Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1870)
- Date
- 1870-09-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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733 Ist Herr Crvmieur nicht auch ein Vielwisser einer neuen Gattung? Es scheint, daß er mit seiner Stellung als Mitglied der Regierung unentgeltliche Funktionen der Prophetie verbindet. Einer unserer Freunde unterhielt sich vor einem halben Jahre mit ihm oder vielmehr er hörte ihn sprechen. Alle Welt weiß, welch bewunderungswürdiger Redner Herr Crvmieux ist. Aber besonders muß man ihn von seiner lieben Revolution sprechen hören. Er erzählt nicht die Thatsachen, er malt sie mit Liebe und erweckt gleichsam die Personen vom Tode. Herr Crvmieux sprach also von 1848. Er sprach hier aber mit Beredsamkeit, mit Bewegung und der zärtlichen Bewegung eines Greises, der sich eine glückliche Jugend ins Gedächtniß zurückruft. Wie ist dies alles so weit entfernt! seufzt unser Freund. Wie ist dies alles so nah! erwidert lebhaft der kleine republikanische Elias. Und indem er den Vorhang seines Fensters bei Seite schiebt, richtet er einen langen Blick auf die Tuillerien. Ein anderesmal ging er am Arme eines befreundeten Deputirten über den Platz Vendvme. Plötzlich wendet er sich ganz schnell nach rechts, den Weg nach dem Kultusministerium einschlagend, wobei er fortfnhr, sich zu unterhalten. Wohin gehen Sie denn? fragte der Deputirte. Ins Ministerium, sagte er. Ich irrte mich, und schon seit zwanzig Jahren irre ich mich, wenn ich diesen Platz durchschreite. Mir kommt es immer vor, als wäre ich noch Justizminister. Das ist seltsam. Jedoch, fuhr der berühmte Redner fort, ist das kein Ehrgeiz, sondern eine Ahnung, die ich habe; ich bin sicher, daß ich noch einmal Minister werde. Er ist es wieder geworden. Paris. Herr Albert Cohn hat den israel. Schulen zu Tlemcen (Algerien) mehrere Darlehensscheine der Ersparungskasse (jeden von 20 Fr. i zur Verfügung gestellt, um sie als Belohnung für fleißige Schüler zu vertheilen. Die All. Jsr. hat jüngst ihr Bulletin vom 1. Semester 1870 veröffentlicht. Es enthalt das Protokoll von 8 Sitzungen des Centralcomitvs, den Firman des Sultans bezüglich der Ackerbauschule in Jaffa, einen Rechenschaftsbericht des Königsberger Comitvs für die Auswanderung der westrussischen Israeliten, eine Gabenliste, eine Liste der Unterstützungen der Schulen der All. Das Comitv hat 500 Fr. zur Vervollständigung des Catalogs der Bibliothek votirt, ebenso eine Summe von 3600 Fr. zum Ankauf neuer Bücher; besonders wurden viele Bücher aus der Bibliothek des verstorbenen Luzatto angekauft. (Univ. JSr.) W Paris. Wir leien im „Unio. Jsr.:" Der „Israelit" hat angezeigt, daß Herr Oberrabbiner Zadok Cahn in Paris gesonnen sei, der Synode, die in München stattfinden sollte, beizuwohnen. Die Nachricht ist nicht richtig; Herr Z. Cahn hat bloS zu seiner Erholung eine Reise durch Deutschland gemacht und hatte niemals die Absicht, an einer solchen Versammlung theilzunehmen. (Wir hatten diese Nachricht der „officiellen" Mittheilung des Büreau der Synode in der „a. Z. des Judenthums" entnommen; Herr Philippson hat die Theilnahme des Herrn Z Cahn mit Jubel begrüßt und seitdem Gelegenheit genommen, den Genannten mit Schmeicheleien, dagegen Herrn Oberrabbiner Isidor mit Schmähungen zu überschütten. Red.) Paris. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten hat Herrn Ernst Hendle, Advokat am Appelationsgericht zu Paris, Tochtermann des Herrn Albert Cohn, zu seinem Geheimsecretär ernannt. Herr Advocat Lisbonne aus Montpellier wurde zum Präfect des Departement Hörault ernannt. Die Herrrn Levy, Professor am Lyceum Ludwig des Großen und Löwy, Beamter am Observatorium erhielten den Orden der Ehrenlegion. Herr Advocat Millaud wurde zum ersten Generaladvocaten am Appellationshvfe zu Lyon ernant. (Univ. Jsr.) Paris. Eine der traurigsten Thatsachen, die der gegenwärtige Krieg hervorgerufen, ist, daß er zum Vorwand gedient, um die alten Anklagen zu erneuern, die der Fanatismus immer in Bereitschaft hat die die Albernheit ohne Prüfung sammelt und die auch durch die Leichtfertigkait vieler Journalisten verbreitet werden. So schreibt „lo Aorä" unterm 19. August: „Man hat die Bemerkung gemacht, daß die meisten preußischen Spione im Elsaß Juden sind. Dieses verwerfliche Handwerk scheint nur von den Kindern dieser herabgewürdigten Race, welche das verruchte Glück gehalt hat, einen Judas, den vollendesten Typus der Treulosigkeit und Verrätherci zu erzeugen — ausgeübt zu werden." Welch' ein Rischus und zumal in Frankreich, wo doch die Juden den andern Confessionen schon seit vielen Jahrzehnten gleichgestellt sind und gegenwärtig ein Jude Justizminister ist! Paris. Aus einer Zuschrift des Comitvs der All. an den „Univ. Jsr." ersehen wir, daß Herr S. H. Goldschmidt, Mitglied des Central-Comitvs der All.