Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1870)
- Date
- 1870-09-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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683 habt mit dem einen Ausfall machenden Marschall B a z a i n e. Die 11. Compagnie meines Regiments hatte 3 Tobte und 15 Verwundete; mich aber hat Gott gnädiglich beschützt. All das Elend, das wir hier und bei unserm Hermarsche gesehen haben, zu schildern, erlassen Sie mir wohl; es ist zu schrecklich, und so lange solche Scenen Vorkommen, solange Menschen gegen Menschen zum gegenseitigen Morden geführt werden, so lange hat unser Jahrhundert wohl kein Recht, sich seiner Civilisation und Cultur zu rühmen. Gestern hat sich leider ein bedauerlicher Unfall gam in meiner Nähe ereignet. Ein Soldat von der sechsten Compagnie putzte sein Gewehr; dasselbe ging los und die Kugel fuhr einem eingezogenen israel. Unteroffizier. Namens A r a h a m, wie ich höre ans Berlin, durch das Herz. So mußte der Brave enden, nickt vor dem Feinde, sondern durch die Unvorsichtigkeit eines Kameraden. Wie es heute heißt, sollen wir unser» Vergnügungszug via C Halo ns nach Paris antreten; der Weg steht uns offen. Aus einer der Zwischenstationen schreibt Ihnen wieder in liebevoller Hoachtung IV. Der „Univers Jsraelite" veröffentlicht einen Brief von einem israel. Soldaten, Herrn Eugene C o b l e n tz, den derselbe nach der Schlacht bei Weißenburg geschrieben; wir übersetzen die nachfolgende Stelle: „Ach, meine Freunde, ich habe Dinge gesehen, welche weder zu beschreiben noch zu erzählen sind. Von unserm Bataillon, welches ungefähr 1200 Mann zählte, sind etwa nur 250 übrig geblieben. Der Commandant und fast alle Capitäne und Offiziere sind todt. Die feindliche Kanonade hat entsetzliche Verwüstungen angerichtet. Möge Gott uns vor einer ähnlichen Prüfung bewahren. Ich habe mehr als zwanzigmal „Schma Jisroel" gesagt. Es ist ein Wunder von Gott, daß ich unversehrt geblieben und noch schreiben kann." Fräulein v. Rothschild in Frankfurt a. M. erhielt die Erlaubniß, ein Privatlazareth zu errichten. Dasselbe wurde gestern mit deutschen Truppen belegt. G fangene und verwundete Franzosen werden nicht in Privatpflege abgegeben. Bei einem hier in Mainz durchziehenden Gefangenentransporte sagte ein französischer Capitain zu einem am Bahnhof befindlichen, dem Sanitätscorps angehörigen Glaubensgenossen, der ihm von früherher bekannt war: „C’est une „Charpo ubuschoh“, que vous me voyez ici en captif“ (Es ist eine Schande und eine Schmach, daß Sie mich hier als Gefangenen sehen). „Für die Charpo ubuscho," entgegnete der Angeredete, „kann Frankreich nicht einmal Revanche nehmen; denn im ganzen deutschen Heere gibt es keinen jüdischen Capitain." Wir vernehmen leider von vielen israel. Soldaten, die den Heldentod starben oder verwundet wurden. Da uns aber spezielle und genaue Nachrichten fehlen, so unterlassen wir die Wiedergabe bloßer Gerüchte, um nicht unnöthigen Schmerz und grundlose Trauer zu verursachen. Es wäre uns lieb, wenn uns unsere geehrten Leser authentische Mittheilungen über derartige Fälle zukommen ließen, damit wir dieselben hier registriren. V. Das „Frage- und Anzeige-Blatt" veröffentlicht das nachfolgende Schreiben: „Frankfurt a. M., 12. August. Herrn Martin Perels! Aus dem „Fremdenblatt" habe ich erfahren, daß Sie eine Belohnung für einen besonders tapferen und heldenmüthigen Soldaten der deutschen Armee, jüdischen Glaubens, bestimmt. Ich erlaube mir Ihnen mitzutheilen, daß im hiesigen Lazareth auf der Pfingstweide ein Husar mosaischer Religion verwundet liegt, welcher sich durch seine Tapferkeit besonders ausgezeichnet! Er ritt nämlich mit seinen Kameraden im Galopp durch ein Dorf in der Nähe von Wörth. Die Häuser waren von französischer Infanterie besetzt, welche auf die durchreitenden Husaren feuerten. Schon war er außerhalb des Dorfes und hatte keine Gefahr mehr zu fürchten, als er umblickte und seinen Lieutenant mitten im Dorfe unter dem Pferde, welches von einer französischen Kugel getroffen war, liegen sah. Die Franzosen waren gerade im Begriffe, sich des Offiziers zu bemächtigen, als der Husar nochmals in den Kugelregen zurückritt und seinen Vorgesetzten heraushieb. Leider erhielt er dabei einen Schuß in das Bein, wodurch er wohl zeitlebens gelähmt bleiben wird, und da er Metzger ist, wobei er, um Vieh zu kaufen, viel unterwegs sein muß, weiß er nicht, wie er später sein Geschäft betreiben kann, um seine Frau und drei Kinder zu ernähren. Der Husar heißt Edel, liegt im Lazareth auf der Pfingstweide und liefert alle Beweisstücke zur Stelle. Es ist übrigens derselbe tapfere Husar, welcher die Uniform des Generals Douay erbeutete. Hochachtungsvoll Alexander Strauß, Firma: Siegmund Strauß jr. in Frankfurt a. M." —