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Der Israelit · 1870-10-05 · Heft 40-41 (5.10.1870) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 40-41 (5.10.1870)
Date
1870-10-05
Page
– (sequence 21)
Language
German
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761 Lärm und zeige den Vorfall der Polizei an." Nach längerem Unterhandeln gaben ihm die Beiden 40 fl. In die Wohnung deS R. Schwarz zurückgekehrt, zerschnitten sie die feinen, schwarzen Kleider des Schwarz in kleine Stücke und warfen sie in den Abort; in den Taschen fanden sie, nach der Angabe des Schreibers, eine braunlederne Brieftasche mit einem Inhalte von 4 fl. 38 kr., zwei Ringe und eine goldene Busennadel, welche Gegenstände sich Rosenberg, der unterdeß mit Tode abging, aneignete; außerdem das dem Briefe beigelegte Sacktuch und die Factura. Der unbekannte Correspondent versichert noch, daß er es sich habe angelegen sein lasien, zu erfahren, ob die Leiche etwa vom Wasser ausgeworfen worden sei, doch gelangte hierüber nichts zu seiner Kenntniß. Der Briefschreiber meint, er werde sich vor seinem Gotte, vor dem er bald erscheinen werde, rechtfertigen und ermahnt den Oberrabbiner, seine Pflicht zu erfüllen, da ein junges Weib seit drei Jahren das Verschwinden ihres Gatten betrauert und die Ungewißheit schmerzlicher sei, als die schrecklichste Gewißheit: Zum Schlüsse sagt der anonyme Briefschreiber, der Rabbiner werde nicht erwarten, daß er ihm nach so delikaten Mittheilungen seinen Namen nennen werde, theilt jedoch mit, daß sein Vorname „Juda Leb" sei, daß sein Vater Nißan hieß, der sich eine längere Reihe von Jahren in Altofen aufhielt, und daß er selbst ein Jünger des berühmten Altofner Rabbiners Moses Müntz war. Soweit der Brief. Herr Oberrabbiner Hirsch konnte nichts Anderes thun, als das Schreiben im Einvernehmen mit dem Gemeindevorstande dem Vorstande der Pesther israelitischen Cultusgemeinde zu übermitteln, da Schwarz in Pesth zuständig war und auch seine Gattin und deren Familie daselbst noch gegenwärtig ihr Domicil haben. Holland. Wee-p. Herrn L. Spier von WeeSp wurde es gestattet, die jüdischen Soldaten mit ibd Kost zu versehen; die Kosten hierfür bestreitet Herr Spier ganz allein. (Jew. Chr.) Syrien. Beyrnth. Während in Europa die Kriegsfurie wüthet und Tausende hoffnungsvoller Männer in das frühe Grab rafft, scheinen wir hier der vollsten Ruhe zu genießen. Doch ist diese Ruhe nur die des glatten Meeresspiegels, in dessen Tiefen die Wassermassen kochen, um bald in brausender Fluth emporzutauchen und allen Schiffen mit Verderben zu droben. So hieß es vor einigen Tagen, die mohamedanische Bevölkerung von Damaskus wolle sich gegen die Juden und Christen erheben und eine allgemeine Schlächterei beginne».. Jetzt ist wieder Alles stille, und hören wir nur da- Geklirre der Waffen durchziehender Reservisten, welche der Großherr aus allen Enden seines weiten Reicheeinberuft. Reich wie arm bis zu 32 Jahren muß jeder Rechtgläubige die Waffen ergreifen. Warum? daS wird die Zukunft lehren. Jndeß frage ich mich'oft, welches wird da- Loo» unserer Glaubensbrüder fein, wenn der Fanatismus seine Bande brechen wird? Einstweilen eine kleine Geschichte auS Damaskus, welche die geschätzten Leser überzeugen wird, wie wenig man oft von den europäischen Repräsentanten zu hoffen hat. In Damaskus, wie überall in der Türkei, gibt es unter anderen auch sogenannte englische Schützlinge, welche meistens ausgewanderte russische Juden sind, die nach dem bekannten Ukas des Kaisers Nikolaus von der britischen Regierung unter englischen Schutz gestellt wurden. Vor ungefähr 10 Tagen zeigten türkische Polizeidiener an, sie hätten zwei jüdische Knaben Kreuze an eine verfallene Moschee machen sehen. Die erwähnten Knaben waren zufälliger Weise in Dienste eines englischen Schützling-, eines jüdischen Schneiders, der sogleich vor den englischen Consul gerufen wurde. Herr Burton — eist dies der berühmte Burton, welcher die Rklquellenentdeckungsreise mit Speeck gemacht hat und der auch in Mekka war, — der sonst vorurtheilsfreie Mann fuhr den erwähnten Schneider hart an und verstieß ihn sowie seine Söhne vom englischen Consulate. Der Oberrabbiner begab sich zu ihm, um ihm begreiflich zu machen, daß dies gar nicht Sache der Juden sei, daß überhaupt die ganze Geschichte von den türkischen Polizeimännern ausginge. Herr Burton, weit entfernt sich damit zufrieden zu geben, sprach sehr harte Worte mit dem Rabbiner, indem er ihm bedeutete, daß diese beiden Knaben nur im Aufträge der Gemeindehäupter gehandelt hätten, welche einen Aufstand gegen die türkische Regierung Hervorrufen wollten: er werde dieüberhaupt nach Constantinopel und London melden. Um Ihnen dieses unvernünftige und ungerechte Lärmen des englischen Consuls verständlich zu machen, muß ich Sie zurückführen auf das berühmte Morden von 1860, wo eben die Mahamedaner vor dem Morden alle christlichen Häuser, wo sie plündern und morden wollten, mit einem Kreuze bezeichnten. Es ist ein rechtloser Zustand in diesem Lande, wo vor einigen Jahren der französische Consul Herquard einen Christen, welcher einen Juden auf öffentlicher Straße getödtet hatte, dadurch vor der Strafe schützte, daß er denselben durch seine Cavaffen in daS Consulatgebäude bringen und so lange dort weilen ließ, bis Niemand mehr des MiffethäterS gedachte. Ja, dies geschah in Damaskus vor einigen Jahren,

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