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Der Israelit · 1870-09-21 · Heft 38 (21.9.1870) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 38 (21.9.1870)
Date
1870-09-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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712 des 17. Jahrhunderts vertrieben, hatte sich, nachdem die uralte Gemeinde schon im 16. Jahrhundert exilirt war, so sehr vermehrt, daß die kleinen Bethäuser unzureichend wurden. Eine eigenthümliche Signatur bildet aber der Befehl, die Synagoge in der Heydenreuter Gasse zu erbauen, denn in dieser Straße wohnte der Scharfrichter (Heydenreuter genannt, im Hause Nr. 8). Ehe noch der Bau vollendet wurde, hatten die Juden eine sehr unangenehme Situation. Sie waren angeklagt, im Gebet Alenu den Stifter der christlichen Religion beständig zu lästern. Eine Untersuchung fand statt, namentlich von Seiten der Theologen, und ein Edict wurde erlassen, welches bei den schärfsten Strafen es verbot, dieses Gebet in den Bethäusern zu beten; oft waren königliche Beamte anwesend, um sich zu überzeugen, ob dem Edict auch Folge geleistet würde. Während nun unter der Regierung Friedrich I. sich die Jehudim einer leidlichen Existenz zu erfreuen hatten, war das Regiment seines Nachfolgers Friedrich Wilhelm I. ein sehr strenges. Er verordnete spitze Mützen und gelbe Abzeichen als Unterscheidung für alle Israeliten; nur durch eine dem Staate gezahlte Summe von 8000 Thlrn. konnte die Verordnung rückgängig gemacht werden. Endlich, im Jahre 1714, fand die Einweihung der Synagoge in Gegenwart des königlichen Hofes statt. Kaum aber waren sieben Jahre verflossen, eS war 1721, so brach eine neue Calamität aus. Auf Befehl des Königs mußten sämmtliche Jehudim sich in der Synagoge, die von Außen mit Wachen umgeben war, versammeln. Der resormirte Prediger Jablonsky bestieg die Stufen, die zur heiligen Lade führten, und sprach im Namen des Königs über alle Juden den Bann aus. Es hatte sich nämlich in der Münzkasse ein Defizit von 100,000 Thlr. herausgestellt, und der absolute König beschuldigte sämmtliche Juden dieser Missethat; nur durch unendliche Geldopfer konnten sie sich aus dieser schrecklichen Lage befreien. Wie entsetzlich die Lage unserer Glaubensgenossen war, beweist die Errichtung eines besonderen Galgens für Juden, an welchem sogar zwei angeblich jüdische Diebe gehängt wurden. Ein Befehl wurde unter Anderm erlassen, daß die Juden alle wilden Schweine, welche der König auf seinen Jagden erlegte, nach einer bestimmten Taxe kaufen mußten, im Weigerungsfälle wurden ihnen die Schweine vor die Thüren gelegt, und sie mußten sie entweder um einen Spottpreis verkaufen oder vei schenken. Unter Friedrich des Großen Regierung halten sich endlich die Jehudim deö ruhigen Besitzes ihrer Synagoge zu erfreuen. Wenn auch von der Ertheilung politischer Rechte noch keine Rede sein durfte, Quälereien fanden nicht mehr statt. Ein historisches Faktum ist es, daß Friedrich II. an einem hohen Feiertage dem jüdischen Gottesdienst mit bedecktem Haupte beiwohnte; bei Gelegenheit des Priestersegens wurde er aufmerksam gemacht, daß, weil die Herrlichkeit Gottes auf den segnenden Priestern ruhe, man dieselben nicht ansehen dürfe, da man leicht auf beiden Augen erblinden könne. Des Königs Antwort lautete, er wolle es jedenfalls mit einem Auge erproben. Nachdem wir nun seit einer langen Reihe von Jahren in den Besitz fast sämmtlicher politischer Rechte gelangt, ist für die ehrwürdige Synagoge eine Zeit der Trauer gekommen; die Versuche des neologen Vorstandes, immer mehr Terrain zu gewinnen, die Predigten des vr. Geiger, die ausschließlich darauf Hinzielen, lassen die Zeit nicht mehr fern sein, wo das alte ehrwürdige Gotteshaus mit dem Tempel in der Oranienburgerstraße concurriren wird, daß dieses Gotteshaus, von unfern Vätern für den rechtgläubigen jüdischen Gottesdienst bestimmt, bald seines jüdischen Charakters entkleidet sein wird. Traurig, ja traurig sind die Aussichten, die sich uns eröffnen, und immer mehr und mehr scheint es, daß die neologen Anschauungen den Sieg erringen werden. ES scheint. Doch gibt es etwas, das über menschliche Einricktungen erhaben ist, das ist Gott; etwas das stärker ist, als neologe Bestrebungen, das ist: der jüdische Glaube. Vermögen die Reformatoren Gott vom Throne zu stoßen? Können sie unfern heiligen Glauben vernichten? Der jüdische Glaube sah die Götter Griechenlands und Roms in Trümmer fallen. Der jüdische Glaube hat über die Inquisition gesiegt. Er wird seinen glänzendsten Triumph über die ernst feiern, die darauf ausgehen, ihn zu zerstören. D^iy5? oip> "on. Aus Wefftpreußen, im Elul. Im Anschluß an den trefflichen Aufsatz des hochwürdigen Rabbiners H. in Berlin in dieser Zeitschrift, Nr. 34 u. 35, die Vornahme der Beschneidung betreffend, dürfte wohl die Veröffentlichung nachstehenden Faktums von Interesse sein, um darzutbun, daß es in den kleinen Städten nicht minder schlimm bestellt ist um diese man, wie es überhaupt mit der Handhabung anderer wichtiger religiöser Vorschriften aus Mangel an Aufsicht erbärmlich aussieht. Im hiesigen Orte berief ein nna seinen außerhalb wohnenden Vater als Pmo, der wirklich religiös und auf talmudischem Gebiete nicht ganz unbewandert ist. Schreiber dieser Zeilen fungirte als pUD und bemerkte nach vollzogenen -pnn, daß derselbe sich bloß auf das äußere Ende der beschränkte und daß ein nachträglicher -pnn nöthig ist, der jedoch unterbleiben mußte, weil das betreffende Kind durch die Uugeübtheit des Operateurs viel gelitten hatte; man beschränkte sich daher, nur darauf zu halten, daß die nyns vorschriftsmäßig geschehe, das Weitere aber abzuwarten.

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