Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1870)
- Date
- 1870-09-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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692 erforderlichen Kosten auf sämmtliche Gemeinden, die in der sconstituirenden Versammlung svertreten waren, zu repartiren im Verhältnisse von 6, 10, 15, 25, 50 ft., die in Vierteljahr!. Raten einzusenden sind. II. Die Wiederaufnahme der regelmäßigen Sitzungen zur Beendigung des Organisationswerkes wird nach -erfolgter staatlicher Anerkennung der Constituirung der autonomen jüd. - orth. Religionsgenossenschaft — nöthigenfalls auch früher — durch Einberufung der Vertrauensmänner von Seiten des Präsidiums bewerkstelligt. Zeitungsnachrichten und Gorrefpoudenzen. Deutschland. Jchenhaufen - 5. Sept. Die obschwebenden Kriegsereignisse haben momentan viele junge Leute unseres Glaubens unter die Fahne gerufen. In unserer Nachbarfestung Ulm, württembergischer Seite, und Neu-Ulm, bayrischer Seite, sind sehr viele Glaubensgenossen unter den Waffen. Ein großer Theil von ihnen sehnt sich darnach, Koscherkost zü effen und würde gerne den Dienst am Sabbat mit dem eines andern Tags der Woche vertauschen. Herr Sternberger in Ulm, in diesen Blättern seiner strengen Religiösität und seiner in dieser Richtung opferfähigen Thätigkeit halber schon öfters rühmlichst erwähnt, hat deshalb jüngst Herrn Rabbiner Dr. Löb dahier zu einer Besprechung eingeladen, um zu überlegen, wie es erstens möglich zu machen wäre, den jüd. Soldaten billige Koscherkost zu verschaffen und dieselben am Sabbat und an Festtagen vom Dienste zu befreien. Herr Dr. Lob leistete bereitwillig dieser Einladung Folge, verfügte sich zu dem bayr. Herrn Generallieutenant v. Dietl und auch zum Württemberg. Generallieutenant Herrn v. Högelmayer und beide hohe Herren erklärten in humanster Bereitwilligkeit , daß sie gegen die separate Verköstigung israel. Soldaten nichts einzuwenden hätten, daß sie auch der Entlassung von Dienstverrichtungen am Sabbat und an Feiertagen kein Hinderniß in den Weg stellen wollten, insolange dadurch der allgemeine Garnisons¬ und Felddienst nicht beeinträchtigt werde. Auf diese humane Zusage hin bildete sich am selben Tage noch ein kl.iner Verein, dessen Mitglieder sich bereitwilligst zu periodischen Beiträgen verpflichteten. Man nahm Rücksprache mit dem jüd. Restaurateur, Herrn Lammfromm in Ulm, und kam mit dem-! selben dahin überein, daß er jedem jüd. Soldaten, der seine Restauration in Anspruch nehmen wolle, eine volle Mahlzeit für 21 kr. abzuliesern habe. Der Soldat hat dafür blos 15 kr. zu entrichten, weitere 6 kr. aber habe der Verein zu ergänzen. Nun tritt an uns resp. an jeden Israeliten die Pflicht heran, sich solchem Vereine anzuschließen. Die Soldaten im Felde und in Garnison sind meistens arm. Es muß ihnen unter die Arme gegriffen werden, es muß und soll ihnen die Möglichkeit geboten werden, ihrer Religion treu zu bleiben twiis” io nta m nony; ja, wir glauben nicht nur unsere Glaubensgenossen in Bayern, sondern auch unsere uns religiös verbrüderten Bewohner aller Länder Deutschlands zur Bildung ähnlicher Vereine auffordern zu sollen. Wir dürfen hoffen, daß die im letzten Decennium bei allen Deutschen Regierungen eingetretene Humanität der Wirksamkeit solcher Vereine kein Hinderniß in den Weg legen, ja daß auf dieobezügl. Vorstellungen jeder Landesregent auch darauf eingehen Lerde, jüd. Soldaten nur an solche Garnisonsplätze zu legen, an welchen sie nicht zur Religionsübertretung gezwungen sind. Wir fügen schließlich nur noch den Wunsch bei: Möge das noch im Werden stehende gute Werk sich recht zahlreicher Betheiligung zu erfreuen haben; mögen Väter und Mütter bedenken, daß sie damit nicht nur ihre bereits im Dienste stehenden oder in wenigen Jahren dazu berufenen Söhne vor religiösem Indifferentiömus, ja vor massenhaften Sünden bewahren, sondern auch für das gesammte Israel ein unberechenbares großes gutes Werk stiften; mögen aber auch Jene, deren Söhne oder Familienglieder bereits das Alter der persönlichen Dertheidigung des Vaterlandes überschritten haben, ihre Beitrittöverpflichtung einsehen npisn nvyo 'vm, der Herr wird Alle dafür belohnen und uns dafür dauernden Frieden schenken. (Da nach hoffentlich baldigst zu erfolgendem Friedensschlüsse wahrscheinlich ein deutscher Bundesstaat geschaffen wird, so müssen bei diesem gemeinsame Schritte geschehen, um die Verhältnisse der Soldaten israelitischer Religion zu regeln. Wir werden s. G. w. darauf zurückkommen. Red.) Berlin, 30. August. Am 1. September 1870 wird es ein Jahr, daß die AdasIisroel-GeiM'inde gestiftet worden, ein Jahr, daß der von derselben gewählte geistliche Leiter, Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer, in die nordische Metropole einzog, und in diesem einem Jahre — eine so kurze Spanne Zeit — ist durch den genannten Rabbiner so Vieles geschaffen, zur Wiedererweckung und Stärkung des religiösen Lebens, welches fast ganz durch die neologen Bestrebungen der letzen Jahre paralysirt war, daß wir zu den schönsten Hoffnungen berechtigt, mit froher Ziwerstcht,