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Der Israelit · 1870-11-09 · Heft 45 (9.11.1870) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 45 (9.11.1870)
Date
1870-11-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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825 Danzig, 21. Oct. Die dritte Beilage zu Nr. 40 und 41 des Israelit enthält in einem Artikel über Danzig vielfache Ungenauigkeiten, deren Berichtigung gewiß einer löblichen Redaction ebenso erwünscht sein wird, wie sie dem Unterzeichneten geboten zu sein scheint. Der Correspondent ist sicher kein Danziger. Die Danziger Leser würden sehr überrascht durch die Mittheilung des X. Correspondenten sein/, daß die einzelnen Gemeinden, deren es hier fünf gibt, sich auch sämmtlich eigene Begräbnißplätze unterhalten — da es im ganzen nur zwei Friedhöfe hier gibt. — Ebensowenig wahr ist, leider! die Behauptung des Correspendenten, daß die Gemeinden über bedeutende Summen verfügen: im Gegentheil weiß hier jeder mit den Verhältnissen auch nur obenhin Vertrauter, daß bloß eine einzige Gemeinde ein nur kleines Kapital hat, während die übrigen Gemeinden froh sind, wenn sie ihre mäßigen Bedürfnisse, ohne Schulden gemacht zu haben, befriedigen. Ferner weiß hier jedes Kind, daß die „alte Danziger Gemeinde" keinen Rabbiner hat, wohl aber die Altschottländer Gemeinde. Daß die „Schechitah ohne Aussicht" sei, wie Herr X. behauptet, ist ebenfalls eine Unwahrheit: Den vorigen Winter ward in sämmtlichen Synagogen der fünf Gemeinden eine vom Unterzeichneten erlassene Bekanntmachung verlesen und angeheftet, wornach das bei einem gewissen Metzger Storch ausgpbotene Fleisch geassert ward. Ebenso ist es notorisch, daß wiederum auf Anregung des Unterzeichneten im verflossenen Sommer von sämmtlichen Gemeinden Vertrauensmänner gewählt wurden zur Berathung über die Centralisirung des Koscher-Fleisch-Verkaufes: Die aus 12 Männern bestehende Commission, an deren Spitze der Unterzeichnete stand, hat in ihrem Schooße eingehende Berathungen und mit den Fleischern Verhandlungen gepflogen — und nur der Ausbruch des Krieges trug die Schuld, daß das „gute Werk," nicht schon zum gedeihlichen Abschluß gebracht worden ist. — Daß die hiesigen religiösen Zustände Vieles zu wünschen übrig lassen, das ist allerdings eine beklagenswerthe Thatsache. Aber wann und wo wäre nicht Grund zu solcher Klage? Keinesfalls wird es besser und erquicklicher werden durch offene oder versteckte Verdächtigung Solcher, die nach Maßgabe ihrer Kraft und in Berücksichtigung der Verhältnisse ruhig und still an der Besserung arbeiten. vr. I. W aller st ein, Rabbiner. Holland. Amsterdam. Eine arme jüdische Frau in Amsterdam wurde jüngst von Drillingen entbunden. Ihr Mann ist sehr arm und Vater von 6 Kindern. Man hat bei unfern Glaubensgenossen durch eine Collecte der dringendsten Noth abgeholfen. Amsterdam. Bekanntlich ist das ziemlich ausgedehnte Geschäft der Diamantschleifereien in den Niederlanden in den Händen jüdischer Firmen in Amsterdam. In Folge des Krieges geht das Geschäft sehr schlecht und Hunderte von Glaubensgenossen sind dadurch ohne Beschäftigung. Vor einigen Tagen wurden von den Diamantschleifern eine Versammlung abgehalten; diese beschloß die Eigenthümer der Schleifereien um einen Vorschuß von 6000 fl. für 400 Familien, bestehend aus 2000 Personen, zu bitten, welche Summe sie, sobald die Arbeit in ihrer ganzen Ausdehnung wieder beginnen wird, in gewissen Raten zurückgeben wollen. Man zweifelt nicht, daß dies billige Verlangen gewährt werden wird. (N. I. W.) Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Wien. In dem hier soeben abgehaltenen Generalconvent der evangelischen Superintendenten kam die Verlesung eines vom Reichskriegsminister in Beantwortung eines vom Convent an ihn gesandten Gesuches herabgelangten Rescriptes vor, welches in äußerst kurzen Worten besagt, daß dem Ansuchen des Conventes , wonach protestantische Soldaten in Zukunft nicht gezwungen werden sollten, gelegenheitlich der Gebetverrichtung der Römisch-Katholischen auf Commando niederzuknien — keine Folge geleistet werden könne... Diese Entscheidung des Reichskriegsministers zeigt leider zur Genüge, wie wenig die Idee der Gewissensfreiheit in gewissen Kreisen heutzutage noch beachtet wird. Uebrigens ist dies nur noch eine Frage der Zeit. Die evangelische Kirche wird es nicht unterlassen, für die individuelle religiöse Ueberzeugung ihrer Angehörigen mit einem Nachdrucke einzustehen, der gewiß nicht erfolglos bleiben dürfte. Wir unsererseits beabsichtigen hier bloß die Aufmerksamkeit unserer Glaubensgenossen auf diesen Punkt zu lenken. Es wäre wahrlich an der Zeit, auch von Seiten der Israeliten Ungarns und Siebenbürgens betreffs dieser Unzukömmlichkeit einzuschreiten. Wir kennen wohl nicht die diesbezüglichen Gebarungen im militärischen Leben; allein wir glauben doch voraussetzen zu dürfen, daß den jüd. Soldaten gegenüber keine größere Schonung obwalte, denn hinsichtlich ihrer evangelischen Waffencollegen. Sind wir nicht in der Lage, die jüd. Soldaten vor Chilul Sabbat rc. zu schützen, so müssen wir doch dahinstreben, daß sie nicht genöthigt werden, in einer römisch-kathol. Kirche niederzuknien! Dieses Verlangen wäre doch ein gerechtes und hoffentlich um so eher von Erfolg begleitet, als

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