Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1870)
- Date
- 1870-09-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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705 wo auch die letzten Schatten der Intoleranz dahinschwinden. Im Jahre 1864 wurde Di. Jacoby in Elbing zum Vorstands-Mitglied einer höheren Töchter- Schule ernannt; die Staatsregierung hatte aber dieser Ernennung die Bestätigung versagt, weil der Di. Jacoby dem jüdischen Bekenntniß angehöre. Nachdem nun diese Angelegenheit wiederholentlich vor das Abgeordneten-Haus gebracht worden, hat die Regierung die diessallsige Verfügung zurückgenommen, und sich der Ausführung des Magistrats, daß derartiger Bürgerämter einer Bestätigung der Aufsichtsbehörde gar nicht bedürfen, einfach angeschlossen. Jetzt nun ist sogar erwähnter Jacoby zum Mitglied der städtischen Schul-Deputation gewählt worden. Den Bekennern des Judenthums bieten sich zahlreiche Gelegenheiten dar, ihren Patriotismus in der glänzendsten Weise zu bethätigen. Eine große Anzahl Jehudim hat schon mit ihrem Blut den französischen Boden gefärbt, unzählige Summen sind gespendet, um die Wunden, die der furchtbare Krieg geschlagen, zu mildern und es gibt kein Werk der edelsten Barmherzigkeit, dem sie nicht mit voller Seele sich hingeben. So erfahren wir aus authentischer Quelle auch folgendes. Die Ueberfülle der Lazarethe, die ungemeine große Zahl der Verwundeten, lassen die Sanitäts- Maßregeln und in Dispositton genommene Sanitäts- Kräfte selbstverständlich auf allen Linien als unzureichend erscheinen. Während schon beim Beginn des Feldzuges die Professoren Langenbeck und Bardeleben, ebenso die Geheimräthe WilmS und Börger auf den Kriegsschauplätze sich befanden, und Professor Rose, Director der hiesigen Baracken-Lazarethe geworden, hat sich auch der berühmte Professor Di. Lewin (ein Jude) der Petrus der subkutaneen Injektion (wie er in der medizinischen Welt genannt wird) erboten, sich, mit Hintenansetzung einer glänzenden Praxis, wenn es sein müßte, als gewöhnlicher Sanitäts-Gehilfe dem Kriegsheere anzuschließen. Das Anerbieten wurde angenommen, und in den nächsten Tagen wird nun Professor Lewin seine Reise in das Lager der Schwerverwundeten antreten. Unser rühmlichst bekannter Glaubengenosse, der ZollparlamentS-Abgeordnete Ludwig Bamberger scheint noch zu einer großen Stellung ausersehen zu sein, er befindet sich augenblicklich im Hauptquartier. Während Graf Bismark nämlich sich in Mainz befand, machte er Bamberger den Vorschlag, sich dem Hauptquartier anzuschließen; derselbe stellte sich der großen Sache sofort zur Verfügung. In Mainz ist es bemerkt worden, daß der norddeutsche Bundeskanzler den Zollparlaments-Abgeordneten, in seinem Wagen, zur Eisenbahn abholte, und daß Beide ein und dasselbe Coupe theilten. Bei der Gestaltung, welche die Dinge in Paris angenommen haven, müssen die Aufschlüsse, die Bamberger geben kann, eben so seine schriftstellerische Thätigkeit, im Mittelpunkt der Welt, Begebenhetten, von ungemeinem Interesse sein. Ein Bericht über die Organisation des Elsaß und über Lothringen wird ihm zugeschrieben. Unterdeffen hatte er sich auf Wunsch des Bundeskanzlers mit dem Grafen Renard von Pont; ä Mousson nach Nancy begeben, um dem General-Gouverneur bei Organisation der Provinz Lothringen mit Rath und That zur Hand zu gehen und kaum war diese schwierige Aufgabe gelöst, so wartete seiner diese mühevolle Organisation bei dem General-Gouverneur des Elsaß, dem Grafen von Bismark-Bohlen. Was wird zu diesen hohen Ehren, zu welcher ein Jude berufen worden, die Kreuzzeitung und das märkische Kirchenblatt von dem bekannten geistlichen Rath Müller, herauSgrgebm, sagen? Der Rabbiner der Adas JiSroel Gemeinde Hr. Pr. Hildesheimer nimmt auch in socialer Beziehung, ein hochgeschätzte Stellung ein. Auf Grund 'eines in jüngster Zeit gehaltenen Vortrages, hat derselbe ein HilfS-Comite für verwundete israelitische Soldaten gestiftet, um solchen, die es wünschen, geistlichen Trost und Zuspruch, so wie rituell bereitete Speisen zukommen zu lassen. Der König Wilhelms-Verein, hat auf Grund einer Eingabe, seitens des Herrn Rabbiner, ansehnliche Mittel zur Disposition gestellt. DaS HilfS- Comitö erfreut sich bedeutender Theilnahme und sein Gründer ist in der unermüdlichsten Weise beschäftigt, den Verwundeten Trost zu bringen, und ihnen die Gelegenheit zu geben, den Anforderungen des jüdischen Religions-GesetzeS Rechnung zu tragen. In einer der letzten Bezirksversammlungen hiett unter großem Beifall der zahlreichen Anwesenden Hr. Dr. Hildesheimer eine Rede, in welcher er der Versammlung den Vorschlag machte, daß er sich der Verpflichtung unterziehe, in seinem Bezirke sämmtliche Pfänder der Landwehrfrauen, deren Männer zu den Fahnen einberufen wären, für seine Rechnung einzulösen, und daß er die Anwesenden zur Nacheiferung für die anderen Bezirke aufforderte. Außerdem ist auch der Herr Rabbiner Vorstands-Mitglied des Vereins gegen Armuth und Bettelei geworden. In der rastlosesten Thätigkeit veranstaltet Genannter soeben eine «Sammlung für die innere Ausschmückung der Adaß Jisroel-Synagoge, deren Einweihung wohl sehr bald erfolgen dürfte. Das Ergebniß ist bis jetzt ein sehr erfreuliches, es sind über 900Thlr. bis diesen Augenblick erzielt. Berlin kann stolz sein, in seinen Mauern einen Mann wie Hr. Di. Hildesheimer zu besitzen, der in so großartiger Weife sich allen Werken der Humanität mit vollster Seele hingibt; möge unter Gottes gnädigem Beistand, die Zeit nicht mehr fern sein, wo auch die außerhalb der Adaß - Jisroel - Gemeinde Stehenden, dieser so edelen Wirksamkeit ihre Huldigung darbringen. X