Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 40-41 (5.10.1870)
- Date
- 1870-10-05
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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759 Synagoge ist in einfachem, ernstem Styl, Mit Paneelen von Eichenholz aus gelegt. Aeußere Gallerien mit Statuen und Büsten von Marmor vervollständigen dieses prachtvolle Ensemble. Der Park gehört zu den schönsten Frankreichs. Bei der Anlage desselben war eine große Schwierigkeit zu überwinden, da die völlig platte Gegend nirgends pittoreske Perspectiven darbot. Es mußten daher künstliche Bodenwallungen vorgenommen werden, die der Art gelungen sind, daß sich nach allen Seiten Aussichten auf künstlich herbeigeleitete Wasserbecken, Abflachungen und Baumgruppen darstellen. Als besonders bemerkenswerth sind noch zu nennen die abwärts vom Schlosse in einem besonderen Pavillon erbauten und mit dem Erdgeschosie des ersteren in Verbindung stehenden Küchen, die Orangerie, die Gewächshäuser , die Fasanerie, welche eine seltene Sammlung von Vögeln enthält, die Stallungen u. s. w. Die im Freien nicht überwinternden Zierpflanzen, die in Ferneres angesammelt sind, gehören zu den schönsten überhaupt existirenden Exemplaren der verschiedenen Species. Park und Schloß liegen in der Mitte von Waldungen und Dörfern, deren Gebietstheile den Gesammtcomplex des Gutes ausmachen. XXI. Ulm a. D., 23. September. Aus Anlaß des jüd. Neujahrsfestes wurde den kriegsgefangenen Franzosen mosaischen Glaubens vom hiesigen Gouvernement die Erlaubniß zum Besuche der Synagoge ertheilt. Davon machten 10 Mann, darunter drei Turkos, welche Brüder sind, Gebrauch. Ludwigs bürg, den 25. September. Eine seltene Feier hat heute hier stattgefunden. Die hiesigen Israeliten hatten bisher ihre Todten auf dem jüdischen Friedhofe zu Hochberg begraben. In neuester Zeit hat die kleine Glaubensgemeinde einen eigenen Begräbnißplatz gegründet. Heute, am ist derselbe durch den Rabbinen, Kirchenrath Dr. von Maier aus Stuttgart, feierlich eingeweiht worden. Den nächsten Anlaß gab der Tod.eines jüdischen Kriegers, Heinrich Heidemann, heimathlich in der Nähe von Frankfurt a. O., der als Gefreiter eines brandenburgischen Infanterieregiments in der Schlacht bei Gravelotte im tapferen Kampfe mehrere schwere Schußwunden erhalten hatte und denen er, ungeachtet .der sorgfältigsten Pflege, in einem hiesigen Lazarethe erlegen ist. Der junge Mann ist erst 26 Jahre alt, seit einem Jahre verheirathet und seit 14 Tagen Vater eines Kindes! Dgs israelitische Vorsteheramt hatte Einladungen zur Theilnahme an der Feier erlassen, welchen die Geistlichen beider christlichen Confesstonen, die Staats - und Stadtbehöiden, eine große Menge hiesiger Einwohner und viele Israeliten aus Stuttgart, Cannstadt u. s. gefolgt sind. Kirchenrath Maier hat dabei ergreifende patriotische Worte gesprochen. Die üblichen Salven wurden von einer Militärabtheilung gegeben und ein Männerchor sang paffende Lieder, während man den ersten Sarg auf dem neuen Friedhof unter den Segensworten des Geistlichen in die mütterliche Erde senkte. XXII. Willeuberg. Unter den in Wittenberg internirten französischen Kriegsgefangenen haben 56 Juden den Kommandanten ersucht, an den gegenwärtigen hohen jüdischen Feiertagen eine Synagoge besuchen zu dürfen. Der Kommandant genehmigte dieses Gesuch sofort und dirigirte die Petenten, da in Wittenberg eine Synagoge nicht existirt, nach Dessau. Gleichzeitig bestimmte er, daß die Bedeckungsmannschaft, Gemeine urd Unteroffiziere ausschließlich aus jüdischen Glaubensgenossen bestehen sollte. Sobald dies in der jüdischen Gemeinde Dessau bekannt wurde, veranstaltete man eine kleine Sammlung, welche der BedeckungSmannschaft ausgefolgt wurde, um sich und den Gefangenen auch eine materielle Festesfreude zu bereiten. Von den sonst in Wittenberg garnisonirenden Linien- und Landwehrregimertern erhielten die in denselben dienenden Juden während ihrer hohen Feiertage wie alljährlich Urlaub. Zeitungsnachrichten und Correspon- -enzen Deutschland. Freiburg, 24. Sept. Gestern wurde die hier in sehr elegantem Style und reicher Ausstattung neuerbaute Synagoge eingeweiht. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Reiß von Altbreifach. Alt-Slrelitz (in Mecklenburg.) (Privat-Mitth.) In diesen Tagen ist von der hiesigen Bürgerschaft in einer Urwahl und später in einer engeren Wahl vom Magistrat mit Zuziehung der zwölf Stadtrepräsentanten, in beiden Wahlgängen mit großer Majorität, der jüdische Kaufmann Herr A. Sanders hier, zum ersten besoldeten Senator der Stadt gewählt worden. Die norddeutsche Bundesverfassung hat nun auch den mecklenburgischen Juden hinsichtlich der Gleichberechtigung aller Confessionen eine bessere Stellung gebracht.