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Der Israelit · 1870-11-02 · Heft 44 (2.11.1870) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 44 (2.11.1870)
Date
1870-11-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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809 den das hier seit Jahrzehnten darniederliegende Judenthum unter göttlichem Beistände in wunderbarer Weise erstarkt. Wiesbaden, 22. Oktober. Wir kommen soeben von einem traurigen Gange zurück, wir haben die sterblichen Reste des in seinem 93. Lebensjahre, nach nur siebentägigem Krankenlager, verstorbenen Herrn Gerson Meyer n"y zu ihrer letzten Ruhestätte geleitet. Der Verblichene war als ältestes Mitglied unserer Religionsgesellschaft (und als Präsident der p"li) bei allen ihren Angehörigen hoch geschätzt; er war einer der Gründer und trug stets, so viel in seinen Kräften stand, zur Erhaltung derselben durch Wort und That bei. Weder der stärkste Regen noch der tiefste Schnee konnten ihn hindern, in der Synagoge der erste zu sein, und keinem that es so leid wie ihm, wenn es einmal an jmd fehlen sollte. Aber nicht nur in unserer, sondern auch in der Reform-Gemeinde und ebenso bei seinen christlichen Mitbürgern war er als rechtschaffener braver Mann und als ältester Bürger der Stadt geachtet und geliebt, wovon auch die zahlreiche Betheiligung an seinem Leichenbegängnisse Zeugniß ablegte, denn Jung und Alt war von nah und fern herbeigeeilt, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Unser Rabbiner, Herr Dr Kahn, '"Z, hielt die Leichenrede, worin er, unter Zugrundelegung der Bibelworte: „vnnrn n\n D’Dn Noah war ein gerechter Mann, tadellos war er in seinem Zeitalter, besonders hervorhob, daß der Verstorbene in der hiesigen Stadt, wo das Judenthum fast ganz untergegangen war, und in einem so neuerungssüchtigen Jahrhundert, doch die Satzungen, die wir am Sinai erhallen und die uns unsere Väter vererbt, heilig hielt und danach lebte. n"3'Wn. Der Verstorbene hatte angeordnet, daß keinesfalls Herr Rabbiner Süskind eine Leichenrede hallen solle. Aus der Rheinprovinz, im October. In Bielefeld ist eine Tochter des Herrn Rabbiner Dr. Geiger in Berlin verheirathet. Ein aus dieser Ehe hervorgeganges Knäbchen ist bis jetzt nicht beschnitten worden. — Die Verwandten forderten Herr vr. G. auf, durch seinen Einfluß die Beschneidung zu bewirken; doch soll derselbe, wenn auch nicht ablehnend, so doch ausweichend geantwortet haben, so daß die Verwandten jetzt in gespanntem Verbältniß zu Herrn vr. G. stehen sollen — Daß die Entrüstung über diesen Fall in hiesiger Gegend sehr groß ist, finden Sie begreiflich. Schließlich noch die Mittheilung, daß der praktische Arzt zu Aachen, vr. L. Schuster (Jude), jetzt Militärarzt, das eiserne Kreuz erhalten hat. (JSr. Wochenschrift.) Posen, 30. Sept. Zwei hiesige Aerzte, Stabsarzt Dr. Herzfeld und Ober-Stabsarzt Dr. Hirschberg, haben das eiserne Kreuz erhalten. Beide sind leicht verwundet, befinden sich jedoch wieder beim Truppentheil. Der Letztgenannte erwarb sich schon im Feldzuge des Jahres 1866 den rothen Adlerorden mit Schwertern. Die Aerzte des 5. Armee-Corps sind fast durchweg Juden; außer den beiden genannten sind auch die Herren Dvr. Juliusberg, Saulsohn, Schiftan (inzwischen verstorben) Herzfeld auS Kosten und Dr. L. Schuster aus Aachen mit dem eisernen Kreuz decorirt worden. Unter den 5600 in hiesiger Festung gefangenen Franzosen befanden sich sechs Juden, denen am Neujahrsfeste der Besuch des Gotteshauses gestattet jwurde. Bemerkenswerth ist, daß einige derselben nicht hebräisch lesen können. — Die kürzlich gemeldete Zurückweisung einer jüdischen Schülerin im hiesigen Lehrerinnenseminar ist in Folge der energischen Proteste in öffentlichen Blättern znrückgenommen worden. Die bisher königliche Anstalt wird wahrscheinlich nächstens in die Verwaltung der Commune übergehen und hierdurch das judenfeindliche Gebühren des DirectorS' auf die wirksamste Weise beschränkt werden. (Jsr. Wochenschrift.) Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Prag. Am verflossenen Versöhnungstage hat Herr Joseph Pollak, Fabrikant, trotz seines hohen Alters von 101 Jahren vom Eingang bis zum Ausgange des hohen Festes gefastet und sich demuhngeachtet recht wohl gefühlt. Zu den vielen in Prag bestehenden isr. Wohlthätigkeitsvereinen gesellte sich der israelitische Krankenlabungsverein" hinzu, dessen Zweck es ist, israelitische arme, in den hiesigen Spitälern befindliche Kranke mehrmals in der Woche mit Labungsmitteln zu betheilen. (Ggt.) Serbien. Belgrad. Die hiesigen Juden haben an die Regentschaft folgende P tition gerichtet: Einer hohen fürstlichen Regentschaft in Kragujevatz. Die Unterzeichnete Vertretung der jüdischen Gemeinde von Belgrad hat die Ehre, der hohen fürstlichen Regentschaft von Serbien die gesetzliche Lage, in welcher die serbischen Unterthanen jüdischer Confession in Folge der Aufrechterhaltung der Restrictivgesetze von 1856 und 1861, kraft welcher es ihnen un-

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