Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1870)
- Date
- 1870-09-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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727 reiches gestiftet. Vor Allem hat er die heilige Thora, die hier ganz daniederlag, zu heben gesucht und zu diesem Werke trägt er seit *p rbw nens p"v allwöchentlich einmal nämlich am p“v vor nrwo, »no vor und seit rj""i besteht hier sogar eine d"sp rmi die bereits viele Mitglieder zählt, unter denen es auch solche gibt, die sich sonst nicht pn“va beschäftigen. Sodann steht die Schechita unter Aufsicht unsers Herrn Rabbiner, der es nach langen Mühen sogar bewirkt hat, daß 2 Schochtim angestellt worden, die mit einander schlachten müssen. Wer die Verhältnisse Leipzigs näher kennt, wie der Einsender dieses Artikels, wird wissen, welch ein Fortschritt auf religiösem Gebiete die genannten Einrichtungen für Leipzig sind. Freilich ist Leipzig noch weit davon entfernt, eine heiligeGemeinde, wie die andern in Israel zu sein; stehen wir daher den Allmächtigen an, daß er an den kommenden heiligen Tagen unfern Gemeindemitgliedern wahrhafte Gottesfurcht einfiöße, damit unsere Gemeinde jeder andern in Israel gleich werden möge. Feuilleton. Säe« «nd Kr«te«. xv. Herr Bernstein. Bald nachher brach für die Ruhdorf'sche Familie eine schwere Zeit an. Simon Ruhdorf erkrankte derart, daß er sein Geschäft aufgeben mußte. Eine rheumatische Krankheit lähmte ihn fast, so daß er sich nicht mehr bewegen konnte; er mußte das Bett hüten und konnte eö nicht mehr allein verlassen. Das geringe Vermögen der Familie war bald aufgezehrt, und nirgends boten sich ihr Hilfsmittel dar. Da beschloß Naphtali seine geringen Kräfte zur Ernährung seiner Eltern und Schwestern aufzubieten. Er hatte gerade in ein großes Banquierhaus als Lehrling eintreten sollen. Jetzt zog er es vor, sich als Ausläufer bei dem Kaufmann Bernstein zu vermiethen, damit der Wochenlohn, den ihm diese untergeordnete Stellung brachte, den Seinen zu Gute käme. Simon Ruhdorf that es im Herzen leid, daß sein einziger Sohn sich zu so niederer Beschäftigung hergeben mußte; nichtsdestoweniger billigte er dessen Entschluß, getreu dem Ausspruche des Talmuds: Ziehe lieber auf öffentlichem Markte einem Aase das Fell ab, ehe Du menschliche Hilfe in Anspruch nimmst. Trotz der harten Arbeit, die Naphtali den Tag über hatte, versäumte er es nicht, Abends für seine weitere Ausbildung in Erlernung ftemder Sprachen und im kaufmännischen Rechnen zu sorgen. Der Sabbat aber war für ihn ein Tag wahrhafter Erholung und geistiger Erhebung. Da brachte er die Gemara oder die Thora mit der Erklärung deS Abarbanell an das Bett seines DaterS und studirte die heiligen Bücher unter deff.m Anleitung. Frau von Wolfseck und ihre Tochter Wilhelmine kamen in dieser Zeit der Leiden häufig in daS unscheinbare Nachbarhaus. Auguste wußte auf die zarteste Weise reichliche Unterstützung zu spenden. Withelmine brachte stets den ganzen Sabbat im Ruhdorfschen Hause zu. Da setzte sie sich hin und hörte aufmerksam den Vortrag Naphtali's mit an. Und wenn dieser ermattete, da wußte sie dem Kranken zu erzählen und ihn zu unterhalten. Ein Jahr war auf diese Weise dahingegangen, als Kaufmann Bernstein nothwendig einen Buck»Halter brauchte und keinen paffenden finden konnte. Unterdeß hatte die Krankheit RuhdorfS nachgelassen, und die Aerzte hatten erklärt, daß eine Kur in Teplitz ihm den Gebrauch seiner Glieder wiedergeben würde. Doch woher die Mittel zu einer so kostspieligen Kur nehmen? Da faßte sich Naphtali ein Herz und suchte seinen Principal auf. „Herr Bernstein," sagte er, „geben Sie mir dm Buchhalterposten; ich werde ihn zu Ihrer Zufriedenheit ausfüllen." „Ja," entgegnet« der Angeredete, „ich habe auch schon daran gedacht. Du bist geschickt und fleißig. Ich werde Dich vierzehn Tage lang zur Probe arbeiten lassen." Als die vierzehn Tage um waren, hatte Naphtali derart zur Zufriedenheit seines Principal« gearbeitet, daß dieser ihn nit einem jährlichen Gehalte von vierhundert Thalern als Buchhalter anstellte. Als Herr Bernstein seinem neuen Buchhalter diese Mittheilung machte, war Naphmli hocherfreut; es stand ihm jetzt das Vierfache seines bisherigen Einkommens in Aussicht. „Ich danke Ihnen sehr, Herr Bernstein," sagte er, „aber ich bitte Sie noch um eine recht große Wohbthat. Geben Sie mir meinen Gehalt für ein halbes Jahr im Voraus. Mein Vater soll nach Teplitz inS Bad gehen. Allein kann er nicht reisen, meine Mutter muß ihn begleiten. Da brauchen wir mindesten- 200 Thaler." Herr Bernstein lobte den guten Sohn und gab ihm das Geld. Freudenstrahlend kam Naphtali nach Hause, umarmte seinen Vater und überreichte ihm die zweihundert Thaler. „Reise mit Gott, geliebter Vater," sagte er.