Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1870)
- Date
- 1870-09-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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706 Meckenheim bei Bonn, 4. Sept. Eine seltene BegrLbnißseier fand heute hier Statt, selten nämlich durch die außerordentlich zahlreiche Betheiligung und daö ungewöhnlich hohe Alter des Dahingeschiedenen. Die Feier galt einem allgemein geachteten und sehr beliebten Manne, dem früheren Pferdehändler Beruh. Salm von hier, geboren am 1. Sept. 4768 und gestorben am vorigen Freitage, also in einem Alter von 102 Jahren und 1 Tage. Der Verstorbene ist während der ganzen Dauer seines lOOjährigen Lebens niemals krank gewesen, hat sich bis zum letzten Augenblicke im Vollgenusse seiner Geisteskräfte befunden und ist, ohne krank zu sein, langsam und schmerzlos hinüber geschlummert. Er gehörte dem streng conservativen Iudenthume an und hat wahrscheinlich nächst Gott seiner großen Mäßigkeit und seinem ruhigen Wesen dieses hohe Alter zu verdanken. Durch seinen biederen Character und eine Menge origineller Aussprüche wird er noch lange in hiesiger Stadt und Umgegend fortleben. Vorstehender Notiz der Kölner Zeitung füge ich noch hinzu, daß am Sarge dieses anpn cn« ein Knabe von 10—12Jahren seinen und seinerAltersgenosfenDank gegen den Dahingeschiedenen bekundete, dafür, daß er sie in den letzten Jahren — da es in Meckenheim an einem Lehrer fehlte — unentgeltlich in den Anfangsgründen der jüdischen Sprache und in den Lehren unserer hl. Religion unterwiesen. An seinem Grabe sprach der Unterzeichnete, ein Enkel des Verstorbenen. Er schilderte in kurzen Worten seinen bewegten LebenSgang, seine Festigkeit, seine Treue und Anhänglichkeit an unsere heilige Religion, diese Tugenden unserm schwachen, schwankenden, neuerungssüchtigen Geschlecht als Muster zur Nachahmung vorhaltend. In seinen jüngeren Jahren, als der Verstorbene (selbst kein reich bemittelter Familienvater) noch seine ganze Kraft seinem Geschäfte widmete, widmen mußte, war es seine Lieblingsaufgabe arme Kinder auf seine eigne Kosten unterrichten zu lassen. In seinen letzten Jahren unterzog er sich selbst nur niso de6 mit siauncnswerther Geduld, der für ihn gewiß unendlich schwierigen Aufgabe, Kinder einzuführen nampn umina. So blieb er sich in seinem ganzen Leben gleich, nur daß feine Frömmigkeit mit den Jahren zunahm, und nur einmal hat er es unterlassen zu legen, nämlich an seinem Sterbetage. — An ihm bewährte sich der Ausspruch unserer Weisen: D'Duri n^n nmx mon •jn'pd *)# denn nicht durch das Schwert, nicht durch schmerzlichen Todeskampf, sondern getragen vom Kusse Gottes entschwand feine Seele zu besseren Regionen mit dem in« des ihn umgebenden po mit dem letzten im aus seinem eigenen Munde Neuß, 11. Sept. 1870. A. Berger, Lehrer. Schweiz. Neuenburg. Die hiesige „Liberale Union" bringt einen Nekrolog des vor Kurzem in einem Alter von 70 Jahren verstorbenen protestantischen Geistlichen und früheren Professor der Literatur, Herrn A. F. Petavel. Derselbe war ein großer Freund der Juden. Groß war sein Lob, das er den Söhnen Abrahams, den Erben der Verheißung, zu Theil werden ließ. In vielen seiner Schriften trat er als Vertheidiger der Juden auf. Seine „Tochter Zions", sein „Brief an die Synagogen Frankreichs" haben große Aufmerksamkeit erregt. Es war ein treuer Anhänger der „All. Jsr." (Jew. Ehr.) E n tz l a n d. Birmingham. Der Sohn des auch in diesen Blättern durch seine große Wohlthätigkeit bekannten Herrn Simeon Greenberg wurde jüngst mso “O. AUS Anlaß dieses freudigen Ereignisses ließ Herr G. eine neue min neD schreiben, die er der hiesigen Synagoge schenkte. Den folgenden Montag bewirthete er sammtliche Kinder der jüd. Schule, 250 an der Zahl, mit einem glänzenden Mahle. Daß die Armen von Herrn Greenberg an diesem Tage nicht vergessen wurden, läßt sich leicht denken. (Jew. Rec.) Amerika. New-Uork. Die amerikanischen Blätter sind immer noch voll von dem schrecklichen Morde, der an Herrn Benjamin Nathan begangen wurde. Einige Blätter haben die Vermuthung ausgesprochen, daß sein eigner Sohn ihn umgebracht habe; allein nach genauer Untersuchung von Seiten des Gerichts hat sich dieser Verdacht als grundlos herausgestellt; man hatte des Morgens die Thüre des Hauses offen gefunden und ist demnach der Mörder von außen gekommen. Der Sohn will nun die Zeitungen, die ihn verdächtigt haben, verklagen. Von der Wittwe sind jetzt 47,000 Dollar, von der Börse 10,000 D. und vom Mayor der Stadt 30C0 D. für den Entdecker des Mörders ausgesetzt.