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Der Israelit · 1870-10-05 · Heft 40-41 (5.10.1870) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 40-41 (5.10.1870)
Date
1870-10-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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752 hatte unendliche Verdienste; wie Unzählige sind ihm noch dankbar! Er trug viel dazu bei, daß das Gebäude des Fanatismus, welches auf Israels Häuptern schwer lastete, zu wanken begann;— ja, er war ein wahrhafter Reformator, er verstand zu schaffen; doch die Herren im Talar und Bäffchen, mit« feierlich gemeffenem Schritt, mit heiliger Haltung, — sie können nur — zerstören. Zn Gifenach hat die Siegesfeier über die Erfolge bei Sedan zu einer Aufsehen erregenden literarischen Kundgebung geführt. Bei einem zu Ehren Wilhelms, des Componisten der „Wacht am Rhein," veranstalteten Zrveckeffen hatte auch Fritz Reuter geredet, und sich in einem Toast gegen den Cultus für Napoleon I. gewendet, der in den 20er und 30er Jahren zu Tage getreten, und besonders seien dies „diese elenden Judenbengels, wie z. B. Heinrich Heine, gewesen, der sich nicht gescheut habe, Napoleon zu verherrlichen, wie beispielsweise durch das Lied „Nach Frankreich zogen zwei Grenadier," rc. Diese, den parlamentarischen Anstand, wie die historische Wahrheit gleich stark verletzende Aeußerung hat Herrn Reuter einen „Offenen Brief" von einem jungen Juristen, Fr. Wachtel, eingetragen, der mit logischer Schärfe und sittlicher Entrüstung den Festredner zur Ordnung ruft. □ Frankfurt a M i5. Sept. Auf Veranlassung des großh. badischen Eiappen-Kommando's in Dinglingen wurden am 12. d. Nachmittags 600 Centner Tabak, welche am Bahnhofe Lahr lagerten, daselbst versteigert. Das Resultat war ein unerhofft günstiges. Während man sich auf einen Erlös von höchstens 5,000 fl. gefaßt gemacht hatte, ersteigerte ein Mannheimer Consortium das Ganze um 8,500 fl., und verkaufte das Quantum unmittelbar darauf um 9,000 fl. wieder. Die Betreffenden (meist Israeliten) waren so patriotisch, ihren Gewinn von 500 fl. einem HilfSverein für die deutchen Krieger zuzuwenden. Hamburg, 18. Sept. Der israelitische Frauenverein zur Bekleidung armer Knaben, dessen Zweck es ist, bedürftige Schüler der israelitischen Stiftungsschule von 1615 zu bekleiden, hat durch günstige Umstände im vorigen Jahre Ct. 600 M. erübrigt. Der Vorstand des Vereins hat jetzt diese Summe zur Bekleidung solcher Schulkinder bestimmt, deren Väter durch Einberufung zum Heere dazu außer Stande oder durch die Kriegsverhaltnisse arbeitslos geworden sind. Zur besseren Förderung des edlen Zweckes haben sich die Damen des Vorstandes mit dem „Frauenverein zur Unterstützung der Armenpflege" in Verbindung gesetzt, um auf dessen Empfehlung sodann die Verhältnisse der vorgeschlagenen hilfsbedürftigen Familien zu prüsen. Rußland und Polen. Warfchau. Die hiesige israel. Gemeinde hat Herrn Jakob Gesundheit, Verfaffer des mt<sn, zu ihrem Rabbiner an Stelle des verstorbenen Rabbiners Meiftl erwählt. Die Wahl hat bereits die Bestätigung der Regierung erhalten. Man ist allgemein hocherfreut über die getroffene Wahl; Herr Gesundheit ist ein streng religiöser Mann, der schon seit 37 Jahren eine große Anzahl Schüler im Talmud unentgeltlich unterrichtet. Slanim. Der auch in deutschen Kreisen berühmte Rabbiner Abraham Schick starb kürzlich nach kurzem Krankenlager und wurde unter großer Betheiligung der jüd. Bevölkerung der ganzen Umgegend zu Grabe gebracht. n"3"s"j"n. (Hamag'id.) Schweden. Stockholm. Den 22. September wurde die neue Synagoge eingeweiht. Sie ist nicht allein das schönste Gotteshaus der hiesigen Stadt, sondern wohl auch eine der schönsten Synagogen Europas. (Hamagid.) Feuilleton. Säen und Ernten. XVII. Hilfe in der Roth. Es war spät Abends. Frau Ruhdorf und ihre Töchter arbeiteten fleißig; sie hatten morgen Stickereien abzuliefern, für deren Ertrag die Familie einen Tag leben konnte. Was aber dann? Naphtali schrieb; er hatte es übernommen, Abschriften zu fertigen — der geringe Ertrag war nur ein kleiner Beitrag zu den schweren Kosten des Haushalts. Herr Ruhdorf saß sinnend vor einem aufgeschlagenen Tractate des Talmuds. „Vater," fragte Frau Ruhdorf, „morgen werden wir für unsere Stickereien soviel emnehmen, daß wir morgen zu essen, Feuerung und Licht haben werden. Was aber werden wir übermorgen anfangen? „Sorge nicht," antwortete Ruhdorf, „Gott wird uns nicht Hungers sterben lassen. Groß ist Sein Erbarmen, unendlich Seine Liebe." „Liebe Mutter," sagte Naphtali, „wir haben noch

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