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Der Israelit · 1870-10-19 · Heft 42 (19.10.1870) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 42 (19.10.1870)
Date
1870-10-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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784 Schon einmal ist an dieser Stelle eine Schreckensthat verübt worden. Hier befand sich im Mittelalter der jüdische Friedhof. Als im Jahre 1349 die Juden in den Verdacht der Brunnenvergrftung gekommen, wurden mehr als zweitausend der Unglücklichen von einer wahnsinnigen Menge nach dem Friedhofe geschleppt und dort verbrannt. Versailles. Zu Versailles ergaben sich nach kurzem Widerstand 1200 Mobilgardisten an die eindringende 14. preußische Kavallerie-Brigade, nur ein Ofsizier mit etwa 50 Mann vertheidigten sich noch lebhaft, und die Leute setzten sich in der am Ende des Boulevard Eugenie stehenden Synagoge fest und schossen, nachdem sie die Thüren verbarrikadirt hatten, aus den Fenstern. Nach einer halben Stunde gelang es endlich der abgesessenen Cavallerie, in den Tempel zu dringen. — Schritt für Schritt ziehen sich die Franzosen fechtend zurück, bis zu der Stelle, wo das Tabernakel steht; die Thüren des großen, schönen, reichverzierten Kastens, in welchem sich die Thoras befanden, wurden durch Schüsse gesprengt, und in diese Vertiefung des Kastens flüchtete sich der französische Offizier und noch einige seiner Leute, doch die Tapfer« mußten der preußischen Ueberzahl weichen; nachdem die Meisten todt und verwundet waren, ergaben sich 16 Mann, und der Osficier siel, von vier Kugeln durchbohrt, beim Tabernakel nieder. Sein Kopf ruhte auf einer herausgefallenen Thora, die ebenfalls von Kugeln durchlöchert war. — Der prachtvolle Tempel ist furchtbar zerstört. (Nz.) In Schlosse zu FerriöreS, das dem Baron von Rothschild gehört, befindet sich eine Synagoge, in welcher auf Befehl des Königs an den hohen jüdischen Festtagen für die Soldaten jüdischen Glaubens feierlicher Gottesdienst Statt gefunden hat. AeitungSrrachrichte« und Correspondenzen. Deutschland. Mein), im Oktober. Bekanntlich verbreitete sich beim Ausbruche des Krieges das Gerücht, daß die jüdischen Landwehr-Offiziere von der preußischen Militärbehörde nicht einberufen seien, weil man in Preußen keine jüdische Offiziere wolle. Die „Frankfurter Zeitung"^ die Obiges als Thatsache mitgetheilt hatte, wurde darob in Anklagezustand versetzt. Bei der unlängst stattgehabten gerichtlichen Verhandlung wies die Staatsanwaltschaft nach, daß die jüdischen Landwehroffiziere allerdings sind zur Fahne einberufen worden; dieselbe haben natürlich diesem Rufe auch Folge geleistet. — Berlin. Als ein Kuriosum, das mit den großen Ereignissen des Tages im Zusammenhänge stehe, wird uns aus Berlin ein ganz eigenthümliches Plebiscit gemeldet, das sich in diesen Tagen dort vollzogen. Die etwas mangelhafte Accustik des dortigen prächtigen israelitischen Tempels in der Oranienburgerstraße war bisher Schuld daran, daß die andächtigen Worte der Rabbiner Dr. Geiger und Dr. Aub nicht in alle Herzen der Berliner Iudenschaft dringen konnten. Um diesem Uebelstande, der sich zum Theile auch auf der Börse fühlbar gemacht haben soll, abzuhelfen, wurde am Versöhnungstage die Rednerkanzel von dem östlichen Endstandpunkte vor dem Allerheiligsten in die Mitte des Mittelschiffes geschoben, und während der Predigt Zettel zur Abstimmung unter die Andächtigen vertheilt, ob von diesem Standpunkte aus die göttlichen Worte bester oder schlechter zu hören seien. Das Scrutinium fand am folgenden Tage statt und ergab ein für den neuen Standpunkt der Kanzel entscheidendes Resultat. So geschehen am 5. und 6. Oktober; die Annalen werden davon erzählen!! (Wiener Fremdenbl.) Frankfurt a. M, 8. Oct. Die Frau Baronin Carlo. Rothschild, Gemahlin des Chefs des Bankhauses Rothschild dahier, hat in einem in der Hafenstraße eigends zu diesem Zwecke gemietheten Hause ein Priv atlazareth für verwundete Krieger auf ihre Kosten errichtet und dasselbe mit 30 Betten versehen lassen. In diesem finden die vom Kriegsschauplatz zurückkehrenden Verwundeten durch zwei Aerzte, zwei Chirurgen und ein angemessenes Bedienungspersonal die sorgfältigste Pflege und Behandlung. Auch Frau v. Rothschild selbst bringt in Begleitung ihrer Töchter täglich mehrere Stunden daselbst zu. Außer für die leibliche ist auch für die geistliche Pflege der Verwundeten Sorge getragen, indem Geistliche der entsprechenden Confession auf ihre Anordnung die Kranken besuchen und ihnen Trost spenden Ehre der hochherzigen Dame, deren Wohlthätigkeit übrigens seit Jahren schon die gerechteste Anerkennung in allen Schichten der hiesigen Bevölkerung gefunden hat. Holland. Amsterdam. Zum Mitglied der Commission, welche von der Regierung beauftragt ist, den Entwurf zu einem neuen Strafgesetzbuch zu fertigen, wurde Herr A. A. de Pinto ernannt. (N. I. W.)

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