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Der Israelit · 1870-09-14 · Heft 37 (14.9.1870) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 37 (14.9.1870)
Date
1870-09-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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693 unter dem Beistände des Hüters Israels der Zukunft und der ferneren Entwickelung der Adas Jisroel-Gemeinde entgegensehen dürfen. — Wie traurig sah es in den letzteren Jahren bei uns aus! Berlin, einst eine so fromme Gemeinde, sah nur eine kleine Anzahl in seinen Ringmauern, denen unsere heiligen Satzungen ein Lebensinhalt war; der Nachen, der sie trug, war nahe daran, von den Sturmeswellen des Unglaubens in den tiefsten Abgrund geschleudert zu werden Nach menschlicher Berechnung mußte man sich diesen trüben Gedanken hingeben. Der barmherzige Gott hat es aber anders gewollt. Jetzt, wo wir mit einer gewissen Befriedigung, aber auch in aller Demuth zurückblicken können, da wir uns in einem sicheren Hasen befinden, können wir ohne alle Selbstüberhebung unö einer Erinnerung hingeben für das, was wir durchkämpft, für das, was wir errungen haben. Es würde niemals so weit gekommen sein, und die Gewissensfreiheit, dieses so heilige Gut für Jedermann, würde von Seiten des Vorstandes der jüdischen Gemeinde nie so mit Füßen getreten worden sein, wenn nicht eben in dem Synagogengesetz vom 23. Juli 1847 diejenigen Momente enthalten waren, welche die so überaus trarigen Zustände für die Gesetzestreuen herbeiführten. Das Gesetz war einst in der weisesten Absicht erlassen; eö gab nur ein rechtgläubiges Judenthum, und für dieses war dasielbe eine genügende Schutzwehr; nachdem aber die reformistische Secte gebildet worden, war dasselbe Gesetz, eine gegen unsere heiligsten Interessen gezückte Waffen. In einem Paragraphen desselben war es ganz klar ausgesprochen, daß Vorstand und Repräsentanten nach Anhörung des Raths eines Rabbinen, über den Cultus zu bestimmen hätten. Nun, was es damit für eine Bewandniß hat, ist Jedem wohl klar; welcher Mißbrauch mit dem Titel Rabbiner leider getrieben wird, man erlasse uns die Erörterung. Die Autorität wurde depossedirt die Majoritäts-Beschlüsse halten nun die Krafh, eine jede Reform in die Synagoge hineinzutragen, tabula raoa mit Allem zu machen, was den Rechtgläubigen heilig und theuer. Die neue Synagoge, ebenso die alte ehrwürdige Synagoge wissen genug davon zu erzählen, die Steine legenZeugniß ab, von denMaßregelungen von Seiten der fanatischen Aufklärer, von den Gewaltstreichen gegen unsere heilige Religion,, von dem unsüdischen Gottesdienste der in dem Prachtgebäude der neuen Synagoge abgehalten wird. Die Stätte, wo ein Dr. Sachs sel. Angedenkens mit begeisternden Worten für die Wahrheit unserer heiligen Thora einstand, wo das Wort Gottes rein und lauter verkündet worden, wo Tausende und aber Tausende Erbauung und Trost in den trübsten Lebensverhältnissen fanden, diese Stätte ist profanirt durch einen Mann, der als Ultra-Reformer bekannt, die heilige Schrift nicht als das geoffenbarte Wort Gottes anerkannt, der seinen Vernichtungskrieg begonnen und fortgesetzt hat gegen allen positiven Glauben. Die Gesetzestreuen vertrieben aus zweien großen Synagogen, mußten zu Winkel-Synagogen ihre Zuflucht nehmen, die Petitionen an den Vorstand Vorstand zur Wahrung der Interessen der Rechtgläubigen wurden in den Acten Korb geworfen, die religiösen Institutionen, waren seit dem Ableben des sel. Hr. Rosen stein, als der gesetzlichen Aufsicht und Controlle entbehrend zu betrachten. — Die Heerde befand sich ohne Hirten. — Der religiöse Nothstand hatte seinen Höhepunkt erreicht. — Bekennen wir es offen, den Gesetzestreuen fehlte der Muth; alles war einem sogenannten passiven Wiederstande hingegeben, man hörte wohl oft sehr schöne Reden, in welchen man sich Lust zu machen suchte, von einer schönen Thal aber hatten wir leider nichts vernommen. — Da endlich ermannten sich die Gesetzestreuen, und dem energischen Vergehen eines jungen Mannes, begeistert für die heilige Sache, voll von Opferfreudigkeiten, gelang es dem schwachvollen Zustande em Ende zu machen, und dem Faustrecht, welches die Reform in Anwendung gebracht, ein „bis hierher und nicht weiter zuzurufen." — Das schöne Wort der Pirke- Aboth: einem Orte, dem es an Männern fehlt, bestrebe Du Dich als Mann vorzustehen," fand seine glänzendste Erfüllung. — So wurde die religiöse Bewegung mit Manneskrast geleitet zu einem schönen Abschluß hingeführt. — Und so können wir denn nicht genug unsere Freude kundgeben, daß sich eine Gemeinde Adaß Jisroel gebildet, daß ein Mann, wie der vr. Hildesheimer der Unsrige geworden ist. — Wünschen wir uus, aber vor allem auch Denen Glück, die es mit Energie ermöglicht, dieses schöne Werk zu schaffen. — Möge in späteren Zeiten einer anderen Feder es Vorbehalten sein, die religiöse Bewegung des vergangenen Jahres ausführlicher zu schildern. — Uns genügt es einstweilen, daß unser Beispiel Nacheiferung gefunden, uns gereicht es zur Genugthung, wenn wir des 1. Sept. 1869 gedenken, denn von diesem Tage datirt sich die Geschichte der Adaß Jisroel. — Unsere Errungenschaften bilden nun eine Synagoge, die nicht Partei-Synagoge, sondern ein Sammelpunkt für alle Orthodoxen ist, eine Religionsschule aus fast 159 Knaben und Mädchen bestehend, eine Jeschibah von 30 jungen Leuten, deren größerer Theil Hörer akademischer Vorlesungen, die gewissenhafteste Beaufsichtigung der Schechitah und der Mazzaus-Bereitung, ein Verein für arme Kinder der Religionsschule der Adaß Jisroel, und ein Verein für palästinensische Angelegenheiten. — Mit den innigsten Dankgefühlen nun seh n wir der Zukunft entgegen. — Möge die Gemeinde sich in der Zahl ihrer Bekenner vermehren-, aber auch ein leuchtendes Vorbild für andere Gemeinden werden. — KeineswegeS

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