Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1870)
- Date
- 1870-10-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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794 berichtet. Das Hamanklopfen ist im Schulchan-Aruch nämlich nickt „ vorgeschrkeben" Rema führt dagegen ausAbudraham an! idi nipum nmty «ns -ny, führt also den Gebrauch des Hamanklopfen« als Gebrauch, keineswegs als Vorschrift an und fügt hinzu pan, an:D bw , daß man einen solchen Gebrauch nicht abschaffen dürfe - natürlich da wo er in Kraft ist. ES liegt nun dem Correspondenten der Beweis ob, darzuthun, welche religionsgesetzliche Autorität diesen Gebrauch, wo er in Krait gewesen, abgeschafft hat — sonst hat cr gar Nichts bewiesen. Dann würde es sich freilich darum handeln, aus welchen Motiven und unter welchen Umständen dieser Brauch von jener bislang unbekannten Autorität abgestellt worden, sowie ob diese Abstellung sich rechtfertigen ließe und zu untersuchen, ob für die hiesige Reform ebenso als im völlig annalogen Falle zn verfahren wäre. Wie der Correspondent überhaupt ganz besondere Ideen in seiner Correspondenz entwickelt hat, so hat er auch ganz eigentümliche Begriffe über Dasjenige, was es heißt .Jemanden zu nahe zu treten." Nachdem er mir „Unsinn," „Chuzpah" vorgeworfcn, mich „Unversöhnlicher" geschmäht hat u. s. w. schreibt er ganz naiv „er wolle mir nicht zu nahe treten!" Ebenso behauptet er, ein großer Freund der „Gewissensfreiheit" zu sein, constatirt aber, daß die darin bestehe, „daß eö keinem Israeliten verwehrt fei, die Piutim vollständig zu sagen," wohlgemerkt in seinem Privathause. Glückliches Jahrhundert! Die spanische Inquisition verstattete selbst dieses nicht, — welcher Fortschritt in Hannover! — Ich breche hier ab und will dem Correspondenten nur noch sagen, daß ich mich durch solche öffentliche Verdächtigungen nicht abhalten lassen werde, den Weg, den mir mein Gewissen vorschreibt, von Allem unbeirrt zu wandeln. I s a a c Hirsch. mißhandeln; doch ist ihnen diesmal der Spaß übel bekommen, indem die Juden, durch ihre Ueberzahl begünstigt, die Tumultuanten hinausgeprügelt haben. Es sollen hierbei über 70 Verhaftungen vorgekommen sein. (N. fr. Pr.) Italien. Florenz- 11. Oct. Der vor sechs Jahren von römischen Schergen geraubte Judenknabe Cohen sollte nach der Occupation Roms wieder von seiner Mutter geholt werden. Mit großer Mühe gelang es, ihn zu sinden, nachdem man im Collegio Catecumeno anfangs seine Anwesenheit verläugnet hatte. Doch Cavaliere Lipari ermittelte den Joseph, der jetzt Staniölas heißt. Als man ihm sagte, daß er vollständig frei sei und wieder bei seiner Mutter bleiben könne, weigerte er sich hartnäckig, zu jener „Heidin" zurückzukehren. Er hatte vom 10. bis zum 15. Lebensjahr unter den Priestern gelebt, und der ihm eingeprägte Fanatismus erstickte alle kindlichen Gefühle. Selbst als die Mutter vor ihm niederfiel und ihm feierlich versprach, sie wolle ihm seinen katholischen Glauben lassen, sie wolle ihn nur als Kind pflegen und ihn lieben, wendete er sich kalt von ihr ab und sprach: „Ich kann nicht mehr der Eure sein, ich kann nur zu Gott beten, daß er Euren Sinn erleuchte". Da jedoch Joseph Cohen nur 15 Jahre alt ist, so kann er über sich noch nicht verfügen. Er wollte aber seiner Mutter nicht freiwillig in ihr Haus folgen und deshalb wurde er, auf der Letzteren Bitten, durch zwei Carabiniere dorthin geführt. Wie man uns versichert, wird in Folge dieses Vorfalls das ganze Collegio Catecumeno durch die Regierung aufgelöst werden, doch tbeilen wir diese Nachricht mit großer Reserve mit. (Fr. I.) Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Mödritz (bei Brünn). K-ine Emancipation, so schreit der Bürgermeister des Dorfes Mödritz. Es sollte dort dieser Tage die Fleischbank sammt dem Wirthshaus verpachtet werden. Der Bürgermeister hatte nun eine Licitation ausgeschrieben mit dem ausdrücklichen Bemerken, daß Juden nicht mitlicitiren dürsten, da man jene unter keiner Bedingung einem Juden verpachten wird. Dieser Bürgemeister wird nun von der Staatsbehörde mit 100 fl. bestraft, gerade so wie es jüngst einem andern mährischen Bürgermeister ergangen ist. (Jüd. Pesth. Ztg.) Lemberg, 10. Oct. Am 26. v. M. fand in Gorlice eine Judenhetze statt; einige Bürger, verstärkt durch etliche Bauern, drangen während des Gottesdienstes in die Synagoge und begannen die Juden zu England London Aus den Specialberichten des Jew. Chron. über die Feier des Reujabrfestes ersehen wir, daß in London in 14 Synagogen Gottesdienst abgehalten wurde. Australien. Herr Julian E. Salomons wurde zum Mitglied des Legislature-Rathes von Neu-Süd-Wales ernannt. Herr S. Samuel (ebenfalls Israelit) ist Finanzminister dieser Colonie. (Jew. Chron.)