Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 40-41 (5.10.1870)
- Date
- 1870-10-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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745 Lehörden wissen, so plötzlich auf die eigenen Fü';e gestellt, ftch oft nicht zu helfen. Es fehlen hier die Mittelspersonen, welche im Elsaß Verkehr zwischen der Bevölkerung und den Truppen so erleichtern, es fehlt an Juden, und wenn ein Verein einiger Dutzend derselben aus Berlin, Frankfurt oder Mannheim kommen lassen würde, so wäre allen geholfen: den Juden, die wirklich profitable Geschäfte machen könnten, den Truppen und der Bevölkerung zwischen denen der Verkehr sehr erleichtert wäre. XVI. Offenbach a. M25. Sept. Auch hier hat der Krieg sein Opfer gefordert; ein hoffnungsvoller Jüngling 23 Jahr alt, Namens Eugen Berg im 1. Inf. Reg. 2. Comp., erhielt in der Schlacht bei Gravelotte einen Schuß ins linke Bein; dasselbe mußte amputirt werden, wonach er bald darauf starb. — Möge der liebe Gott dessen brave Eltern trösten und kräftigen; möge der Allgütige uns ferner vor Leiden wahren und uns Jahre des Friedens und der Ruhe schenken. — M. XVII. Fran kfurt, den 30. Sept. Ein feierlicher und jeden Gefühlvollen tiefergreifender Leichenzug bewegte sich heute Morgen durch die Straßen der Stadt. Unter dem dumpfen Tone der Trommel, begleitet von einer militärischen Ehrenwache, wurde ein jüdischer Held , der sein Blut und Leben-fürs Vaterland geopfert, zur letzten Rnhestätte gebracht. Adolph Italiener, so hieß der Dahingeschiedene, aus Danzig, in der Schlacht durch einen Schuß in den Fuß verwundet, wurde nach dem hiesigen Militärlazarethe verbracht, woselbst ihm das schwerverletzte Glied amputirt werden mußte. Aber selbst diese schmerzvolle Operation vermochte ihn nicht mehr dem Tode zu entreißen, und am heiligen nwn vtn hauchte er seine reine Seele aus. Doppelt verdient der Dahingeschiedene unsere Trauer, als Opfer dieses traurigen, jammervollen Krieges, aber auch als ein m;r im wahren Sinne des Worts, denn streng beobachtete er die Gebote seines Gottes. Draußen im Felde, selbst auf seinem qualvollen Schmerzenslager, weigerte er sich standhaft unjüdische Kost zu genießen, und in frommer Ergebenheit in Gottes Willen .schied er dahin. Nach einer kurzen aber ergreifenden und^ den Verhältnissen angemessenen Grabrede des Rabbiners gaben die Waffenbrüder des Verblichenen die üblichen drei Ehrensalven und jedes Auge der zahlreich Anwesenden weinte dem Dahingeschiedenen noch eine Thräne nach. Wie dem Schreiber dieses erzählt wurde, soll der Dahingeschiedene in der Heimath Weih und Kind hinterlassen haben, doch bedarf diese Nachricht noch der Bestätigung. — Möchte doch dieses das letzte Obfer dieses mörderischen Krieges sei« und über seinen Grabhügel die Menschheit den Bniw des holden Friedens auf ewige Zeiten besiegeln. Er aber ruhe sanft und selig S..... XVIII. Mannheim, 28. Sept. Mehrere Soldaten israelitischer Religion, aus der Belagerungsarmee vor Metz ließen für sich und ihre übrigen israelitischen Kameraden Herrn Stadtrabbiner Dr. Friedmann dahier ersuchen, bei dem commandirenden General v. Manteuffel vorstellig zu werden, daß ihnen gestattet werde, so weit es die Interessen des Krieges ermöglichen, das Neujahrs- und Versöhnungsfest stach den Vorschriften der israelitischen Religion feiern zu dürfen. Dem Ansuchen willfahrend, drückte Herr Dr. * Friedmann in seiner desfallsigen motivirten Vorstellung noch daS Bedauern aus, daß die israel. Soldate im Kriegsheere der Seelsorge durch einen Feldgeistlichen gänzlich entbehren und erklärte in der Lage zu fein, wenn eö genehmigt wird, einen an der jüdisch-theologischen Facultät zu BreSlau auSgebildeten Candidaten des Predigtamtes prasentiren zu können, welcher aus patriotischer Gesinnung bereit ist, sich sofort zum Zwecke der Ausübung feldgeistlicher Functionen auf den Kriegsschauplatz zu begebene Durch Telegramm vom 25. d. M. zeigte Herr General von Manteuffel dem Herrn Dr. Friedmann an, daß er die Berücksichtigung der Soldaten israelitischen Glaubens bei Heranziehung zum Dienste an den hohen Festtagen, so weit nach den Verhältnissen thunlich, angeoronet und auch die Sendung eines Candidaten des Predigtamtes dankbar annehmen würde., Demzufolge begibt sich der bezeichnete Candidat, Herr Dr. Blumenstem von hier, in das Lager vor Metz. I eitungsnachrichte« und Corresporrdeuzeu. DIe utschland. Mainz, den 2. October. Unsere Leser werden sich freuen zu erfahren, daß wir heute für die Armen, Nothleidenden rc. im heiligen Lande 2272 fl. 25 kr. nach Amsterdam geschickt haben. Die Summe der von uns in diesem Jahre für die genannten Zwecke übermittelten Gelder beträgt nunmehr 13,341 fll. 31 kr. Da die Noth dort immer noch sehr groß und durch die Kriegsereignisse der Zufluß der Spenden bedeutend vermindert ist, so bitten wir dringend um weitere recht reichliche Gaben. Mainz, 2. Oct. Von Jerusalem gehtunS eine neue Zeitschrift: Habazeleth (rtan), redigirt