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Der Israelit · 1870-10-05 · Heft 40-41 (5.10.1870) · page 29

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 40-41 (5.10.1870)
Date
1870-10-05
Page
– (sequence 29)
Language
German
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XI Jahrgang. «MschaMe «g llr-40 & 41 k8 Literarisches. Dr. Rothschild.,, Der Synagogen-CultuS in historisch - kritischer Entwickelung re." Ree. von Dr. A. Sulzbach. , (Fortsetzung) „Gott zu lieben und ihm zu dienen mit ganzem Herzen, heißt es in der Schrift (Deut. 11, 13); wie übt der Mensch einen Gottesdienst im Herzen? Der Gottesdienst im Herzen besteht im Gebete." So lesen wir im Tractat Taanith und fast gleichlautend im Sifri z. angef. St. Damit soll also die Ansicht ausgesprochen sein, daß die Gebete „ihrer bestehenden Einrichtung nach" aus Moses zurückzuführen seien? Ganz gewiß nicht! Nichts anderes sagt unS diese Stelle, als daß die Pflicht de§ Betens überhaupt schon im Pentateuch begründet, nicht aber, daß die 'Form mosaisch sei. Von Maimonides soll aber diese Ansicht wiederholt sein; sehen wir nach. „Es ist ein pentateuchisches Gebot jeden Tag zu beten, denn so heißt es: Ihr sollt dienen dem Ewigen, eurem Gott, mit ganzem ^Herzen, und durch die Tradition wissen wir, daß der Gottesdienst im Herzen im Gebete bestehe. .D i e Anzahl der Gebete, wie die Form derselben und die Gebetzeit sind nicht pentateuchis ch." (Hil. Teph. I. 1.) Aeußert nun Maimonides wirklich eine so lächerliche Ansicht, wie der Vers, sie ihm imputirt? Ebensowenig widerlegt Nachmanides das, was der Vers, ihn widerlegen läßt, er bestreitet nur, gestützt auf Berachoth 21 a., daß das Beten pentateuchisches Gebot sei (vergl. Kesseph Mischnah das.), und auch der Talmud, welcher das Gebet auf die Erzväter zurückführt (Ber. 26 a.) spricht nur von dem Beten an sich und den Gebetzeiten, ohne an die Form oder an unsere jetzt bestehende Einrichtung zu denken. (S. Edeles z. St.) Sind nun aber die Einleitungsworte des Vers, als Jrrthum zu betrachten, oder ist es auf eine absichtliche Täuschung des lesenden Publikums abgesehen? Wir bedauern, das Letztere consiatiren zu müssen. Der Verf. ist sich wohl bewußt, daß die Darstellung eine unwahre ist, denn S. 19 schreibt er ausdrücklich: „Obgleich, wie wir gehört, es Stimmen gibt, welche die Pflicht zu beten als eine mosaische erklären, so sind doch alle darin einverstanden, daß die übliche Liturgie ihrer Form und ihrem Umfange nach sp äter en Urspru n g s sei (Mast». H. Teph. 1, 1)." Solche geflissentliche Täuschung ist nicht dazu geeignet, die Achtung des Lesers vor vorliegender Schrift, man mag sie so objectiv wie möglich betrachten, zu erhöhen. S. 3 ff. spricht sich der Verf. über das Verhältniß der Opfer zum Gebet aus, wo, wie von deffen Standpunkte nicht anders zu erwarten, der Stab über die Opfer gebrochen, dieselben als überwunden bezeichnet werden, so daß jede Reminiscenz an dieselben beseitigt werden muß. Es muß natürlich dem Verf. überlasten bl iben, wie er über den Werth der Opfer denken will, und es fällt uns auch gar nicht ein, mit demselben hierüber zu rechten, aber das dürfen wir doch mit Recht erwarten, daß er seinen subjektiven Standpunkt nicht auch zu dem des Talmud macht. Die Opfer sind dem Verf. nicht realer, sondern symbolischer Natur, und hält deshalb der Talmud sich „für berechtigt, den Opfercultus selbst nach zerstörtem Tempel, wenn auch nicht der Wirklichkeit, doch der Idee nach, noch festzuhalten". Weil nun die Opfer eine symbolische Bedeutung haben, darum verspricht sich der Talmud von der Lektüre der Opfer Vorschriften dieselbe Wirkung wie von den reell dargebrachten Opfern. Bis dahin kann man dem Vers, folgen, es läßt sich insofern die symbolische Bedeutung der Opfer nicht läugnen, als stets gegen dieselben geeifert wird, sobald sie nur Werkheiligkeit werden, sobald ein unedler, unfrommer Sinn sich mit dem Darbringen derselben verbindet, oder sobald die Opfer gar als Präserativmittel für sündhaften Besitz, als Ablaß für begangene Sünden, die noch nicht durch Reue und Bessermachen gesühnt worden sind oder für solche Sünden, welche noch erst begangen werden sollen, betrachtet werden. Wenn die Propheten gegen die Opfer eisern, so eifern sie gegen solche, welche bei unlauterer Gesinnung in unlauterer Absicht gebracht werden. Die Opfer sind also insofern nicht real, als sie an sich keine verdienstliche Handlung sind, sondern erst durch die Gesinnung verdienstlich werden, und als sie für die Erlangung der göttlichen Liebe und Gnade nicht als conditio sine qua non dastehen. Wenn aber der Verf. dem Opfer, wie das Judenthum es kennt, jegliche Realität abspricht, ja wenn er sogar den Talmud sich „nur" für berechtigt halten läßt, „an dem Opfercultus festzuhalten, so lange ihm derselbe kein durch den allgemeinen Fortschritt der Bildung vollständig überwundener war," so ist das, kurz gesagt, eine Unwahrheit, eine derartige Meinung möchte man wohl schwerlich im ganzen Talmud antreffen. Wenn „durch

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