Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1870)
- Date
- 1870-09-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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723 kämpfte Israel gegen Rom an und ward Sieger trotz seiner staatlichen Niederlage. Israel zog sich den Haß und die Verfolgung der Völker des Mittelalters zu, weil es deren Barbarei nicht theilen wollte. Auch die Neuzeit hat schlimme Vorurtheile, einseitige Richtungen. >Die Ueberschätzung der Naturwissenschaften, die Vergötterung der Materie, das in den Vordergrund Drängen des Irdischen, der Abfall vom Glauben — das Alles characterisirt unsere Zeit. Und der Israelit? Ach, aut', er verschmäht häusig die erhabenen Schätze unserer heiligen Religion, wird untreu dem Gesetze unseres Gottes und folgt dem allgemeinen Wege, nicht bedenkend, daß Gott uns unfern besonder» Pfad angewiesen, den wir unbekümmert und unbeirrt fort wandeln sollen, selbst wenn er der Zeitrichtung zuwiderläuft. „Wende dein Herz dem Pfade, dem Wege zu, den du gegangen, und findest du, daß dieser Weg, dieser Pfad nicht die Richtung verfolgt, die zu dem von Gott uns gestelltem Ziele führt, so kehre um und suche Len rechten Pfad, den reckten Weg. HI. *pj/ btt '210 t>iov’ ntoro '31V, „kebre zurück, Jungfrau Israels, kehre zurück zu diesen deinen Städten!" Ach, es ist so schwer zurückzukehren, eine andere Richtung einzuschlagen als die, welche der Zeitgeist einzuhalten lehrt. Da ist der Hohn, der Spott so groß! Da muß man Phrasen hören, die den Rückkehrenden verstummen lasten und ihm das Thörichte feines Beginnens vor Augen führen sollen. Bald ist es der rollende Wagen der Zeit, der Alles zermalmt, was sich ihm entgegenstellt, bald sind es Redensarten, die das Licht unserer Gotteslehre als Finsterniß, die Gebote unseres Gottes als veraltet darstellen sollen! Wir wollen doch einmak vergleichen, waS Gotteslehre und GotteSgebot uns ehedem geschaffen, und was die moderne, sogenannte Aufklärung uns dafür gebracht hat; dann werden wir erkennen, ob die Aufforderung zur Rückkehr eine berechtigte ist. Gehen wir in Gedanken um einige Jahrzehnte zurück. Wie herrschte doch in Israel die tiefste Gottinnigkeit, eine mächtige Scheu vor der Sünde! Man lebte mit seinem Gotte, hatte Ihn stets vor Augen und fürchtete sich, den liebvollen Vater durch die Sünde zu verletzen. Und jetzt? Ach, wir haben kaum noch eine Vorstellung von der Gottinnigkeit unsrer Väter und Großväter! Allüberall herrscht der furchtbarste Leichtsinn, die schalste Oberflächlichkeit. Man entschuldigt die Sünde, man hat.sich an sie gewöhnt, die Scheu vor ihr ist abhanden gekommen; dagegen ist der Gedanke an Gott zurückgetreten, verblaßt; wir fühlen die Gottesnähe nicht mehr. O, wie viel haben wir da verloren! Schwach ist geworden unser Halt in dieser Welt, gering die Hoffnung für die künftige — wir haben daS ewige H<il für werthlose, vergängliche, im Genüsse schon nicht befriedigende Freuden eingetauscht. Kehre zurück, Jungfrau Israels, kehre zurück zu den Städten, in denen Du einstens gewohnt. Wie reich waren doch unsere Eltern und Großeltern trotz der dumpfen Ghetlvluft', trotz der elenden Wohnungen, trotz äußerer Armuth! Aber sie häuften Schätze an in Erfüllung der Gottesgebote. Da gab es eine m»D bw nnov, eine Freude bei der Ausübung eines Gottesgebotes, von der unser gleichgiltigeS, lässiges Geschlecht kaum eine Ahnung hat. Solche Freude sucht man vergebens auf Bällen', in den köstlichsten Concerten, in den prächtigsten Schauspielhäusern, in den lärmendsten Festen! Nur die rmso, die man gethan hat, das sind Schätze, die Niemand rauben kann, die kein Krieg zu vernichten, kein Feind hinwegzunehmen vermag, die unabhängig sind vom Steigen oder Fallen der Börsenpapiere; das find Schätze, die auch der Aermste sammeln kann, die auch dem Einfältigen zugänglich find. Und unsere Väter haben diese Reichthümer gesammelt für sich, haben die Früchte genosten in dieser Welt und der Stamm ist ihnen bewahrt worden für die künftige Welt. Wir aber sind arm geworden, n»sc3 'jy “in, ein Geschlecht, arm an des Juden wahrhaftestem Besitze. So lastet uns zurückkehren und die Reichthümer unserer Vorfahren wieder erringen! Und wie mit dem Erwähnten, so geht es leider auch noch mit vielem Anderm. Wo ist die in Israel allgemein verbreitete Thorakenntniß geblieben, welche unsere Vorfahren auszeicknete, wo das must rgiltige Familienleben, daS Israels Stolz, Rettung und Erhaltung war, wo das pietätsvolle Verhalten der Kinder gegen die Eltern, wie es einst Sitte gewesen in Israel, wo die jüdische strenge Sittlichkeit, die unsre Männer und Jünglinae auszeichnete? Was ist gegen diese unschätzbaren Güter aller Tand und Flitter und und all das unfruchtbare Wisten der Neuzeit? '3>v nte -py '3iv tonv» ntora O, kehre zurück Jungftau Israels, kehre zurück zu allem Dem, was Du ehemals beseffen! Die Feiertage, die uns Gott gegeben zur Einkehr bei uns selbst, das sind die Denksteine, die Merkmale, an denen wir merken sollen, ob unser Weg der rechte ist; namentlich jener große, furchtbare Tag, der Versöhnungstag. Mögen wir aber auch, wenn wir finden, daß unsere Pfade nicht die rechten, zum Ziele führenden gewesen, zmückkehren auf den rechten Weg, der da hinsührt zu unserm Vater im Himmel!