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Der Israelit · 1870-09-14 · Heft 37 (14.9.1870) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 37 (14.9.1870)
Date
1870-09-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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685 kamen solche Mißtöne und anderweitige Störungen vor, daß in Folge dieser Mißlichkeiten — nicht aber wegen der Sache selbst — der Vorstand sofort ein derbes Veto einlegte. Sonst ist hier Alles so, wie in den andern Gemeinden des OdenwaldeS. Die Alten halten noch an dem Wenigen fest, was sie von ihren Eltern ererbt haben; und die Jugend kehrt den Vorschriften der min verächtlich den Rücken, nat? m idn ntoND und andere mn »npy sind ihr lästige Fesieln, die sie abwirft, sobald sie „hinaus" kommt. Um aber der Wahrheit treu zu bleiben, können wir eine erfreuliche Erscheinung nicht unerwähnt lassen, die sich hier dem aufmerksamen Beobachter unwillkürlich ausdrängt. Während junge Leute von circa 18 Jahren an und weiter sich, wie schon oben erwähnt, kein Gewissen daraus machen, den Sabbat zu entweihen, die Speisegesetze und noch viele andere Satzungen unserer heiligen Religion zu übertreten, so finden wir bei der Jugend bis zu 18 Jahren einen erfreulichen Contrast. Da ist noch jene jüdische Furcht, jene heilige Scheu vor der Sünde vorhanden, die wie ein Flammenschwert vor das Herz sich lagert, welches sich ihr eröffnet, um dem Abfall und dem Treubruch den Weg zu versperren in dieses herrliche gottbewohnte Paradies. Von diesem Theile der Jugend begeht keiner muthwillig einen Verstoß gegen unsere p"nn, es ist mit einem Worte ein ganz anderer, ein mehr jüdischer Geist in dieser Altersklasse. Woher kommt das? Nun das ist sehr einfach. In diesem Geiste ist das siebenjährige Leben und Wirken eines treuen Lehrers repräsentirt. Sieben Jahre hat hier ein gottbegeisterter , thorabeflissener Lehrer durch Wort und Beispiel unablässig dahin gestrebt, gute Jehudim heranzubilden; und sein Bemühen ist ihm soweit gelungen, als es unter den beschränkten Verhältnissen einer Landgemeinde überhaupt möglich ist. Derselbe hat vor etwa */2 Jahre seinen Wirkungskreis nach Großzimmern verlegt und hat auch dort in dieser kurzen Zeit schon herrliche Resultate beim Jugendunterrichte erzielt. Ein solcher Mann ist in einer Gegend, wo das Judenthum so verkommen ist wie im Odenwalde, eine besonders herrliche Erscheinung. Er wirkt, von seinem Unterrichte ganz abgesehen, durch das bloße Beispiel, als welches sein anspruchloses, wahrhaft jüdisches Familienleben der ganzen Gemeinde dasteht, unvergleichlich mehr als alle seine modernen Herrn Collegen zusammen, mit ihren kalten geist- und herzlosen Predigten. Nur noch einen Lehrer haben wir im Odenwalde diesem an die Seite zu stellen, den der jüdischen Gemeinde Beerfelden. Es ist rührend zu sehen, wie dieser Mann von Morgens bis Abends jede freie Zeit, dem Unterrichte der ihm anvertrauten Kinder widmet; die erlangten Resultate sind aber in der That auch nennenswerth. Die erste Knabenabtheilung lernt untere Anderem: »an Dy ttfoin nona nrjiPD hebräische Grammatik und trägt gelegentlich in einer man aus dem nxon mJD vor; die folgenden Klassen übersetzen die mm mit »an, di- Gebete rc. und die Mädchen übersetzen außer den Gebeten noch recht geläufig d ^nn und Anderes mehr. In den Schulen der genannten Biedermänner stößt man nicht auf jene in dem unschuldigen Kindermunde so widerwärtig Ningenden Phrasen über Gott, Religion und sonst methaphysische Begriffe, mit deren Definirung unsere modernen Pfäfflein die theure Zeit in der Schule todtzuschlagen lieben; hier ist die Schule noch das, was sie sein soll: ein Institut, in welchem das Kind min und niUD für das Leben lernt. Während diesen phrasenreichenReligionskünstlern das Wort unserer gilt: »xidn not? »min n«i iaiy »n«, Möchten sie doch, spricht Gott, die Erklärung meiner Eigenschaften, und dergleichen mehr auf sich beruhen lassen, dafür aber meine min halten und halten lernen; — so möge jenen unverdrossenen Arbeitern im Weinberge Gottes, das ermuthigende Prophetenwort y»pnn mo nnn D'dNNvni nyi oViyb D»aaiaa o’inn »p»isdi ein neuer Sporn sein für ihren ('a» heiligen, schwierigen Lehrerberuf. Sie haben ja Niemanden, der ihnen Muth und Trost zuspräche bei ihrer gottgewußten Lebensthätigkeit. Die Gemeindemitglieder können fast durchgehends solche Leistungen ihres Lehrers nicht beurtheilen, weil ihnen das Verständmß der einzelnen Lehrfächer abgeht, und unser Rabbiner zu Darmstadt, der ignorirt solche Bestrebungen gänzlich. Warum sollte er auch nicht, sie machen ja die Pfründe nicht fetter. — Wir werden übrigens n"\x noch auf diesen Punkt zurückkommen. Biblis, 6. September. Unsere Gemeinde hat durch den in voriger Woche erfolgten Tod des H. Löb Bodenheimer y"j einen schmerzlichen Verlust erlitten. Er gehörte zu jenem Schlage echter, leider immer seltener werdenden Jehudim , bei denen jeder Schritt im Leben in Beziehung und Harmonie mit unserer heiligen Religion steht. In diesem Sinne leitete er auch die Erziehung seiner Kinder und errichtete in Gemeinschaft mit seinen Brüdern eine Stiftung zur Hebung des p"nn -ii2'^>. Der Verlust dieses Mannes ist für uns um so schmerzlicher, als durch das in vorigem Jahre erfolgte Ableben seiner beiden würdigen Brüder, Anschel und Abraham Bodenheimer, von denen ersterer ein .min p, in unserer Gemeinde eine traurige Lücke entstanden war. Wenn der Tod auf solche Weise die Reihe bewährter glaubenstreuer Männer lichtet, so tritt an die jüngere Generation um so ernster die Pflicht heran, diese Lücken als wackere Jehudim mit eben solchem Glaubensmuthe rüstig auszufüllen, und freut es mich, bei dieser Gelegenheit erwähnen zu dürfen, daß das religiöse Gefühl in der hiesigen Gemeinde ein reges ist und daß die Mitglieder derselben kein Opfer scheuen, wo es die Hebung

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