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Der Israelit · 1870-10-05 · Heft 40-41 (5.10.1870) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 40-41 (5.10.1870)
Date
1870-10-05
Page
– (sequence 30)
Language
German
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770 den allgemeinen Forschritt der Bildung" die Opfer überwunden würden, wenn die Opfer nur dazu dienen sollten, die in denselben „niedergelegten religiösen Ideen zn wecken und zum erneuerten Bewußtsein zu bringen", so begreifen wir nicht, wie die Propheten gegen dieselben eifern konnten zu einer Zeit, da die religiösen Ideen so sehr im Argen lagen, zu einer Zeit, in welcher eine Erweckung des religiösen Gefühls doch so sehr nöthig gewesen wäre. Aber eben daS ist es, was der Vers, so sehr verkennt: die Opfer sind nicht da zur Erweckung religiöser Ideen, sie sollen nicht religiöses Gefühl erzeugen, wo solches abhanden gekommen ist, sie sollen vielmehr Ausdruck des im Menschen vorhandenen religiösen Gefühls, der im Menschen liegenden religiösen Ideen sein. Das ist die Realität der Opfer, und so überwindet der Fortschritt der Menschen nicht das Opfer, im Gegentheil, es verlangt Menschen, die bereits einen hohen Grad der religiösen Anschauung erreicht haben. Das Verhältniß des Opfers zum Gebete denkt sich der Verfasser als einen gegenseitigen Kampf, als ob das Gebet das Opfer verdrängen wollte, und dasselbe, einmal überwunden, keine Hoffnung aus Restituirung habe. „Es leuchtet von selbst ein, so läßt sich der Verfasser vernehmen, daß die Gebete neben den Opfern nicht Platz greifen konnten." (S. 5.) Zwar kann der Verfaffer nicht umhin zu gestehen, daß von einem Sündenbekenntniß bei den Opfern die Rede ist; doch dieses nennt er ein „einfaches Sündenbekenntniß," scheint ihm also nicht Gebet genug zu sein; wo sich aber nun die Grenze ziehen läßt, wie groß das Gebet sein müsse, daß man mit Bestimmtheit sagen könne, daß Gebet nicht neben Opfer habe Platz greifen können, das Hai der Verfasser nicht erweisen können. In dieser Voraussetzung findet nun der Verfasser einen religiösen Fortschritt darin, daß „schon (!) Iesaias 56, 7, von dem Tempel des Herrn als von einem Bethause" spricht. Schon? fragen wir, als ob nicht der Tempel von seiner Gründung an die Bestimmung gehabt hätte, ein Bethaus zu sein; und eben dies ist es, was des Verfassers ganzes Raisonnement über den Kampf des Opfers mit dem Gebete umwirft. Das Gebet war der stete Begleiter des Opfers. Mit einem Gebete weiht Salomo den Tempel ein, Opfer werden erst nach Beendigung desselben gebracht. Und eben dieses ewig denkwürdige Einweihungsgebet enthält nicht ein einziges Wort vomOpfer, es stellt vielmehr als die Bestimmung des Hauses das Gebet auf: „Höre aus das Gebet deines Dieners und deines Volkes Israel, welches sie beten an diesem Orte... Wenn dein Volk Israel geschlagen wird vor dem Feinde, da es gegen dich gesündigt, und sie nun zu dir zurückkehren, deinen Namen anerkennen, zu dir beten und flehen in diesem Hause... Wenn Regenmangel ist... und sie beten an diesem Orte... Jedes Gebet und jedes Flehen, das Einer aus deinem ganzen Volke Israel an dich richtet... Auch der Heide, der von fernem Lande kommt... und .betet in diesem Hause..." (1. Könige 8, 22 ff.) Hat denn der Verfasser an dieses Kapitel nicht gedacht, als er seine Gedanken über den Gegmsatz des Opfers zum Gebete niederfchrieb? Das Gebet war eine Nothwendigkeit für das Opfer, weil eben das Opfer eine geläuterte Gesinnung voraussetzt; daß aber auch Viele den Tempel besuchten, um nur zu beten, können wir mit Bestimmthnt annehmen, da wir doch wissen, daß auch Hannah das Stistszelt, als sie recht inbrünstig beten wollte, aufsuchte. In seiner Abneigung gegen das Opfer läßt sich aber der Verfaffer auch dazu verleiten, historisch Gegebenes in Abrede zu stellen. Indem er über die Akedah und über die an dieselbe angelehnten Gebetstücke unserer Liturgie spricht, belehrt er uns: „Aber auch nicht ein Thieropfer verlangt Gott. Der Widder wird nicht dem Sohne, das Thier nicht dem Menschen substituirt. Thiercpfer kommen überhaupt bei den Patriarchen nicht vor..." (S. 9.) Daran knüpft sich nun eine Betrachtung über die Opferung der Widders selbst, daß sie nicht als cultuelle, sondern als symbolische Handlung aufrufassen sei, eine Aufforderung an die Nachkommenschaft Abrahams zur hingebenden Aufopferung für Gott bereit zu sein. Eine Symbolisirung macht sich allerdings recht schön, und läßt sich recht gut in einer Predigt verwerthen; aber es kann doch nicht damit der einfache Sinn des Bibelworts zu nichte gemacht werden, und das bestimmte «3 nnn läßt sich doch aus dem Texte nicht hinausinterpretiren. Die cultuelle Bedeutung des Widderopfers läßt sich doch sicherlich nicht verkennen, wenn wir uns den Grundzug, der durch die Akedah-Erzählung hindurchgeht, vergegenwärtigen: Abraham wird aufgefordert, zum Beweise seines Gehorsams gegen Gott, seinen Sohn zum Opfer zu bringen; er findet sich bereit dazu; die Probe ist bestanden; die Ausführung der Handlung, die, vollbracht, eine rein gottesdienstliche gewesen wäre, gestört durch göttlichen Ausspruch, ein Hinweis, daß Menschenopfer ein Gräuel sei. Diese gestörte cultuelle Handlung wird ersetzt (U3 nnn) dnrch die Opferung des Widders; heißt das nicht den Widder dem Sohne substituiren? Allerdings eine Substituirung nur in dem Sinne, daß eine Handlung für die andere eintritt. Was sollen wir nun aber gar zu der Behauptung sagen, daß Thieropfer bei den Patriarchen nicht Vorkommen? Es bedarf wahrlich keiner großen Gelehrsamkeit, um diesen Satz zu widerlegen. Gen. 12, 8: „Und er (Abraham) baute dort einen Altar (rorc) Gott zu ehren." naio ist ein Hauptwort von der rad. rot, schlachten(trop.: opfern); das 'o praefixum

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