Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1870)
- Date
- 1870-09-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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€86 des Jugendunterrichtes und die Förderung von -nvdn m‘n gilt. —f. Posen, 13. August. Es erregt in unserer Stadt mit Recht großes Aufsehen, daß der Direktor eines hiesigen königl. Lehr - Instituts die Aufnahme eines Zöglings aus confessionellen Rücksichten verweigert hat. Die „Juden", denen bekanntlich die Verfassung nichts in den Weg legt, sind nach der privaten Ansicht des Herrn Direktors in diesem höheren Lehr - Institut nur „Hospitanten", für die eigentlich „kein Platz" frei ist. Obwohl der betreffende Zögling bereits ausgenommen war, wurde er doch, weil die Anstalt angeblich zu „überfüllt" war, wieder entfernt. Wir sind in der That höchst neugierig, ob die höheren Instanzen geneigt sein werden, in dieser Frage ebenfalls einen so überkonfessionellen Standpunkt einzunehmen. Nicht nur die jetzige Zeit, in welcher auf dem Schlachtfelds zwischen jüdischem und christlichem Blut kein Unterschied gemacht wird, sondern überhaupt unser Jahrhundert scheint uns denn doch für Anregung solcher Streitfragen ebenso unglücklich als verspätet gewählt zu sein. (Oftd. Ztg.) Österreichisch Ungarische Monarchie. Tarnow, 26. August. Den von unseren Behörden aus großer Umsicht getroffenen Vorsichtsmaßregeln ist es gelungen, unserer Stadt ihr gewohntes friedliches und ruhiges Ansehen zu verleihen undist, Dank dem sofortigen energischen Einschreiten bei den letzten Judenexzessen eine Wiederholung der Ausschreitungennicht zu befürchten. Ich muß dem Lobe, auf welches sichdie politischen Behörden bei den jüngsten Ausschreitungen durch ihr ebenso entschiedenes als humanes Auftreten den vollsten Anspruch erwarben, heute noch hinzufügen, daß auch noch die hiebei in Anspruch genommene Militärassistenz ihrer besonnenen, ruhigen Haltung wegen die rückhaltloseste Anerkennung von Seiten der ruhigen Bürgerschaft fand. Den Bemühungen des Militärs speziell war es zu danken, daß die Exzesse, welche durch die außerordentliche Erbitterung der streitenden Parteien Ünen blutigen Charakter angenommen hatten, relativ ruhig verliefen, indem sich die Militärmannschaft mit Gefahr ihrer eigenen Person zwischen die Exzedenten drängte und sie zu trennen suchte, was ihr schließlich auch gelang. Die Nachrichten über massenhafte Verwundungen u. s. w., die natürlich sofort auftauchten, sind höchst übertrieben, wiewohl die Exzedenten bereits handgemein geworden waren und mit großer Wuth auf einander losschlugeu, als das Einschreiten des Militärs der Prügelei ein Ende machte. Nichtsdestoweniger ist ein Menschenleben zu beklagen, ein Israelit, der an den bei der Schlägerei erhaltenen Wunden starb. Gegenwärtig werden die zugefügten Schäden erhoben und dem hiesigen Kreisgerichte angezeigt, welches die strafgerichtliche Untersuchung leitet. Auf die Nachricht hin, daß in den benachbarten Ortschaften, speziell im Doßse Krzyze sich Effecten befinden, welche aus der Plünderung des Tarnower Wochenmarktes durch die Exzedenten stammen, ließ der Bezirkshauptmann durch die Gensdarmen eine Nachsuchung pflegen, wobei faktisch mehrere Stücke Leinwand und andere Effekten gefunden wurden. Selbstverständlich wurde sofort hievon die Anzeige erstattet. Holland. Amsterdam. In Holland ist schon von langer Zeit her den Israeliten der Eintritt in den Ofsicierstand erschlossen; nicht wenige Juden nehmen höhere Posten ein. So wurde erst jüngst Herr A. Mendes da Costa zum Kapitän ernannt. (N. I. W.) Frankreich. Paris. Ein trauriges Zeichen der Zeit ist es, daß man immer noch die Israeliten im Allgemeinen verantwortlich macht für das Vergehen einzelner Personen. Ein Israelit aus Metz, Namens Meyer, ist der Spionage angeklagt und alsobald spricht man Drohungen gegen alle unsere Glaubensgenossen aus. In unierm Jahrhundert sollte das nicht mehr Vorkommen. Glücklicherweise theilen die Aufgeklärten diese Vorurtheile durchaus nicht. So schreibt auch einer der Redacteure der ^Indexendant de la Moselle“: „Ich protestire gegen den zu meinem Leidwesen vernommenen Ruf, welcher nicht vom Militär, sondern vom Munde vieler Einwohner der Stadt gehört wird: Preußen oder Juden ist einerlei. Erwecken wir doch nicht die wilden Leidenschaften der Zeit der Unterdrückung und Unwissenheit. Der Unterricht beruhigt oder versucht zu beruhigen diesen Herold der blutigen Kämpfe; die Unwissenheit, der Fanatismus allein schüren ihn und werden ihn schüren. Es sind genug der Thränen im Jahre 1870 für Frankreich und die Humanität." Solche Worte verdienen in allen jüd. Blättern veröffentlicht zu werden. (Arch. Jsr.) Portugal. Lissabon. Ein die allgemeine Achtung genießender und bei der Regierung gern gesehener Jsraelite ist als Abgeordneter der Deputirtenkammer vorgeschlagen. Unglücklicherweise steht seinem Eintritte ein Hinderniß entgegen: jeder portugiesische Deputirte muß schwören, dem katholischen Glauben treu bleiben zu wollen. Es ist aber zu hoffen, daß das aufgeklärte Portugal dem Beispiele Englands folgen und diese Formel abschaffen wird. *