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Der Israelit · 1870-10-05 · Heft 40-41 (5.10.1870) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 40-41 (5.10.1870)
Date
1870-10-05
Page
– (sequence 24)
Language
German
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764 Merksam auf die Schmach, welche derselbe an ihren Kindern verübt. Während dreier Jahre hat dieser Wüstling eine ganze Generation moralisch und physisch zu Grunde richten können, bis die betreffenden Eltern darauf aufmerksam wurden, da viele ihrer Kinder in einen krankhaften Zustand verfallen, den wir Aerzte uns am Anfänge gar nicht erklären konnten, bis ein Zufall uns die wahre Ursache davon enthüllte. „Genug, genug," fuhr ich auf, denn ich merkte schon im Voraus, daß auch diesmal die Mitglieder der jüdischen Gemeinde Smyrna's das schändlichste aller Verbrechen gleichgiltig ausgenommen haben. „Lassen Sie mich doch zu Ende kommen," bat der Arzt. „Wir schlugen nun Lärm, forderten von dem Rabbiner - Collegium eine strenge Untersuchung, die Ausweisung des so stark belasteten Individuums, versammelten die Angesehensten der Stadt, um mit ihnen gemeinsam über die Mittel zu berathen, eine neue Schule zu gründen, doch unser Eifern, Lärmen und Toben, Alles blieb umsonst; Misrahi fand einige Gönner unter den Reichen, die den Rabbinen verboten, gegen den Schändlichen einzuschreiten, und wiederum hat das Laster einen Sieg davongetragen. Jetzt, da der Allmächtige Sie hierhergesendet, bitte ich Sie, acht Tage bei uns zu verweilen, bis Sie Sich überzeugt, daß ich zu Ihnen nur Wahres gesprochen, dann werden Sie freundlichst der Alliance in Paris Alles melden und bei dem ehrenwerthen Central-Comitö zu unsren Gunsten wirken." Ich saß da, beherrscht von einem Gefichle der Entrüstung, welches mir die Zunge lähmte. Eine ganze jüdische Generation so geistig und körperlich zerrütten lassen, ohne daß zehn Jahre hindurch ein einziger Vater den Muth gehabt hätte, den Sünder zu bestrafen! In der großen jüdischen Gemeinde Smyrna, wo 25,000 jüdische Seelen wohnen, soll sich nicht ein einziger Mann vorfinden neop *op> m&os H nicht Einer der dem Laster Einhalt zu gebieten vermochte, nicht Einer, der sich ob solcher Schand- Ihaten ereifert und arbeitet zur Vertilgung der Schmach; Und die so hart beleidigten Väter, machte denn der Anblick ihrer krankhaften Kinder, keinen Eindruck auf sie?! Diese und andere Fragen stellte ich mir und hätte sie auch gerne an die Versammlung gerichtet, wenn mir nicht die Sprache den Dienst versagt hätte. Wohl hört man in der Welt von Miffethaten aller Art; das war mir jedoch noch nicht vorgekommen, daß die Ellern gegen das Verderben ihrer Kinder gleichgiltig geblieben. Es war unterdeß spät geworden, ich mußte in mein Hotel eilen, ehe die Sonne untergeht, versprach jedoch meinem neuen Freunde mich nach Samstag um die Angelegenheit zu bekümmern. In Wirklichkeit that ich dies und fand, daß mir leider die reinste Wahrheit erzählt worden war. Wir beriechen nun über die Wege, welche einzuschlagen seien, um in Smyrna eine ordentliche Schule zu gründen. Zu diesem Zwecke begaben wir uns auch zum Oberrabbiner Chacham Abram Palagi, der mir all die erwähnten Thatsachen bestätigte. Meine Unterredung mit ihm war ziemlich animirt, da ich es chm an's Herz legte, mit aller Energie gegen Misrahi aufzutreten. Er? versicherte, daß dies sein fester Wille sei, daß ihn aber daran seine Stellung verhindere, welche ihm verbiete, etwas ohne Mithilfe der anderen Dajanim zu thun. Anstatt die ganze Angelegenheit in ihrer moralischen Ungeheuerlichkeit näher zu beleuchten, lasseich hier die Uebersctzung eines der jüngsten Briefe folgen, die ich von Smyrna erhalten, woraus ein jeder Leser die Consequenzen selbst zu ziehen verstehen wird. Smyrna, den 7. August 1870. Mein sehr theurer Herr! Ich schrieb Ihnen bis jetzt nicht, weil ich Ihnen ein Endresultat in unsrer Schulangelegenheit melden wollte. Leider kann ich heute dieser Pflicht Nachkommen: Misrahi, Dank dem Jdifferentismus und der sträflichen Gleichgiltigkeit der Eltern, sowie dem Einfluß zweier Gebiren, M. hat seine Schule wieder geöffnet. Und Sie wollen noch, daß ich Muth fasse, daß ich kämpfe, gegen das Gefährlichste aller Laster, gegen die Indolenz, das ist mir unmöglich. So habe ich mich von Allem zurückgezogen, da mir, wie Sie sich erinnern, selbst die Rabbinen nicht beistehen wollten, in meinem Kampfe gegen die Partei M. Unsre Gemeinde besteht aus einem Volke, von dem unser großer Prophet Moscheh sagt nisy "□«, man lasse hier fünf grade und vier ungrade sein. Daß es je besser wird, daran glaube ich nicht, denn der Orientale nimmt wohl die europäische Kleidung an und mit ihr die Schäden der Civilisation, nicht aber die Vorzüge. Es wird leichter sein die.Todten aus ihrem Schlafe zu erwecken, als die Smyrniaten aus ihrer moralischen Schlaffheit. vr. M .... Dies, mein Leser, kann im Morgenlande in der! großen jüdischen Gemeinde Smyrna vorgehen, und da gibt es noch Leute bei uns, welche meinen, man wolle keine Schule. Ja, man will keine, wenn man zahlen soll; darum werden die englischen Missionsschulen so häufig besucht. Doch für heute genug hier-s über, nächstens mehr n"’"x. Jsch msouschar. Verantwortlicher Redacteur: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpreffen-I druck von I. Gottsleben m Mainz.

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