Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1870-11-09 · Heft 45 (9.11.1870) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 45 (9.11.1870)
Date
1870-11-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447447-2447491--08790-2464455
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

824 nen auf Uebertreibung. Auch der von 1100 Glaubensgenossen am Versöhnungstage vor Metz stattgehabte Gottesdienst im Freien war nichts als eine Zeitungsente. □ München, 31. Oct. Dr. Wilhelm Königswarter, welcher sich bereits durch verschiedene große Stiftungen um die hiesige Stadt verdient gemacht hat, übergab neuerdings eine Spende von 200 fl. dem Comitö für die Angehörigen der bayerischen Krieger. (Die Einnahme dieses Comite's betrug bisher gegen fünfundfünfzigtausend Gulden, wozu die hiesigen Israeliten, Herr Baron Joseph von Hirsch und dessen Familie an der Spitze, sehr reiche Beiträge geleistet haben.) □ München, 23. October. Heute Nachmittag ging unter Leitung des Herrn Pros. Dr. Herz von Erlangen (Israelit) ein Spitalzug mit Aerzten, Krankenwarten re. auf den Kriegsschauplatz in die Nähe von Orleans ab. Nandegg Frau B. Weil-Schott, Mutter des Chefs des bekannten Bankhauses dieses Namens zu Mailand und Florenz, zu Randegg in Baden bürgerlich , woselbst ihre Vorfahren gewohnt, hatte vor ihrem ^ode ihrem Sohne, bei dem sie gewohnt, die Bitte hinterlassen, sie in Randegg bei ihren Vätern begraben zu lassen. Die Bitte wurde von deren Sohn erfüllt, trotzdem die Ueberbringung der Leiche aus Italien nach Deutschland durch den Krieg mit großen Schwierigkeiten verbunden war. Dieser Tage kam Herr Weil-Schott aus Florenz zum Besuche dahier an und übergab bei dieser Gelegenheit dem Gemeinderathe eine Summe von 4000 fl. zu einer „Weil -Schott's- Eltern -Stiftung", zu dem Zwecke, aus den Zinsen einen Arzt mit dem Wohnsitze in Randegg zu erwerben. Aus Ostpreußen. Mit Freude ersah ich aus Ihrer geehrcen Zeisichrift, daß Sie meinen Mittheilungen über die Königsberger Verhältnisse in derselben ein Plätzchen gegönnt haben. Wenn ich die Schuld der Einführung einer Orgel in die dortige Synagoge, und in Folge dessen die Vertreibung der strenggläubigen Iehudim aus derselben dem zeitigen Rabbiner Herrn Dr. Bamberger allein aufbürde, so liegt dies einfach darin, daß Herr Dr. Bamberger als Rabbiner das Oberhaupt der Königsberger jüd. Gemeinde ist. Die Orgelfrage ist in Ihrem geschätzten Blatte so oft schon besprochen worden, daß ich es heute unterlassen darf, auf dieselbe zurückzukommen. — Unsere göttliche Lehre schreibt uns einmal vor, nicht in den Wegen anderer Nationen zu wandeln, und die isr. Nation bleibt ein in seinen Gesetzen gesondertes Volk. Unsere Gotteslehre läßt keine andere Ansicht zu, und jede Abweihung von der göttlichen Lehre ist unerlaubt und bleibt ungerechtfertigt. — Hat nun in der heutigen Zeit die Macht des Goldes unter vielen unserer Glaubensbrüder den Abfall vom göttl. Gesetze herbeigeführt, so zeigen die letzten Kriegsereignisse zu deutlich, wie wenig der Mensch auf seine Macht vertrauen kann; denn Viele, die vor Ausbruch des Krieges ungeheuere Reichthümer besaßen, sind heute arm und an den Bettelstab gebracht; Viele, die vor Ausbruch des Krieges sich der blühendsten Gesundheit erfreuten, sind nicht mehr unter den Lebenden. Aber unser Gott und seine Lehre sind unveränderlich. — Wenn Herr Rabbiner I)r. Bamberger es ernst mit dem Iudenthum meinte, so müßte derselbe als Pflanzer und Erhalter und nickt alö Einreißer desselben auftreten, müßte, wie es Pflicht eines Rabbinen ist, gegen jede Entweihung unserer heiligen Gotteslehre mit Energie auftr ten, müßte im Stande sein, das Materielle dem Höheren zu opfern, müßte im strengsten Sinne des Wortes ein Pfleger des göttlichen Gartens sein', aber nicht die Zäune desselben einreißen und die schönen Pflanzen des göttlichen Weinbergs der Willkür preisgeben. — So lange der sel. Öberrabbiner Mecklenburg Wärter des göttl. Gartens war, blieb dieser dem wißbegierigen Forscher zu jeder Zeit geöffnet, und unsere Glaubensbrüder von Polen und Rußlnnd fanden stets bereitwilligst Einlaß im Hause des sel. Oberrabbiners Mecklenburg, welcher mit Freude ihnen das Wesen und den Zweck jedes einzelnen Gebotes erklärte. — Für die Glaubensbrüder aus Polen und Rußland ist bei Herrn Rabbiner Dr. Bamberger der göttl. Garten geschlossen; weßhalb, will ich nicht erörtern. — Vor einiger Zeit befand sich am roty Herr Rabbiner Dr. Bamberger bei einem Vorsteher der dortigen Gemeinde und traf daselbst mit einem poln. Studenten zusammen. — Im Laufe des Gesprächs offerirte der Herr Vorsteher dem Studenten eine Cigarre, welche derselbe mit dem Bemerken zurückwies: „Es ist ja heut „Wie/ fragte Herr Rabbiner Dr. Bamberger, „Sie sind noch so fromm und rauchen nicht am rüttf?!" Mag wohl diese Frage hin- und hergedreht werden können, characteristisch bleibt solche für den Herrn Rabbiner. — So lange Herr Oberrabbiner Mecklenburg sel And. über die Genießbarkeit der Weine in Betreff von nn^o ein Certifikat ausstellte, konnte Jeder mm du? kaufen und die strengfrommen Juden von Polen und Rußland machten ihre diesbezüglichen Einkäufe in Königsberg. Darf man Herrn Dr. Bamberger ein gleiches Vertrauen schenken, da er öffentlich verbotene Weine trinkt und solche zum Genüsse erlaubt!?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.