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Der Israelit · 1870-09-28 · Heft 39 (28.9.1870) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 39 (28.9.1870)
Date
1870-09-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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724 Briefe u. Wach lichten vom Kriegsschauplätze. XI. Wir erhalten von Carlsruhe aus ein Schreiben des Herrn Mendel Schwarz aus Switnik in Ungarn, eines Leidensgenossen des Herrn Moses Dawidowitz aus Rußland, der mit ihm zusammen in Straßburg gefangen gehalten worden war. Dieses Schreiben hat ungefähr denselben Inhalt wie das unter Nr. VI. von uns in Nr. 38 d. Bl. veröffentlichte. Herr Schwarz betrieb einen Handel mit Juwelen und Goldsachen und hielt sich feit acht Monaten im Elsaß auf. Er wurde, ebenfalls ganz ohne Grund, in Benfeld bei Mühlhausen verhaftet, nach Straßburg transportirt und dort bis zum 22. August gefangen gehalten. Seine Effecten im Werthe von 6000 Frs. hat derselbe nicht zurückerhalten; er hat seine Ansprüche bei der K. K. Oesterr. - Ungar. Gesandtschaft in Carlsruhe geltend gemacht und hofft dafür nach dem Friedensschlüsse Ersatz zu erhallen. Vier Mitglieder des Schweizerischen Sanitätscorps, ausgesandt, die Verwundeten zu verpflegen, theilten trotz der ihren Beruf documentirenden Papiere, daffelbe Schicksal. Diese haben später dem Freiherr» von Gemmingen zu Ettlingen von der innigen Religiösttät der in Straßburg gefangenen Israeliten erzählt, der sich, dadurch veranlaßt, des Herrn Schwarz ganz besonders annahm. XII. Der Bischof von Straßburg erschien unlängst im badischen Hauptquartier, um für die Stadt Schonung zu erbitten; derselbe war von dem dortigen Oberrabbiner, Herrn A h r o n, begleitet. Der Talmudverein in Paris (rnun ouv) hat den Entresol seines Hauses in der rue Villehardouin zu einem Hospitale für im Kriege Verwundete eingerichtet. Die Mitglieder dieses Vereins — fast lauter Deutsche — haben Betten für diesen Zweck dorthin geschickt. In PnriS haben ferner Herr F. Sourdis, Frau Monteaux und Herr Cahn (rue Hauteville), sammtlich Israeliten, ihre Häuser zu Hospitälern für Verwundete einrichten lassen. Die Directoren und Lehrer der israelitischen Schulen zu Paris, wiewohl gesetzlich vom Dienste befreit, haben sich in die Nationalgarde einreihen lassen. Bei der Ausrüstung der öoiaireurs a cheyal zu Paris haben sich die Israeliten mit großen Beiträgen betheiligt. Die Herren v. Rothschild haben 10,000 Frcs. beigetragen. Viele israel. Damen aus den vornehmsten Familien sind Tag und Nacht mit der Pflege der Verwundeten beschäftigt. Das Haus Rothschild zu London hat für die Verwundeten 25,000 Frs. gespendet. Herr Rittmeister Nathan, ein Glaubensgenosse, ist zum Commandanten der Artillerie von Arr aS ernannt worden. Ein Bataillon von kranos-tireurs (Freischützen), dessen Commandant unser Glaubensgenosse Herr Julius A r o n S s o h n ist, hat am 4. September viel zur Aufrechterhaltung der Ordnung beigetragen. Herr Aronssohn hat den Ministerpräsidenten Grafen Palik a o mit seinem eigenen Leibe geschützt, rufend: „Es ist nicht der Minister, den ich vertheidige, sondern der tapfere, verdienstvolle Generali" geitungsnachriehten und Gorrefpondenze«. Deutschland. Dahn (Rheinbayern). Der aus heiterem Himmel Plötzlich herniedergefabrenen Blitzstrahl des Krieges hat sicherlich in keinem Theile Deutschlands die Gemüther so mit Furcht und Besorgniß erfüllt und nirgends der alltäglichen Beschäftigung mehr entrückt, als dies bei den Grenzbewohnern, welche die Schrecknisse des Krieges am meisten zu fürchten hatten, der Fall war. In solchen schweren Zeiten, wo der Feind mit den gefürchteten Turcos ganz in unserer Nähe lagerte und der Schlachtendonner unser Ohr erreichte, da mußte unwillkürlich manche Aufgabe ungelöst, manches Vorhaben unausgeführt bleiben. Doch jetzt, nachdem mit Gottes Hilfe n"3 die siegreichen Deutschen den Feind von unserer Grenze verjagt und weit in das Innere seines Landes getrieben haben, können wir beruhigt wieder zu unserer früheren Beschäftigung zurückkehren. Entschuldigen Sie deshalb, geehrter Herr Redacteur, daß ich mein Versprechen, meiner Schilderung in Nr. 21 dieser Zeitschrift auch eine solche über das jüdisch-religiöse Leben des pfälzischen Israels folgen zu lassen — erst heute und zwar mit Folgendem löse: Wer das religiöse Leben der Pfalz. Israeliten der Jetztzeit mit dem der Vorzeit, wenn auch nur um wenige Jahrzehnte zurück, vergleicht, der muß unwillkürlich das Klagelied ,,-m n3E” nrw" anstimmen. Ja, damals gab es auch in der Pfalz nur wenige rn^np, wo nicht wenigstens ein mm p das m num bethätigte und, die Achtung Israels genießend, seinen Einfluß D’DtP db6 geltend machte. Die in der Pfalz verhältnißmäßig mehr als sonst in Deutschland existirenden damals gegründeten nnnn Vereine, mit schönen D’Jipm, legen noch heute Zeug-

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