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Der Israelit · 1870-09-07 · Heft 36 (7.9.1870) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 36 (7.9.1870)
Date
1870-09-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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667 gewaltiger Befehlshaber, dem Tode nahe, in Stücke zerrissen! Doch genug von den Bildern des Schreckens und Elends. Wir liegen jetzt im Bivouac vor Metz, wo die Franzosen eingeschlossen sind. Die Zelte sind gut; aber bei Nacht ist es bitter kalt, so daß man vor Kälte nicht schlafen kann. Ich schreibe auf den Knieen mit Bleifeder; doch ich hoffe, daß Sie, die Sie meine Handschrift ja kennen, den Brief zu entziffern im Stande sein werden. Da liegen wir nun vor Metz. Als Sie uns in der „Jüdischen Geschichts-Stunde" vom Rabbi Elieser aus Metz, dem Mainzer Rabbinen, dem Verfasser vom D'*n' -idd, dem großen Toßafisten, erzählten, da ahnte es mir nicht, daß ich einst vor Metz so schwere Tage erleben sollte! Nun, Gott hat es so gewollt; Sein heiliger Name sei gepriesen. Alle Mainzer Glaubensgenossen, die bei der Hessischen Division sind, sind gesund und unverletzt; von denen aber, die gegenwärtig in den preußischen Regimentern ihr Jahr abdienen, habe ich natürlich keine Nachricht. Gebe Gott, daß ich Ihnen stets Erfreuliches mitzutheilen im Stande sei. *** II. Darmstadt, Ende August. Es dürfte für die Leser dieses gesch. Blattes nicht uninteressant erscheinen, folgenden Bericht über die Leistungen und das Geschick eines Lieutenants unserer Confessivn zu vernehmen, der in den Reihen der Hessen den mörderischen Kampf am 18. August mitqekämpft. Siegmund Neustadt genügte hier seiner Militärpflicht als einjähriger Freiwilliger. Da der junge Mann durch seine geistigen Fähigkeiten und seinen edlen Charakter die Achtung und Liebe seiner Vorgesetzten sich erwarb, so wandten sich diese an ihn und seine Eltern mit der dringenden Bitte, er möchte vor Ablauf des Jahres sich zur Erlangung einer Offizierscharge vorbereiten. Er willigte ein, und ein glänzend bestandenes Examen beförderte ihn zum Lieutenant. Als die gewitterdräuenden Wolken über die friedvollen Fluren unsers Vaterlandes beraufzogen, da weihte auch er Herz und Hand dem bedrohten Vaterland. Sowie ihn früher seine Vorgesetzten geschätzt hatten, so hing nun seine Mannschaft an ihm mit Leib und Seele. Vor dem Abmarsch in's Feld werden die Soldaten mit neuer Uniform, Munition und Proviant ausgerüstet. Ein Mann aus seiner Compagnie, den die schmerzvolle Trennung von Frau und Kind über die Zeit hinaus aufgehalten hatte, fehlte bei jener Vertheilung. Damit er der gesetzlichen Strafe nicht verfalle, ließ der edeldenkende Offizier die Effecten zu sich bringen, um sie in seinem Hause dem Manne zu überliefern. Gerührt von diesem bei Vorgesetzten seltenem Acte liebevoller Fürsorge eilten die marschbereiten Soldaten zu den Eltern des braven Offiziers und schwuren begeistert: .Kein Haar soll unserm Lieutenant gekrümmt werden, so lange noch ein Tropfen Blut in unfern Adern rinnt." — Wohl meinten sie's redlich, die treuen Seelen; aber ein Höherer hat den Braven geschützt. ^Der Tag, da der Tod an siebzig der glänzendsten Namen aus den Reihen der Hessen blutig durchstrichen, er ist an ihm glücklich vorübergegangen. Acht volle Stunden stand seine Compagnie im wüthendsten Granatenfeuer, gegen Abend war sie auf 35 Mann zusammengeschmolzen, alle Offiziere todt oder verwundet, bis auf den Oberlieutenant Sartorius und Lieutenant Neustadt. Da erhalten diese Beiden Ordre, mit den Trümmern ihrer Compagnie nochmals loszustürmen, es fallen wiederum fünf Mann, der Oberlieutenant erhält einen Schuß durch den Fuß; aber unversehrt kehrt unser Held auch aus dieser Gefahr zurück. Einer Nachricht zufolge hat er sofort auf dem Schlachtfelde die Oberlieutenantsstelle erhalten. Wenn es jeden Israeliten angenehm berühren wird, das Geschick des tapferen Bruders zu vernehmen, so wird die Freude unendlich erhöht sein für Jeden, der die braven Eltern zu kennen die Ehre hat. Er müßte sein geistiges Auge absichtlich verschließen, um nicht hier die Hand der ewig waltenden Gerechtigkeit zu gewahren, die ihren scyützenden Segen auögegoffen über den Sohn eines Mannes, der die Gesinnungen der Liebe und des Wohlwollens, die ihm Groß und Klein, Vornehm und Gering entgegenbringen, dazu anwendet, Werke der Hilfe und der Rettung allüberall zu üben. Wir hegen den innigen Wunsch, der Allgütige möge den Braven wohlbehalten in die Arme seiner edlen, überall mit Hochachtung genannten Eltern zurückführen. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Posen, im August. Wenn die Lehre unserer Weisen dn noftaa ^eno n:n, „bete für das Wohl der Regierung" (Aboth 3, 2) schon zur Zeit unserer eigenen politischen Selbstständgkeit, weil Anarchie die Mutter der Willkür und aller damit verbundenen Verbrechen ist, ihre volle Geltung erlangt hat: so behauptet dieser Ausspruch seine volle, anzuerkennende Wahrheit und Beherzigung, rücksichtlich unseres eigenen Heiles und Wohles, ganz vorzüglich in der traurigen Zeit unserer so langen Diaspora.

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