Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 40-41 (5.10.1870)
- Date
- 1870-10-05
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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760 Österreichisch Ungarische Monarchie. Wie«. Der Kaiser hat dem Bankier Jonas Ritter von KönigSwarter in Anerkennung seines verdienstlichen Wirkens den Orden der eisernen Krone zweiter Klasse mit Nachsicht der Taxen zu verleihen geruht. Wie«. Vor einigen Tagen kam zum hiesigen iSrael. Prediger Dr. Jellinek eine Frau mit ihrer Tochter und verlangte ihre und der Letzteren Aufnahme in'S Judenthum. Der Prediger willfahrte. Die Frau — eine Wittwe — verehelichte sich vor einigen Tagen mit einem hiesigen renommirten Arzte jüdischer Confessioru Dies bewog ihre Mutter — eine hochbetagte Frau — gleichfalls Jüdin zu werden, so ist nun der gewiß seltene Fall eingetreten, daß Großmutter, Tochter und Enkelin sich dem Judenthume zugewendet. — In diese Woche fällt auch die Convertirung eines k. k. Ofsiziers. — Mittwoch wurde ein Brunnenmacher mit seiner Frau im jüdischen Tempel in der inneren Stadt nochmals getraut. - Der verflossene Woche vollzogene Uebertritt eines getauften ehemaligen Soldaten zum Judenthum verdient die Aufmerksamkeit durch den Grund, warum der Soldat sich taufen ließ. Vor mehreren Jahren, als er noch activ war, wurde er eines Tages von einer Greislerin beschuldigt, Aepfel entwendet zu haben. Obwohl er seine Unschuld betheuerte, wurde er verhaftet und zum Profoßen geführt, der ihm versprach, die Strafe zu erlassen, wenn er dem Judenthum Valet sagen wollte, was auch geschah. A Linz. Die hiesige, seit 1848 im Entstehen begriffene jüd. Genossenschaft wurde von der k. k. Statthalterei zur öffentliche» CultuSgemeZlde erhoben und die Statuten derselben genehmigt. Der als Prediger und Religionslehrer daselbst fungirende vr. Stern wurde auf Vorschlag des k. k. Herrn Statthalters von Sr. Majestät dem Kaiser zum Mitgliede des k. k. oberösterreichischen Landesschulrathes ernannt. Es ist dies die erste derartige einem Juden in Oberösterreich zu Theil gewordene Auszeichnung und bekundet einen entschieden freiheitlichen Fortschritt im Sinne der konfessionellen Gleichbere Mgung. Begleichen ist die Cultusgemeinde im Bezirksschulräte durch den Vorsteher Herr Jac. vr. Kohn und im Ortsschulrathe durch Herrn Jacob GanS vertreten, naiö mpni r6nn idj/*? -naa 'n jrv pai. Ofen Es mögen ungefähr drei Jahre sein, seitdem der Goldarbeiter Jakob Schwarz, der sich in Angelegenheiten seines Geschäftes von Pest nach Wien begab, spurlos verschwand. Alle Nachforschungen, alle Recherchen der Polizei führten nur zu vagen Vermuthungen und die verzweifelte Gattin wartete vergeblich auf einen Strahl, der dieses geheimnißvolle Dunkel erhellen sollte Die widersprechendsten Versionen, die sich bald zur Annahme eines Unfalls, bald' eines Verbrechens hinneigten, wurden zur Zeit, als der Vorfall bekannt wurde, geltend gemacht. Wie über viele wichtigere, so schien auch über dieses Ereigniß Gras gewachsen zu sein, als dieser Tage ein Fall eintrat, der dem „P. L " von competenter Seite mitgetheilt wurde, und der geeignet ist, die Erinnerung an das Verschwinden des Sch. wieder zu beleben. Vor etwa acht Tagen langte an das Ofner Oberrabbinat ein recommandirteS Schreiben aus Wien an, dem ein weißes Leinensacktuch mit den Initialen I. S. und eine Factura über gelieferte Goldwaaren vom Jahre 1866 beigelegt war. Der anonyme Briefschreiber leitet seine Mittheilung mit den Worten ein, daß er, der am Rande des.Grabes stehe, nicht ruhig werde sterben können, wenn er nicht ein Geheimniß, das ihn schwer niederbeuge, der Welt kund thue. Im August des Jahres 1867, fährt er dann fort, kam Jakob Schwarz, Goldarbeiter aus Pesth, den er seit seiner Jugendzeit kannte, nach Wien, um daselbst Goldabfälle zu verkaufen und für deren Erlös Edelsteine einzukaufen. Der anonyme Briefschreiber wies ihn an einen gewissen R o sie n b e r g, der sich mit dem Ein- und Verkauf von Edelsteinen befaßte. Die Beiden schlossen wirklich ein Geschäft im Betrage von 800 fl. ab und begaben sich hierauf mit dem Einsender in ein Bierhaus auf dem Alsergrund. Heiter uttd guter Dinge wurde dort gezecht und da es, als sie daö Bierhaus verließen, schon spät war, nahm Schwarz, der nicht gerne in sein Hotel zurückkehren mochte, das Anerbieten des Rosmberg, bei ihm zu übernachten, an. Der Schreiber und Rosenberg wollten sich eben auch zu Bette begeben, — Schwarz hatte sich früher niedergelegt — als der Letztere laut aufschrie. Sie eilten an sein Bett und fanden ihn — entseelt. Sie begossen ihn mit Wasser, frottirten ihn, wandten alle möglichen Wiederbelebungsversuche an, alles umsonst — Schwarz war tobt. Es war 11 Uhr Nachts. Beide fremd in Wien, scheuten sich, der Polizei Anzeige zu machen, um nicht den naheliegenden Verdacht eines Raubmordes zu erwecken. In ihrer rathlosen Angst ergriffen sie die Leiche, hüllten sie in Packpapier und grobe Leinwand, und banden sie mit Stricken, um ihr die Form eines WaarenballenS zu geben; sie riefen hierauf einen Fiaker und bedeuteten ihm, sie auf die Fischerzeile zu führen, dort angelangt, ließen sie halten und warfen den Leichnam in die Donau. Dem Fiaker wollten sie 5 fl. bezahlen, dieser aber wies das Geld mit den Worten zurück: „Ich sehe schon, daß hier etwas Besonderes vorgeht; wenn mir die Herren nicht mindestens 100 fl geben, schlage ich