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Der Israelit · 1870-09-21 · Heft 38 (21.9.1870) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 38 (21.9.1870)
Date
1870-09-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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704 blutigen Schlachten vonWeißenburg und Wörth, von Beaumont und Sedan und während aller Strapatzen dieses furchtbaren Krieges, als daß ich mich bemühe, Seine heiligen Gebote nicht außer Acht zu lassen und selbst in dieser furchtbaren Zeit mich mit Seiner Lehre zu beschäftigen. Wir sind jetzt wieder im Vormarsche auf Paris begriffen. Wie würde ich Gott danken, wenn wir die herannahenden D'toun WO' in Paris unter Glaubensgenosien zubringen dürften. Zn Elsaß und Lothringen war ich häufig bei Glaubensgenossen im Ouartier; aber hier im Innern Frankreichs wohnen weit und breit keine Juden. Möge der allgütige Gott uns bald gesund wieder nach Hause führen. Ihr ergebener .l. VIII. Malroi (Bivouac vor Metz), 7. Septbr. Aus dem Vergnügungszuge nach Paris, den ich am Schluffe meines jüngsten Schreibens in Aussicht stellte, scheint nichts werden zu wollen. Wir müssen ihn den anderen Heeren überlaffen. Wir liegen noch immer vor Metz. Unsere Compagnie hat sich in einem großen, mit einer Mauer umgebenen Garten eingerichtet. Da haben wir Hütten gebaut, ganz koschere Suckauß, und wenn wir das Laubhüttenfest noch hier feilt, sollten, so hätten wir Gelegenheit, es hier -ivjnD zu feiern. Vorige Nacht regnete es derart durch unser Laubdach, daß man hätte hier schwimmen können. Alle drei Tage komme ich auf Feldwache als Vorposten, den Franzosen dicht gegenüber, ich als Führer, zwei Mann als Begleitung. In voriger Woche wären wir beinahe gefangen worden. Gestern kam ein französischer Deserteur aus der Festung zu uns herüber; wir gaben ihm zu essen. Hatte der arme Mensch einen Hunger! Nur Brod und Wein gibt es noch in Metz; Fleisch, Gemüse, Reis rc. hat seit lange aufgehört, dort zu cxistiren. Ich mußte mit Schmerz an unsere armen Glaubensgenossen in Metz denken, die dort so zahlreich wohnen. Was werden die armen Menschen dort aushalten müffen! Am 4. d. M. hatten wir BataillonS-Appell vor General Manteuffel; er sagte ungefähr Folgendes; „Kinder, Ihr habt in der zweitägigen, heißen Schlacht bei Noiseville brav und tapfer gekämpft. Ihr habt die Franzosen, die auf Eurer Seite sich einen Ausgang verschaffen wollten, gehörig zurückgeschlagen Viele Eurer Brüder sind dahingegangen; sie sind für das Wohl des theuren, deutschen Vaterlandes gestorben. — Nur General Bazaine leistet uns hier in Metz noch Widerstand. Aber, so Gott will, werden wir auch hier das Feld behaupten." Laute Hurrah-Rufe begrüßten den General. Nun gehen wir bald den cp*aun o>D’ entgegen. Zwei Stunden von hier ist ein Städtchen, in welchem sich eine Synagoge befindet. Ich werde darauf antragen, daß es uns erlaubt werde, uns dahin zu begeben , um die heiligen Feiertage dort in Andacht zu verleben. Zn liebevoller Hochachtung Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 14. September. Statt des „Magiar Zsido", welcher eingeht, erscheint vom 8. September dieses Jahres an eine neue Zeitschrift unter dem Titel: „DaS traditionelle Judenthum, Organ der autonomen jüd.-orthodoxen Religionsgenossenschaft Ungarns und Siebenbürgens." Wir begrüßen diese Zeitschrift mit Freuden und wünschen, daß dieselbe recht viel zur Hebung und Consowirung des traditionellen Judenthums in Ungarn und Siebenbürgen beitragen möge. WormS. Unter den verschiedenen Anstalten, welche in hiesiger Stadt zur Verpflegung der kranken und verwundeten Soldaten errichtet wurden, nimmt die des Herrn Ludwig Melas, Lederfabrikanten dahier , welche derselbe auf eigene Kosten in seinem Fabrikgebäude Herrichten ließ, einen hervorragenden Platz ein. Die Einrichtungen und Vorkehrungen daselbst sind nach reiflicher Erwägung der Verhältnisse so praktisch und so gediegen, daß sie sich der allgemeine» Anerkennung erfreuen. Es sind bereits 30— 4o Kranke und Verwundete in Verpflegung, und ist Gottlob noch nicht einer daselbst gestorben. Ueberhaupt, wer die Tagesblätter heute liest und die in denselben fast täglich registrirten Manifestationen überschaut, dem kann es nicht entgehen, daß die Namen unserer Glaubensgenossen überall unter den Ersten glänzen. Die Spendenlisten, wo die Juden meist obenan stehen, sind sprechende Zeugen: daß die Juden dort, wo es sich um das Wohl des Vaterlandes handelt, stets unter den Ersten zu treffen sind. M. M. Berlin, 5. Sept. Mit großer Freude müssen wir die Thatsache anerkennen, daß immer mehr und mehr sich die religiöse Gleichberechtigung in Preußen | Bahn bricht und die Zeit nicht mehr fern sein dürfte,

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