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Der Israelit · 1870-09-14 · Heft 37 (14.9.1870) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 37 (14.9.1870)
Date
1870-09-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Der König hat dem Viceconsul von Tunis, Herrn Josua E. Levy, einen Orden verliehen. (Univ. Jsr.) England- London. Es ist die Rede davon, eine israel. Bibelgesellschaft zu bilden, die eine neue englische Uebersetzung der Bibel veranstalten werde, um die im christlichen Sinne übersetzten Bibeln aus den Häusern der Israeliten zu verdrängen. (Univ. Jsr.) Amerika. New-Bork. Die Missionszeitung „Zions Herald" glaubt, das Judenthum ginge seinem Untergänge entgegen, weil einige seiner Rabbinen in Amerika sich über einige Ceremsnien hinaussetzen und dies Verfahren auch ihren Gemeinden aufdrängen wollen. Wenn ein Schiff in Gefahr ist, schreibt der Herald, so wirft es seine ganze Ladung über Bord und zwar beginnt es mit den geringsten Werthen und endigt mit dem Ertrinken seiner Passagiere. Aber, fügt der „Jew. Mess." hinzu, das Judenthum geht nicht unter, wenn auch einige seiner Angehörigen ausarten, und jedenfalls folgt es nicht dem Rufe eines Kapitäns Wie des „Herald", in die offene See zu fahren und so den Schutz der gutbemannten Schiffe in Anspruch zu nehmen. Feuilleton. Säe« und Ernten. XIII. Auf der Flucht. Zwei Wanderer gingen langsamen Schrittes die staubige Chauffse entlang, ein Jüngling von 20 und ein Knabe von 12 Jahren. „Sei gutes Muthes," sagte Rabbi Auser zu seinem Begleiter, dessen Augen vom Weinen geröthet waren, „Gott, der Allmächtige, um dessentwillen Du so große Opfer gebracht, wird Dich behüten und beschützen. Vor allen Dingen, weine nicht. Wir werden sicherlich verfolgt werden. Da gilt es, möglichst unbefangen zu sein." „„Ich werde nicht mehr weinen,"" antwortete Moritz, „„ich werde fröhlich sein."" Es war ein wundervoller Morgen. Jubelnd erhob sich die Lerche, und die Strahlen der in majestätischer Pracht aufgehenden Sonn' vergoldeten das ganze Gefilde, während die Thautropfen an den Bäumen und Pflanzen wie Diamanten glänzten. „Siehe," sagte Rabbi Auser, „was Dir Gott beschieden hat! Wie wundervoll ist dieser Morgen, wie herrlich geht dort im Osten die Sonne auf! Jetzt lägest Du in Deinem Bette und schliefest und schautest all diese Herrlichkeit nicht. Gelobt sei Gott, der bereitet und gemacht die Strahlen der Sonne!" Rabbr Auser hatte die wenigen Monate, die er in B. verlebt hatte, gut benutzt; er hatte den polnischen Dialect fast ganz abgelegt und hatte gelernt, sich in reindeutscher Sprache recht hübsch auszudrücken. Allmählich gelang es Moritz, seiner Betrübniß Herr zu werden. Gegen elf Uhr machten die beiden Wanderer Rast in einem Dorfe; sie ließen sich in dem Dorf-WirthShause Brod und Bier geben; das war ihr MittagSbrod. Als sie gegessen und getrunken hatten, streckten ste sich auf die hölzerne Bank und schliefen, um die Hitze des Tages in Ruhe zu verbringen und die Kühle des Nachmittags zur Weiterwanderung zu benützen. Unsanft wurden sie aus ihrem Schlummer geweckt. Zwei Gensdarmen, die ihre schweißdampfenden Pferde vor der Thüre des WirthshauseS angebunden hatten, verlangten ihre Pässe zu sehen. Die Pässe waren in Ordnung. »Habt Ihr," fragte der eine GenSdarm, „keinen reichgekleideten Knaben gesehen, ungefähr von Alter und Statur dieses Jungen da?" „„Nein,"" sagte Rabbi Auser, „„wir haben keinen solchen gesehen. Aber warum fragen Sie, was ist'S mit dem Knaben?"" „Dem reichen Banquier von Wolfseck ist sein Sohn entlaufen. Wir sind ausgeschickt, ihn zn suchen." „O," sagte Moritz, „der wird wohl nicht zu Fuße gehen, der wird mit der Eisenbahn fahren." „„Wenn er mit der Eisenbahn gefahren ist,"" entgegnete der Gensdarm, „„dann wird er bald eingeholt sein. Nach allen Richtungen hin wird ihm nachgesetzt; an allen Eisenbahnen sind die Beamten benachrichtigt." " „Wenn ich," bemerkte Moritz, „eines reichen Mannes Sohn wäre, so würde ich mich hüten, auf und davon zu gehen." „„Da hast Du Recht, Kleiner," sagte der Gensdarm, trank das Schnapsglas aus, das er sich hatte füllen lassen, und er und sein Begleiter bestiegen ihre Pferde, um davon zu sprengen und ihre Verfolgung fortzusetzen.

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