Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1870)
- Date
- 1870-10-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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780 am üppigen Hof zu Versailles gewesen und hatte dort so ungeheure Summen gebraucht, daß, als er starb, seine Güter unter Sequester hatten gestellt werden müssen.- Der Sohn, Walthers Vater, war in den Befreiungskriegen gefallen, und diesem Umstande verdankte es Walther, daß er, während das Erbe seiner Väter verkauft wurde und nichts als Schulden übrig blieben, unentgeltlich in's Kadettenhaus ausgenommen wurde und vom Könige eine kleine Pension bezog. Aber in Walther steckte die Verschwendungssucht seiner Ahnen; als Offizier machte er Schulden über Schulden, die der König zweimal für ihn bezahlte; das dritte Mal aber mußte Graf Walther den Dienst quittiren. Er nannte nun nichts fein als die Ruine Rieneck, die Niemand hatte kaufen wollen, und lebte aufs Neue lediglich vom Schuldenmachen; denn er fand immer noch Menschen, die ihm gegen glänzende Versprechungen, in der Hoffnung, der stattliche Graf Walther von Rieneck werde noch eine gute Partie machen, Geld liehen. Als sich eines Tages der geadelte Banquier im adeligen Cassino einsand, nahm ihn Graf Walther bei Seite. „WolsSeck," sagte er, „folgen Sie mir in ein besonderes Zimmer, das ich schon bestellt habe; ich habe Ihnen interessante Mittheilungen zu machen." Als Beide allein waren, sagte der Graf: „Ich habe da einen Brief von einem alten Diener meiner Familie erhalten. Fürst Ludmar, der die Rieneck'schen Besitzungen gekauft hat, ist gestorben. Sein Neste und Erbe lebt als Gesandter in St. Petersburg. Der möchte den gesammten Gütercomplex meines Hauses wieder verkaufen. Unser alter Verwalter beschwört mich, die gute Gelegenheit zu benützen und mich in den Besitz des Eigenthums meiner Ahnen zu setzen." „„Nun,"" fragte Wolfseck lächelnd, „„warum greifen Sie nicht mit beiden Händen zu?"" „Sie spotten meiner, Herr von Wolfseck, woher soll ich die zweimalhunderttausend Thaler nehmen, die als Anzahlungssumme verlangt werden?" „„Ich will doch nicht hoffen, daß Sie von mir ein Darlehen in dieser Höhe beanspruchen!"" „Nein, lieber Wolfseck, das fällt mir nicht im Traume ein. Aber, schließen wir eine Verbindung, durch die uns Beiden gedient ist. Geben Sie mir Ihre Wilhelmine. Ich mache Ihre Tochter zur Gräfin Rieneck, Ihre künftigen Enkel zu geborenen Grafen, deren Stammbaum bis zur Zeit der alten sächsischen Kaiser hinaufreicht, und Sie stellen den Glanz unseres gräflichen Hauses wieder her." Wolfsohn war über diesen Vorschlag entzückt. Solch ein Plan entsprach ganz dem Ehrgeize des geadelten Banquiers. Aber als gewiegtem Kaufmanne stiegen ihm doch Bedenken auf. „Mein lieber Graf," sagte er bedächtig, „Ihr Vorschlag ist ganz gut, allein . . . „„Ich weiß, was Sie sagen wollen: Sie meinen, ich sei ein Verschwender und würde Ihr Geld durchbringen. Sie irren, Herr von Wolfseck, ich bin kein Verschwender, so sehr auch der Anschein gegen mich spricht. Denken Sie Sich nur in meine Lage. Ich, ein Graf von Rieneck, mit Familientraditionen wie die meinigen, jung und heißblütig, ich sollte von einer kleinen Pension, von einer geringen Gage leben, sollte darben, wo meine weit niedriger geborenen Kameraden genießen durften! Das konnte ich nicht ertragen; ich machte Schulden; Lappalien im Vergleiche mit den Summen, die mein Großvater an einem einzigen Abende verausgabte. Seine Majestät der König hat einmal zwei- und einmal dreitausend Thaler für mich bezahlt. Wenn Sie abrechnen, was davon in den Säckel der Wucherer geflossen, so werden Sie ermessen können, daß ich trotz meines Rufes als Verschwender nur wenig gebraucht habe. Wenn ich erst ein wohlhabender Mann geworden bin, dann werde ich nicht mehr brauchen als mir mein Einkommen gestattet."" „Sie haben im Ganzen Recht, Herr Graf, allein Sie müssen gestehen, daß ich dafür keine Garantien habe. Sie wissen, ich bin Kaufmann und zwar ein solider Kaufmann, der sich daran gewöhnt hat, alle Factoren in Rechnung zu bringen. Die hochadeligen Herren überschätzen häufig ihren Besitz und halten ihre Hilfsquellen für unerschöpflich." „„Sie wünschen Garantien? Auch diese können Sie Sich verschaffen. Sie sind hochangesehen beim Könige. Nun wohl, kaufen Sie die Rieneck'schen Güter an und machen Sie daraus ein unveräußerliches Familiensideicommiß. Seine Majestät wird Ihnen das gern gestatten, zumal es sich darum handelt, den Glanz eines der ältesten Geschlechter wieder herzustellen. So bleibt das Vermögen auf ewige Zeiten gesichert, während ich und die Meinen nur den Nießnutz haben."" „Ja, das ginge; ich werde mit dem Könige sprechen. Willigt er ein, so haben Sie mein Wort, so werden Sie mein Schwiegersohn. Hier, meine Hand darauf." Und die beiden wackeren Männer schüttelten sich die Hände. (Fortsetzung folgt.) Hierzu eine Beilage. Verautwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Ronx.'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpressendruck von Z. GottLleben in Mainz.