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Der Israelit · 1870-09-14 · Heft 37 (14.9.1870) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 37 (14.9.1870)
Date
1870-09-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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682 ihm die Sacramente ertheile, bedürfe. Wir können uns über solche Kurzsichtigkeit nicht genug verwundern. Setzen wir hier deßhalb die Wichtigkeit eines solchen Berufes auseinander. Wie viele jüdische Soldaten im Felde sind, wissen wir nicht; wir glauben aber, daß nach demProcentsatze der Bevölkerung die Ziffer 15,000 nicht zu hoch gegriffen ist. Darunter befinden sich vielleicht einige Dutzend Landwehroffiziere und Unteroffiziere; die meisten Juden aber sind einfach Soldaten. Es ist das auch sehr natürlich. Der Offiziersstand als solcher ist den Juden verschlossen; deßhalb wählt kein Jude den Soldatenstand zum Beruf. Wenn uns das von unserm religiösen Standpunkte aus auch ganz recht ist, so entwickelt sich dvch daraus für den jüdischen Soldaten ein großer Uebelstand. Wer die stramme Disciplin im preußischen Heere kennt, der weiß, wie selten von Soldaten der Beschwerdeweg eingeschlagen wird. Wir Juden sind in den letzten Jahrzehnten gegen Beleidigungen, die von unserer Religion und unserm Stamme hergenommen werden, sehr empfindlich geworden und die jüdischen Soldaten müffen sich nur gar zu häufig von ihren Vorgesetzten Bezeichnungen gefallen lassen, die uns Civilisten das Blut in die Wangen treiben. Bei den höheren Offizieren, Regimentskommandeuren, Generalen rc. kömmt allerdings derartiges nicht vor. Allein der eigentliche Befehlshaber der Compagnie ist der Feldwebel, und die höchste Instanz ist der Hauptmann. Wehe dem Soldaten, der es wagt, irgend Etwas an höherer Stelle zu verlangen, was der Feldwebel oder gar der Hauptmann versagt hat! Unter diesen Umständen kommt es dann auf die Beschaffenheit einzelner Persönlichkeiten an, ob die jüdischen Soldaten als Juden zu leiden haben oder nicht. Man kann sich denken, was manchmal bei judenfeindlicher Gesinnung des Feldwebels oder Hauptmanns die jüdischen Soldaten erdulden müffen! Diese Zustände sind leider nicht zu ändern. Die Offiziere und Unteroffiziere kennen meistens die Juden nur auf der niedrigsten Stufe der militärischen Rangordnung, und die Folgen davon bleiben nicht aus. Wie gut wäre es nun, wenn wenigstens jüdische Feldprediger da wären, die, von den militärischen Vorgesetzten ihrer Stellung und ihres Ranges halber respectirt, sich so mancher bedrängter Glaubensgenossen annehmen könnten! So viel vom allgemeinen Standpunkte aus; und nun im Besonderen: Warum sollen gerade die jüdischen Soldaten keine religiöse Anregung erhalten? Wohl bedarf es keines Geistlichen, um einen öffentlichen jüdischen Gottesdienst abzuhalten — aber wie nothwendig wäre es doch, daß Jemand da sei, der ex officio so viel als möglich dafür sorge! Wohl kann jeder Jehudi mit dem sterbenden Bruder die Sterbegebete verrichten — aber wie wenige unserer jungen Soldaten wissen davon! Und wie gut und wohlthätig wäre es, die erregten Gemüther der Kämpfenden durch Belehrung und Verkündigung des Gotteswortes zu stärken, zu kräftigen, zu erheben! Und die Kranken, die Verwundeten — wie würden sie sich des tröstenden Zuspruches freuen k Schon das Bewußtsein: „Wir haben so gut unsere Feldgeistlichen wie die Bekenner der andern Religionen!" würde erhebend auf das Gemüth der Soldaten wirken, würde die Eltern und Verwandten daheim mit Freude erfüllen. Wir hoffen und wünschen, daß recht bald ein heilbringender Friede uns beglücke und daß dieser Friede ein dauernder sei; nichtsdestoweniger aber ist es Pflicht, dahin zu wirken, daß zur Friedenszeit ein Gesetz erlassen werde, welches für etwaige künftige Kriegsfälle bestimme, daß auch jüdische Feldgeistliche die deutschen Heere begleiten. Wrieft u. Nachrichten vom Kriegsschauplätze. in. Llalroi (Bivouac vor Metz), 28. August. Beinahe drei Wochen find verfloffen, seitdem wir von Mainz abmarschirten, und die immerwährenden Strapatzen und Märsche lassen mich erst heut«, dazu kommen, meinem Versprechen gemäß, Ihnen Nachricht von mir zu geben. Was sollte ich Ihnen auch schreiben? Wie oft ich vom Regen durchnäßt bin worden, wie oft ich auf einem Bündel Stroh köstlich geschlafen, wie selten ich ein Bett zu sehen bekommen? Das Alles interesfirt wohl ein größeres Publikum nicht; vielleicht aber das, daß ich einige Mal bei Glaubensgenossen in Quartier gekommen und von diesen auf's Sorgfältigste und Freundlichste verpflegt wurde; so namentlich in Vaudreching (Departement Thionville) bei Mr. S alom on, dem ich hiermit öffentlich meinen Dank abstatte Bei ihm habe ich zum letzten Male in einem Bette geschlafen. Seitdem liegen wir hier im Bivouac vor Metz, derselben Stadt, nach der unsere Großväter und Urgroßväter wanderten, um zu den Füßen des Rabbi Jonathan Eibeschütz oder des Schaagaß Arjeh zu sitzen. Wie sich doch die Zeiten ändern! Damals zogen unsere Vorfahren zur Pilpul - Schlacht nach Metz, lieferten sich hitzige Gefechte in Taam Keickor oder Rigol Beöleh — und jetzt müssen wir uns hier mit den Franzosen herumschlagen auf Zündnadel und Chassepot, gezogene Kanonen und Mitrailleusen! Vorigen Freitag, den 26. d. M., haben wir wieder ein hitziges Gefecht ge-

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