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Der Israelit · 1870-09-07 · Heft 36 (7.9.1870) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 36 (7.9.1870)
Date
1870-09-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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671 Ben der Fabrik liegt, noch zu tränken und kaum gingen diese hinein, so verwickelten sich alle drei Pferde und sanken unter; Feigl machte Lärm, sprang selbst in's Wasser hinein, um die Pferde vom Untergange zu retten. Zwei Pferde, vom Lärm geschreckt, gingen zurück und kamen auf eine zugedeckte tiefe Kalkgrube, durchbrachen die Decke und stürzten beide hinein. Im Teich ertranken zwei Pferde; er selbst wurde durch die Hilfe seiner aus der Synagoge herbeieilenden Glaubensgenossen vom Untergange errettet. Nun stand er dann da vor der ganzen Versammlung ’isrn ip&n. Alle Anwesenden erkannten die Hand Gottes. Viele faßten den Entschluß, nie mehr rot? bbno zu sein. Möge das Vorgefallene, das deutlich die Hand des Allmächtigen zeigt, da Tausende von Pferden in diesem Teiche zur Tränke geführt werden, ohne daß jemals eines ertrunken, Manchen zum Nachdenken veranlassen. Feuilleton. Säen und Ernten. XII. Entscheidung. Am andern Morgen früh ließ Frau v. Wolfseck ihren Sohn zu sich kommen. „Moritz," sagte sie, „Du wirst bald dreizehn Jahre alt sein; es wird daher Zeit, daß Du Dich für irgend einen Beruf entschließest. Was möchtest Du wohl werden?" »„Ich habe darüber noch nicht nachgedacht, liebe Mutter; doch denke ich wohl, daß ich Banquier werde wie mein Vater."" „Ich glaube, Dein Vater hat andere Pläne mit Dir; er will Dich in die Kadettenschute geben, er will Dich Offizier werden lassen und wenn Du Talent und Muth hast, kannst Du ein großer, berühmter General werden!" Des Knaben Augen leuchteten vor Freude. „Offizier soll ich werden!" rief er vergnügt, „o, wie mich das freut! Da gehe ich unter die Cavallerie und reite an Deinem Fenster vorbei. Wie schön, wie schön!" Die Freude ihres Sohnes berührte Auguste schmerzlich; sie hatte gehofft, bei ihm eine Abneigung gegen den Soldatenstand zu finden; dennoch entschloß sie sich, dem Knaben Alles mitzutheilen. „Moritz," sagte sie, „wie seid Ihr gestern im Garten zu so ernsten Gesprächen gekommen?" »»Ich fragte Naphthali nach der Mackabäer- Geschichte."" „Ach, die Mackabäer, die großen Helden der Vorzeit! Da kennst Du wohl auch die Geschichte von Hanna und ihren Söhnen?" „„Gewiß! Diese Geschichte ist so ergreifend! Namentlich, wie die Mutter das jüngste, ihr allein noch gebliebene Kind ermahnt, festzuhalten an Gott und den Tod nicht zu scheuen."" „Moritz, mein Kind, auch ich habe Dich unter meinem Herzen getragen, auch ich liebe Dich, wie Hanna ihre Kinder liebte; Du und Deine Schwester, ihr seid mir Alles auf Erden, mein Leben, meine einzige Freude." S e konnte nicht weiter reden; sie fing heftig an zu weinen. „„Was ist Dir, liebe Mutter?"" fragte Moritz bekümmert. Frau von Wolfseck faßte sich. „Ach," sagte sie, „es thut mir zu wehe, daß ich Deinen eigenen Vater bei Dir verklagen muß. Dein Vater will Dich taufen lassen!" „„Taufen lassen?"" fragte Moritz entsetzt. „Um Dir den Eintritt ins Kadettenhaus zu ermöglichen " „„Da werde ich nicht eintreten."" „Aber Dein Vater will es." „„Ich werde ihm nicht gehorchen."" „Er wird Dich zwingen." „„Ich werde mich nicht zwingen lassen."" „Ach, mein geliebtes Kind, er wird Mittel finden, Deinen Ungehorsam zu beugen." „„Da gehe ich zum Könige; der ist ein guter Herr, er wird mich schützen."" „Thörichter Knabe, es geschieht ja auf den Wunsch des Königs, daß Du getauft werden sollst. O, mein geliebtes Kind, ich liebe Dich, wie nur eine Mutter lieben kann; gern würde ich mein Leben für Dich hingeben; aber ehe ich Dich abtrünnig wüßte von unserm Gotte, lieber wollte ich Dich auf der Todtenbahre sehen." Da näherte sich Moritz seiner Mutter und umschlang sie mit beiden Armen. „„Mein Mütterchen,"" sagte er, „„sei ruhig. Niemals, niemals werde ich dem Glauben der Väter abtrünnig werden; lieber lasse ich mich todtschlagen wie der Knabe, von welchen Naphtali gestern erzählte." Da küßte Auguste ihren Sohn und sprach: „Bleibe fest, mein Kind, bleibe fest, und Gott wird Dir beistehen. Ich kenne nur ein Mittel, Dich zu retten: das ist die Flucht." „„Die Flucht?"" „Ja, Du mußt heimlich entfliehen, mußt in die

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