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Der Israelit · 1870-10-05 · Heft 40-41 (5.10.1870) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 40-41 (5.10.1870)
Date
1870-10-05
Page
– (sequence 14)
Language
German
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754 Und das alte Männchen war so schnell zur Thürhinaus, daß Martha ihm kaum folgen konnte, tmt ihck die Treppe hinunter zu leuchten. Am andern Morgen suchte Naphtali seinen neuen Principal auf. ES gab vollauf zu thun, da gerade zu dieser Zeit im Korngeschäfte sich große Chancen boten. Aus der Kornbörse hatten sich zahlreiche Käufer und Verkäufer eingefunden; die Makler rannten hin und her. Der alte Denrhardt hatte alle Hände voll zu thun. Ncch konnte ihm Naphtali nicht helfen, da ihm die Gesckäftsgebahrung noch neu war. Aber nach dem Schlüsse der Börse besorgte er Briefe, Depeschen und den Eintrag in die Bücher zur größten Zufriedenheit seines Herrn. Als er sich Abends von Herrn Dennhardt verabschiedete, sagte dieser: „Das warein guter Tag heutet Nun, ganz bald wirst auch Du einen schönen Antheil vom Verdienste haben. Du bist anstellig und wirst reichlich verdienen. Für den Beistand, den Dn mir heute geleistet. Nimm diese süns Thaler. ES ist nur wenig; aber Du wirst sehen, es werden Tage kommen, an denen Du das Fünffache verdienen wirst, und es wird kaum ein Tag sein — mit Ausnahmen von Schabbes und Sonntag, — an welchem weniger für Dich abfällt." Hocherfreut brachte Ncphtali die fünf Thaler nach Hause. Nun brauchten Frau Leah's Löffel nicht ins Pfandhaus zu wandern. ' Die Voraussagung des alten Dennhardt bestätigte sich. Naphtali bekam bald einen so hervorragenden Antheil am Gewinne, daß der Wohlstand wieder einkehrte in seines Vaters Haus, und daß man bald damit beginnen konnte, Etwas für die Zukunft zurückzulegen. Als nach zwei Jahren der alte Dennhardt starb, wurde Naphtali der alleinige Inhaber des Geschäftes, und als wiederum zwei Jahre verflossen waren , da besaß Naphtali ein Capital, das es ihm möglich machte, aus einem Kcrnmakler ein Kornhändler zu werden. Und Gott segnete sein Beginnen. Sein Geschäft, aus solider Grundlage begründet^ und von gediegener Kenntriß seiner Branche unterstützt, wurde immer größer Und bedeutender. (Fortsetzung folgt.)' Ahasverus in den Wederlanden. Wer kennt ihn nicht, den ewigen, durch die Jahrhunderte irrenden Juden, und den sich an ihn festknüpfenden Sagenkreis, das sprechende Zeug- «iß der krassesten religiösen Unduldsamkeit und des finsteren Fanatismus früherer Jahrhunderte? Der wahre Ahasverus ist das Judenthum des Alterthums, des Mittelalters und der neueren Zeit, bis aufs Blut verfolgt und gemartert, gejagt', verstoßen, verworfen, gemieden und als Paria der Menschheit behandelt. Gewiß so erhaben dichterisch und jgroßattig die Anschauung Sue's sein mag. sie steht unendlich tief unter der nüchternen Prosa der Geschichte, wenn sie den Schmerz und den Jammer dieses Volkes in der einfachen Sprache der Tbatsachen erzählt. „Forti fort!" war die Losung des Fanatismus, gegen das unglückliche Volk geschleudert, „wandte bis an's Ende der Tage!" war der Fluch, durch ein niedriges Rachegesühl, durch Religionshaß »nd Habsucht eingegeben. Vffr werden es nur Natürlich finden, wenn Dichtung und Prosa sich der Legende bemächtigten und im ewigen Juden das reichste Material für Allegorien und Charactertypen suchten und fanden; selbst Göthe trug sich lange mit dem Gedanken, die Gestalt Ahasverus zu einem Symbol des kalten Realismus zu verarbeiten; er hat es aber nicht gethan; der große dichter wird seine guten Gründe dafür gehabt haben; Ahasverns wurde uüter seinen Händen das Symbol des pietistischen Separatismus! Der Geist der Zeit und die Fortschritte der Civilisation haben endlich dem Juden fast überall die ihm gebührende Gleichberechtigung erworben und wenn in der Mitte hochcivilisirter Völker noch zuweilen die akuten Symptome eines mittelalterlichen Hasses zu Tage treten, so kennt man die inneren Beweggründe eines solchen Anachronismus in den meisten Fällen reckt wohl, sie wurzeln fast ausschließlich in egoistischen Motiven, in persönlichen bitter gefühlten, wenn auch selbstverschuldeten Enttäuschungen, mitunter im Mangel an Selbstvertrauen und im Bewußtsein der Inferiorität. Richard Wagner's Broschüre: „Das Judenthum in der Musik" liefert für das erstere der angeführten Motive einen sehr drastischen Beleg. Selbst der hohe religiöse Fanatismus, Dank sei den überwältigenden Ideen unserer Zeit, wagt es nicht mehr, in unverhüllter Nacktheit auszutreten, er maskirt seinen Haß wenigstens mit den dem Liberalismus entlehnten Schlagwörtern. Was in Deutschland Richard Wagner gethan, that in den Niederlanden ein — Geistlicher Tideman. In verschiedenen öfferftlichen Vorlesungen und einer das Thema derselben behandelnden Broschüre untersuchte er die Sage über den ewigen Juden Und fand in ihm, den ursprünglichen Gedanken Göthe's wieder ausnehmend, den Urtypus des nüchternen, kalten Realismus, der, auf beschränktem materiellen Standpunkt stehend, den Propheten der Zukunft von sich stößt, die Welt durchwandert und oem ganzen menschlichen Leben den Stempel seines realistischen Geistes aufdrückt. Der Antipode dieser Personificirung des JudenthumS ist Nathan der Weife, der obwohl

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