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Der Israelit · 1870-10-19 · Heft 42 (19.10.1870) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 42 (19.10.1870)
Date
1870-10-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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783 der mir bisher geholfen, wird mich auch ferner behüten! Euer Euch innigliebender Sohn und Bruder. XXVI. Berlin. Unter den mit dem eisernen Kreuz Decorirten befindet sich auch ein junger Kaufmann jüdischer Consession, Herr Bamberg, vor Ausbruch des Krieges Commis in einem hiesigen Confectionsgeschäfte. Als Freiwilliger beim Kaiser-Alexanderregiment dienend führte er, als in der Schlacht bei Gravelotte am 18. August die Officiere seiner Compagnie theils todt, theils verwundet waren, dieselbe gegen den Feind, obwohl er selbst einen Schuß in den Arm erhalten hatte und begab sich erst dann nach dem Verbandplatz, als ihn ein Stabs officier mit dem Bemerken, daß er sich verbluten könnte, dazu aufforderte. Herr Bamberg hat übrigens auch schon den Feldzug von 1866 mit großer Auszeichnung mitgemacht. (Post.) Die „Köln. Zeitung" theilt folgenden Auszug eines Briefes eines jüdischen Soldaten, der vor Metz steht, mit: „Da der Versöhnungstag auf Mittwoch, den 5. Oetober fällt, haben wir Schlesier und viele Posener uns zusammengethan, um diesen unfern heiligsten Tag würdig zu begehen. Bis jetzt sind wir 1174 Mann beisammen, Unterofficier Hirschberg ist,unser erster, Füsilier Seligmann unser zweiter Cantor, die Thora haben wir von Thorn bekommen und werden, so Gott will und Bazaine uns in Ruhe läßt, auf freiem Felde unfern Gottesdienst verrichten; sonderbar genug werden wir uns in Uniform, Pickelhaube und Tallis ausnehmen. Unsere christlichen Kameraden werden einige hundert Schritte von uns Wache halten, damit wir nicht gestört werden. Die Zeitungen melden von einer jüdischen Frau aus Strehlen, deren Mann im jetzigen Kriege mitkämpfte^, folgenden mitleidcrregenden Fall: Nachdem dieselbe mehrere Briefe an ihren Mann geschrieben hatte, bekam sie endlich einen Brief zurück mit der Aufschrift: „Gefallen bei Wörth" d. h. ihr Mann, an welchen der Brief addressirt ist, ist in der Schlacht von Wörth gefallen. Jeder kann sich nun in die Lage dieser Frau beim Lesen dieser kurzen Aufschrift versetzen. Nachdem sich nun die Arme ausgeweint hatte, bekam sie einen Brief spätern Datums, in dem sie die Schrift ihres Mannes erkannte, der berichtet, daß er lebe und im Spitale verwundet liege. Kaum trocknete die Frau ihre Thränen in der Hoffnung, daß ihr Mann doch endlich genesen wird, so bekam sie wieder ein Schreiben von einem treuen Kameraden ihres Mannes, daß ihr Mann an seiner Seite gefallen sei und mit großer Ehre beerdigt wurde. — Welche entgegengesetzte Gefühlserregungen! Die Geschichte ist aber noch nicht zu Ende. Zwei Tage später bekam die Unglückliche wieder einen Brief mit der Handschrift ihres Mannes, daß er im Spitale zu Altona liege und auf dem Wege der Besserung sei. Daß diese Frau nickt wahnsinnig wurde, ist zu verwundern. (Pesth. jüd. Zeitung.) München, 13. Sept. Im bayerischen Osfiziercorps finden Juden Aufnahme. So gibt es zwei mir bekannte jüdische Offiziere in der Linie, Hauptmann Henle aus München in einem Münchener Infanterie-Regiment, Lieutenant Marx, aus der Pfalz, bei der Artillerie. Landwehr-Offiziere gibt es mehrere, in diesem Jahre avancirte, weil die Freiwilligen- Jnftitution hier noch nicht lange besteht. Carl Löwenbach, Neustätter sind entweder schon krerrte oder designirte Offiziere. (Wochenschr.) Ulm, 2. Oct. Der „Ulmer Schnellpost" wird von hier geschrieben: „Die Turkos/, dem bei Weitem größten Theile nach Muhamedaner, liegen auf dem Kuhberg. Unter dem letzten Transport befand sich ein Marabu, Muhamed, Belhadschi, der als Korporal dient, und die Erlaubniß erbeten und erhalten hat, mit seinen Landsleuten Gottesdienst zu halten. Wer hätte vor acht Wochen daran gedacht, daß gm Freitag ein Muselmann, welcher Mekka besucht hat, auf dem Kuhberg einer andächtigen Versammlung Unfreier „ im Namen des Barmherzigen der Barmherzigen u aus Oberstudienrath Häßlers Koran vorbeten werde? Aber noch nicht genug. Unter den Turkos sind ar gierische Söhne Israels; sie waren am letzten Dins° tag, dem Neujahrsfeste beturbant und in Festkleidung' nebst einigen israel. Infanteristen in der Synagoge' und wurden von deutschen Glaubensgenossen zu Tisch geladen. Schon vorher rühmte man, seien sie von diesen mit warmer Kleidung und Wäsche gut versorgt worden. Wie schön zeigt sich der Gemeingeist des über die ganze Errde hin zerstreuten auserwählten Volkes bei solchen Anlassen! Sie erfüllen eifrig und mit Gesetzesfreude die Pflicht der Speisung und der Wohlthätigkeit gegen die Armen und Gefangenen, und wir dürfen wohl hinzufügen, daß sie darum wahrlich keine schlechteren Vaterlandsfreunde find, wie sie denn im Geben überhaupt so manchen Christen beschämen, der einen wohlfeilen Nationalhaß zur Schau trägt. Die Presse darf wohl in dieser großen Zeit einer edlen, großherzigen Gesinnung das Wort reden. Stpaffburg. Bei der Schilderung der Zerstörung von Stragburg berichten die Zeitungen auch über die durch die Kugeln der Belagerer herbeigeführte Demolirung der Präfectuw.

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