Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 40-41 (5.10.1870)
- Date
- 1870-10-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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750 kaytden Weg m^e Lager. Wir hatten deßh-lh »iqe so frühe Stunde gewühlt, damit wir uns nach beit GlaUbenSbrüdern Umsehen konnten, ehe die Gefangenen sämmtlich oder theilweise nach ihren Arbeitsplätzen abgeführt werden. Wir' trafen das Lager beim Erwachen. Welch ein Anblick bot sich uns! Liniensoldaten, Chasseurs, Lanciers, Cürrassiere, Zuaven. Turcos, SpahiS im buntesten Durcheinander! Zahllose Feuer brannten aus dem Erdboden, an denen sich die Soldaten Kaffee oder Suppe kochten. Andere wuschen sich, wieder Andere machten Toilette. Da gingen sie umher die schwarzen, braunen und gelben Söhne der Wüste, mit nackten Beinen, den Oberkörper bis über den Kopf in den blauen Burnus gehüllt. Wir hatten hier Gelegenheit , die d^nj/db” nB»öy, die Art und Weise, wie sich die Ismaeliten (Araber) umhüllen, zu beobachten. Bekanntlich wird diese Art und Weise der Umhüllung in ivspä noto als mustergiltig für die Einhüllung in das Talith (nwsta qüj/nnb) angegeben. Die Gefangenen schienen recht froh und heiter zu sein. Viele lagen auf der Erde und spielten allerlei Spiele; andere sangen Lieder; auch die Marseillaise und das Pontons pour la Syrie tönten uns entgegen. Wir traten mitten unter sie, und ich redete den Ersten, der mir entgegenkam, an. „Dites-moi, Monsieur , sil vous platt, y-at-il ici des Israelites entre les soldats frangais?“ „„Oh, oui Monsieur,“ war die Antwort, „„il y a ici des Catholiques, des Protestantes, des Israelites, des Mouhamedains. La France est la terre de la fraternit6 et de l’egalite. Toutes les religions se trouvent dans notre armee.““ „Mais ici, Monsieur, dans ce champ-la, y-at-il 'des Israelites?“ „äCertainement, mais je ne les connaip pas.*)““ Wir gingen weiter und weiter und fragten noch Manchen, namentlich solche, deren Physiognomien uns ein jüdisches Gepräge zu haben schienen. Bald sammelte sich eine Gruppe von Gefangenen tim uns, die heftig gesticulirend, alle duxcheinanersprechhnd, uns hierhin und dorthin wiesen. Da theilten zwei kräftige Arme die Menge und in jüdisch-lothringer Mundart schlugen die Worte au unser Ohr: *) „Sagen Sie mir gefälligst, mein Herr, befinden sich hier auch Israeliten unter den französischen Soldaten?" „„Ja, mein Herr, es gibt hier Katholiken, Protestanten, Israeliten, Muhamedaner. Frankreich ist das Land der Brüderlichkeit und der Gleichheit. Alle Religionen befinden sich in unserer Armee."" „Aber hier, mein Herr, befinden sich hier Israeliten in diesem Lager?" „„Sicherlich, aber ich kenne sie nicht."" „Sie syche Iidde?« So war denn einer gefunden und mit ihm quch wohl die Sbttam. Wir begrüßten den gefangenen Glaubensgenossen herzlich, unterrichteten ihn tzon nuferer Absicht und baten ihn, iü den einzelnen Compagnien Nachfrage zu halten, ob außer ihm noch Israeliten da seien. Wir versprachen dann am «rsie» NeujahrStage, Nachmittags 3 Uhr, wiederzukommen,, um mit den iSr. Gefangenen Minchah zu beten und ihyen Schofar zu blasen. Zur bestimmten Zeit fanden wir uns mit noch mehreren Israeliten, unter ihnen unser ypm Herr Marcus Bondi, im Lager ein. Es warm nur zwei Israeliten unter den 6000 gefangenm Franzosen. Da uns die Zahl zu gering schien, so stellte der Commandant des Lagere, Herr Oberstlieutenant von Geffon, auf unsere Bitte amtliche Recherchm an, die kein anderes Resultat ergaben. Wir begaben uns dann in ein neu aufzeschlagenes Zelt, am äußerstm Ende des Lagers, wo wir Minchah beteten und «o dann unser ppui tya in bewährter Meisterschaft die ergreifenden Töne des Schofar erschallm ließ. Sodann begabm wir uns zum Commandanten und erbaten die Erlaubniß, daß die Gefangenen am Morgen und am Nachmittage des zweiten Neujahrsfestes sowie am Versöhnungstage in die Synagoge geführt werden. Diese Erlaubniß wurde aufs Zuvorkommendste ertheilt, und am gestrigen Tage wurde ihr bereits entsprochen. Unter militärischer, bewaffneter Eskorte kamen sie in die Synagoge und betetm andächtig. Bei dieser Gelegenheit erinnerten sich ältere Leute sehr lebhaft daran, daß vor circa 60 Jahren, als Mainz unter Napoleon I. französisch war, gefangene österreichische Israeliten unter bewaffneter französischer Eskorte in die Synagoge geführt wurden nnn Zeitungsnachrichten und Gorrefponpenzen. Deutschland. Berlin, 22. Sept. Immer mhr nähern sich uns die heiligen Tage, die eine ganze Welt von Gefühlen in uns erwecken, diese so ernsten Tage, welche eine vollständige Umwandlung, eine völlige Umkehr in uns Hervorrufen sollen und Hervorrufen müssen, wenn sie nicht ohne alle und jede Wirkung dahin schwinden sollen. In Verbindung mit dieser herrannahenden Feier der heiligsten Tage für den Bekenner des Judenthums bietet sich uns seit einigen Wochen eine Erscheinung dar, die so unendlichen Stoff zum Denken