Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1870)
- Date
- 1870-11-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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811 dem Fürstenthume die Sympathie und Hochachtung dieser Nationen, sowie die Erkenntlichkeit der serbischen Unterthanen jüdischen Glaubens gewinnen lassen. (Nzt.) Feuilleton. Säen und Hrnten. xx. Vater und Tochter. Herr von Wolfseck begab sich in sein Zimmer und ließ seine Tochter bitten, dorthin zu ihm zu kommen. Als Wilhelmine dem Befehle des Vaters nachgekommen war, sagte dieser zu ihr: „Setze Dich hierher, liebes Kind; hier neben mir nimm Platz; ich habe Wichtiges mit Dir zu besprechen." Wilhelmine that, wie ihr geheißen; dann fuhr Wolfsohn zu reden fort: „Du bist jetzt, Wilhelmine, in dem Alter, in welchem es passend erscheint, an Deine Zukunft, an Deine Vermählung zu denken." ,,„O, lieber Vater, das hat noch Zeit! Warum soll ich jetzt schon an so Etwas denken? Ich bin ja noch so jung!"" „Schon manche junge Dame Deines Alters ist verlobt oder gar verheirathet. Nein, ich will Dich bald versorgt haben, will mich freuen an Deinem Glücke. Du bist mein einziges Kind!" „„Vater, sprich nicht so. Moritz . . . „Nenne ihn nicht, den Ungerathenen, der mir entlaufen, der meinen schönen Plänen entgegengetreten! Nein, ich habe keinen Sohn mehr! Nicht einen Heller soll er haben von Allem, was mein ist. Du bist mein einziges Kind, meine einzige Erbin. Aber gerade deßhalb kann ich Dir ein Glück aussuchen, wie es Wenigen beschieden ist. Andere Männer in meiner Lage, die ihre Töchter in Reichthum erzogen haben und dennoch nur eine verhältnißmäßig geringe Mitgift zu geben im Stande sind, weil vieler Kinder halber das Vermögen in kleine Theile zerfällt, die müssen vor Allem darauf bedacht sein, reiche Männer für ihre Töchter zu suchen, damit diesen an der gewohnten Lebensweise nichts fehle; da müssen sie oft über manches Andere ein Auge zudrücken. Ich aber, ich kann für Dich einen Gatten suchen, der in jeder Beziehung begehrenöwerth ist, ohne daß er gerade Vermögen zu besitzen braucht." Wilhelmine schwieg; sie gedachte Naphtalins, des Gespielen ihrer Kindheit. Vor ihr geistiges Auge traten all die hohen Eigenschaften, die den Knaben schon zierten, die den Jüngling anSzeichneten und die den Mann zu einer der geachtetsten Persönlichkeiten der Stadt emporhoben — sollte eS möglich fein, daß ihr Vater die geheimsten Wünsche ihres Herzens ihr abgelauscht, daß er Naphtali Ruhdorf zu seinem Schwiegersöhne erwählen wolle? In größter Aufregung blickte sie den Vater erwartungsvoll an. „Ja, meine Tochter," fuhr dieser zu reden fort, „mein großes Vermögen gestattet mir, Dich hoch empor zu heben über die Sphäre, in der Du geboren bist. Du sollst eine Gräfin, eine reichsfreie Gräfin werden. Man wird Dich künftig mit „Erlaucht" anreden." „„Eine Gräfin!"" rief Wilhelmine enttäuscht. „Ja, mein Kind, eine Gräfin. Alle Hindernisse sind schon beseitigt; selbst der König hat seine Zustimmung zu Deiner Verlobung mit dem Grafen Walther von Rieneck gegeben." »„Graf Rieneck? der gewesene Husaren-Offizier, der Schulden halber den Dienst hat quittiren müssen?"" „Bagatellen! Graf Walther wird als wohlhabender Mann sehr solide werden!" „ „Vater, niemals werde ich die Gattin des Grafen von Rieneck werden!"" „Und warum nicht, meine Tochter?" „ „Mein lieber, guter Vater, kannst Du wünschen, daß Deine Tochter die Frau eines Mannes wird, der als Roue verrufen ist?"" „Es ist so schlimm nicht; ich kenne den Grafen Rieneck genau; er ist viel bester als sein Ruf." „„Aber, mein Vater, gesetzt auch, Graf Rieneck wäre der beste, edelste Mann — er gehört aber nicht unserm Glauben an!"" „Thörin, Du weißt, wie ich darüber denke. DaS wird kein Hinderniß sein." „„Nie, nie werde ich dem Glauben Israels untreu werden."" „Du wirst thun, was ich Dir befehle. Oder willst Du dem Beispiele Deines Bruders folgen, willst mir entlaufen? Schon habe ich keinen Sohn mehr! Soll ich auch keine Tochter, kein Kind mehr haben?" „„Lieber, lieber Vater, sprich nicht so? Ich will Dir ja gern gehorsam sein. Suche mir einen Mann aus unter den Söhnen meines Volkes, gleichviel welchen , ich werde Dir zeigen, daß ich eine gehorsame Tochter bin." " Wolfsohn lachte. „Gleichviel welchen!" sagte er, „das ist ein großes Wort. Nun, wir wollen sehen — kennst Du Aberle Buxbaum, den Händler, er ist seit einigen Monaten Wittwer geworden."