Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1870)
- Date
- 1870-09-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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676 zur Fortsetzung der SpecialdeLatte über das Gemeindeorganisationsstatut übergegangen. Die §§. 3, 5 werden mit unbedeutenden Modifikationen angenommen. §. 6. lautet folgenderweise: Die Spezialstatuten der jüdisch-orthodoxen Gemeinden Ungarns und Siebenbürgens dürfen weder mit den Bestimmungen des Schulchan Aruch, noch mit den Bestimmungen dieses Organisationsstatuts, noch mit den Staatsgesetzen kollidiren. Zu diesem Paragraph bringt Herr Guttmann eine Modifikation ein, laut welcher diejenigen Funktionäre der Gemeinde, die gegen diese Bestimmung handeln, sogleich entlassen werden müssen. Diese Modifikation wird angenommen. Die übrigen Paragraphen des Elaborats werden mit geringen stylistischen Aenderungen angenommen. Nachdem das Eloborat angenommen, wird die Sitzung auf Antrag Farkas aus eine halbe Stunde sistirt. Nach Wiederaufnahme der Sitzung wird ein von Herrn Guttmann eingebrachter Beschlußantrag verlesen, laut dessen die Sitzungen der Versammlung vertagt werden; bevor dies geschieht, wurde aber eine Kommission als Vertretung der Versammlung gewählt, welche 1. die Autonomie der jüdisch - orthodoxen Gemeinden bewerkstellige, 2. als Organ diene zwischen der Regierung und den Gemeinden, 3. statistische Daten sammle über die Seelenzahl der orthodoxen Juden behufs Festsetzung der Subvention vom Schulsonde, 4. in Pest ein Centralbureau aufstelle zur Schlichtung der fließenden Agenden. In die Kommission werden gewählt die Herren Reich, Trebittch, Präsident Kraus und die beiden Vizepräsidenten Eisler und Fischer. Hierauf wird die Sitzung um halb 11 Uhr Nachts geschlossen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 1. September. Herr Ludwig Bamberger (Abgeordneter für das Zollparlament, Israelit), der Mainz mit dem königlichen Hauptquartier in Begleitung des Grafen Bismarck verlassen, ist dem neuen Gouverneur des Elsaß, Grafen Bismarck- Bohlen, für die Organisation dieser Provinz attachirt worden und befindet sich zu diesem Zwecke jetzt in Hagenau, das bis zum Fall Straßburgs Sitz der Administration des Elsaß ist. Halberstadt, 1. September. Se. Majestät der König haben allergnädigst geruht, dem Oberlehrer Lasch an der hiesigen israel. Schule, über dessen Jubiläum Sie vor einiger Zeit ausführlich berichteten, das algemene Ehrenzeichen zu verleihen. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Jaszber^ny (Ungarn), den 13. Ab. Vergangenen Samstag wurde der hiesige Bezirks-Rabbiner, Herr Aron Büchler, mit einem besonders seltenen Besuche beehrt. Der Obrift Graf Zicsy war vor einigen Tagen hier angelangt, um das hiesige Militär zu inspiciren. An diesem Tage begab er sich zu dem Herrn Rabbiner mit noch zwei höhern Ofgzieren, um demselben feine Ehrerbietung zu beweisen. In seinen Begrüßungsworten sprach er aus, daß er mit seinem Besuche dem Volke zeigen wolle, daß er keinen Unterschied zwischen Juden und andern Nationalitäten kenne. W. Györk, am 19. Ab. Den 21. August entschlief sanft und schmerzlos im hundertsten Lebensjahre Frau Juditta Heber. Ein aufmunterndes Beispiel für Tugend und Frömmigkeit wurde uns in ihr entrissen. Sie war als b'n in der ganzen Gegend gekannt und geschätzt, welches sich auch bei dem Leichenbegängnisse, an dem sich sämmtliche jüdische Einwohner betheiligten, kundgab. Helfen und Rathen waren Tugenden, die sie stets ausübte. Vergangenen 2"' noch fastete sie und stand den ganzen Tag in Andacht versunken. Selbst an den übrigen Fasttagen wollte sie auch fasten und konnte nur durch die Versicherung ihres Schwiegersohnes, Herrn M. L. R., Rabbiner zu T. sz. Jmre, daß sie dieser Pflicht enthoben sei, sich zum Essen entschließen. Ur-Enkel folgten ihrer Bahre.. Debreezin. Am 14. d. M. fuhr ein fremder israel. Kaufmann, der auf den Markt hierher gekommen war, über den Hauptplatz: ein Bauernweib stand auf der Fahrstraße und wollte trotz der Zurufe nicht ausweichen. So kam es, daß der Wagen, der in dem lebhaften Gedränge gleichfalls nicht ausbiegen konnte, ihr Kleid streifte und beschädigte. Kaum war dies geschehen, als sich auf das Geschrei des WeibeS der Pöbel um den Wagen drängte und ein Maurergeselle dem Israeliten einen schallenden Backenstreich versetzte, welcher den Jnsultirten, einen 75jährigen Greis, auf einige Minuten bewußtlos machte. Mehrere Zeugen des Vorfalls begaben sich mit ihm zum Unterstadthauptmann, wurden aber nicht vorgelassen Dagegen empfing dieser würdige Beamte, Szabo heißt der Wackere, den Schwager und den Bruder des rohen Maurers und auf deren Darstellung hin wurde der Geschlagene, der noch dazu den Wagen nicht selbst ge- H lenkt hatte, sondern mit einem Kutscher fuhr, ohne i