Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1870)
- Date
- 1870-09-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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732 n*-n zum Scheine streng feiern, so wird doch der zweite Tag für Nichts geachtet. Und nun erst gar die Commis und Lehrlinge, wie bringen diese vielfach den h. cmsan an ruvn «wr in der Synagoge zu? Wir übertreiben es sicher nicht, wenn wir hier die Behauptung aufstellen, daß die Mehrzahl derselben, die fast das ganze Jahr weder am noch an den D'^n vom Geschäfte dispensirt werden, an den „furchtbaren Tagen" das Gotteshaus nicht in der Absicht besuchen, sich zu erbauen und mit Gott sich auszusöhnen, bewahre! sondern nur zu dem Zwecke, um Conversationen anzuknüpfen, Bücher und Zeitungen zu lesen, die eigens dazu mit in die Synagoge gebracht werden, auch wohl die Damengallerien besuchen, um mit dem anderen Geschlechte sich in Gespräche einzulassen. Möge es doch bald besser werden! Das gebe der Allbarmherzige! derte sie auf, an ihrem Versprechen unerschütterlich fest zu halten. So endete diese Feier, von der ein Jeder das beruhigende Bewußtsein mitnahm, daß die Gemeinde den richtigen und geeigneten Mann gefunden habe. Möge es dem Rabbiner vergönnt sein, eine lange Reihe von Jahren in seinem Streben und Schaffen recht segensreich für die Gemeinde zu wirken! Holies. Die schriftliche Weigerung des Holicser Pfarrers Schmierer, welche bestätigt, daß Juden Kirchenäcker nicht pachten dürfen, wurde dem Vorstände der k. k. Familienherrschaft Holics überreicht, welcher sofort eine neue Lizitation ausschreibm ließ, bei der die katholischen Kirchenäcker denn doch an einen Juden verpachtet wurden. Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Wien. Der Kaiser hat dem Literaten Dr. Max Letteris in Wien in Anerkennung seiner verdienstvollen Leistungen die goldene Verdienstmedaille mit der Krone alle.gnädigst zu verleihen geruht. Eisenßadt. In einer meiner jüngsten Mittheilungen brachte ich Ihnen die Nachricht von unserer so glücklich getroffenen Rabbinermahl. Vor einigen Tagen nun war es uns vergönnt, den Ähnlichst erwarteten Rabbi in unserer Mitte zu empfangen. Gestatten Sie mir, in wenigen Worten, Ihnen eine Beschreibung hiervon zu geben. Groß war die Freude der ganzen Gemeinde, als endlich der Tag herannahte, an welchem der Mann kommen sollte, der nunmehr an unserer Spitze aus' und eingehen soll. Am frühen Morgen schon schmückten sich die Häuser mit Fahnen, und jeder Einzelne bestrebte sich durch schmuckvolle Guirlanden und Kränze es seinem Nachbar zuvorzuthun. Der Vorstand sowie die hervorragenden \n min waren dem kommenden Rabbi einige Stunden entgegengefahren, der nun bei seinem Eintreffen sämmtliche Gemeindeangehörige zum festlichen Empfange vorfand. Von den Knaben und Mädchen, die sämmtlich anwesend waren, trugen Einzelne hebräische und deutsche Gedichte vor. In seiner Wohnung angelangt beantwortete der Herr Rabbiner sämmtliche an ihn gerichtete Ansprachen in einer kurzen und passenden Rede. Er be onte in derselben, daß es stets sein Bestreben sein werde, die bestehenden Einrichtungen im Sinne seines geehrten Vorgängers zu erhalten und weiter zu führen. Auf eine Ansprüche des Deputirten der jungen Leute, die sich erboten, dem Rabbi in seinen Kämpfen für nunipn umin geireu und fest zur Seite zu stehen, drückte er in innigen Worten seine Freude über diese Bereitwilligkeit aus und for¬ Italien. Mantua. Eine widerwärtige Nachricht geht der „Tr. Z," von hier zu, wo in diesen Tagen ebenfalls eine Demonstration in dem jetzt üblichen Sinne stattfand. Nach dem üblichen Gebrülle: „Wir wollen Rom als Hauptstadt Italiens!" begaben sich die Demonstranten in Mantua in das Quartier, wo die Israeliten wohnen und stießen Beleidigungen und Schmähungen aller Art gegen dieselben aus, wobei es Scenen gab, wie sie sich regelmäßig in Mantua wiederholen, sobald daselbst irgend etwas los ist. Das Schlimmste ist, daß die Polizeibehörde unthätig zusieht und auch die Lokalpresse über derlei Schandthaten ein tiefes Stillschweigen beobachtet, anstatt wie es ihre Pflicht wäre, wenn sie von der hohen civilisatorischen Ausgabe der Presse eine Idee hätte, gegen derlei Exzesse eines mittelalterlichen Fanatismus energisch zu protestiren. Nicht einmal die sogenannten „Liberalen" erhoben sich, um einer derartigen Intoleranz ein Ende zu machen, die für Mantua in den Augen aller gebildeten und wahrhaft freisinnigen Männer ein Schimpf und eine Schande ist. Die Israeliten sind daselbst sehr zahlreich vertreten und meistentheils sehr wohlhabend. Stelle sich jener rohe Plebs doch emma! vor, diese Leute verließen Mantua, wie sie Rovigo seinerzeit verlassen haben, — wer könnte ihnen Unrecht geben? Ein Korrespondent aus Mantua findet es mit Recht auffällig, daß die Israeliten, die daselbst schon so viel zu erdulden gehabt, nicht längst energische Maßregeln gegen eine Infamie ergriffen haben, welche Mantua zur illiberalsten und intolerantesten Stadt Italiens stempelt. a :a k r e i ch. Paris. Der „Gaulois" enthält folgende interessante Mittheilung: