erleuchteten Gatten, daß er Ihre Kinder eines solchen Glückes theilhaftig machen will, und sagen auch Sie sich von Ihren Vorurtheilen los!" „„Majestät, ich bin weit entfernt davon, dem Christenthume zu nahe treten zu wollen; ich will Eu-