Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1870)
- Date
- 1870-09-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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666 männer theilnehmen. Die Commission würde ihre Berathungen unter Vorsitz des Kultusministers oder seines Stellvertreters pflegen, und das so festgestellte, vom Ministerium genehmigte Organisationsstatut dem Kaiser zur Sanction unterbreitet werden. Da von der Errichtung mehrerer Provinzialrabbinatsschulen vorzüglich wegen des Kostenpunktes abgesehen werden mußte, so dürfte die Frage des Ortes der Eröffnung der Centrallehranstalt auch einen wichtigen Berathungsgegenstand der Commission abgeben. Das Ministerium beabsichtigt, einerseits die Schule zu einer öffentlichen Staatsanftalt zu erheben und macht andererseits deren Existenz von Beiträgen dreifacher Art abhängig. In erster Reihe rechnet das Ministerium auf Spenden der israel. Bevölkerung, die in Anbetr cht der großen Bedeutung einer derartigen Anstalt reichlich fließen würden, sodann auf gewisse, für diesen Zweck reservirte, mitunter nicht unbedeutende Ueberschüsse ehemals bestandener Judenfteuergefälle, auf Beiträge aus den jüdischen Schulfonds in vielen Kronländern, und erst in dritter Reihe beansprucht das Ministerium die Subvention des Staates. Das Ministerium geht offenbar von dem Grundsätze aus, der Staat werde die, sei es aus Privatmitteln, sei es aus öffentlichen hiezu reservirten oder festzusetzenden Fonds der israel. Bevölkerung errichtete theologische Lehranstalt entsprechend subventioniren und nöthigenfalls ganz sustentiren. Für diese Annahme spricht der Umstand, daß der Kultusminister mit Zustimmung des Finanzministers eine angemessene Leistung des Staatsschatzes, zunächst zur Besoldung der Professoren , der theologischen Diociplinen und zur Dotation der Bibliothek der Anstalt, letztere im Betrage von 300 fl. ö. W.. in Aussicht stellt. Das ist die finanzielle Seite der Angelegenheit, eine Seite, der ehe' der Finanzminister als der Kultusminister principielle Bedeutung beimißt und die in ernstliche Erwägung zu ziehen die Commission von Fachmännern wohl Zeit und Muße finden dürfte." Die projectirte theologische Lehranstalt ist von der größten Wichtigkeit und Bedeutung; es ist nur zu wünschen, daß dieselbe auf gute, rechte Bahnen gelenkt werde. Mögen es unsere Glaubensgenossen im cisleithanischen Kaiserstaate an thatkrästigen Anstrengungen , an unermüdlicher Ausdauer nicht fehlen lassen, damit die in Rede stehende Anstalt eine für das Iudenthum segensreiche werde. ZLriefe u. Wach ichten vom Kriegsschauplätze. i. Bovee (zwischen Commercy und Metz), 20. August. Ehegestern, am 18. August, habe ich nicht geglaubt, daß ich mein Versprechen erfüllen und Ihnen Nachrichten zukommen lassen werde; ich und alle meine Kampfgenossen glaubten unser Ende vor Augen zu sehen. Die Aufregung des furchtbaren Kampfes beherrscht mich noch so sehr, daß es mir die größte Mühe macht, meine Gedanken zu sammeln. Sie wissen, daß die hessische Division erst spät den Marsch nach Feindesland antrat. Schon waren die ruhmreichen Schlachten von Weißenburg, Wörth und Saarbrücken geschlagen, als wir auf dem Kriegsschauplätze erschienen. Lassen Sie mich schweigen von all den beschwerlichen Märschen und Strapsen — was sind sie im Vergleiche zu einem Schlachttage? Am 18., früh um 9 Uhr, wurden wir nach Gravelotte zu dirigirt, um die Franzosen aufzusuchen. Lange fanden wir sie nicht; da flog eine feindliche Granate herbei; das war der Moment, in welchem wir losstürmten. Soll ich Ihnen eine Schilderung geben von der furchtbaren Schlacht? Die Chassepot- Kugeln flogen in unzähliger Menge um mich herum, über meinen Kopf, meine Nebenmänner tödtend, verwundend. Ich rief Gott an in meinem Herzen um Seinen gnädigen Schutz, und nachdem ich Ihm meine Seele befohlen, nachdem ich yottf gesagt hatte, da that ich meine Pflicht, und kämpfte und stürmte wacker. Nichts konnte mich mehr verwirren. Nicht der Donner der Kanonen, nicht das Alles übertönende Rasseln der Mitrailleusen, die uns mit einem wahrhaften Kugelhagel überschütteten, nicht das Aechzen und Stöhnen der Sterbenden und Verwundeten. Schon wurden unsere Reihen in furchtbarer Weise gelichtet, mein Hauptmann vor meinen Augen erschossen, die Mehrzahl der Offiziere todt — und vorwärts, vorwärts, immer vorwärts ging's, den. furchtbaren Feuerschlünden entgegen, den sichern Tod vor Augen! „Den Heldentod für's Vaterland!" sagte ich mir — und »nn Tpsa lim, „in Deine Hände befehle ich meinen G ist," flüsterte ich; da auf einmal stürmten die braven Sachsen herbei, uns zur Hilfe. In wenigen Augenblicken waren die Positionen der Feinde genommen. Unendlicher Jubel durchhallt« das Schlachtfeld, und ein doppeltes Gefühl durchströmte mich: „Wir haben gesiegt, und ich bin gerettet!" Müdigkeit, Hunger und Durst — Alles war vergessen ob dieses berauschenden Gefühles, und ich hatte noch Kraft genug , nach der Rückkehr in's Bivouac das Maarib- Gebet zu beten — mit welcher Andacht, das können Sie Sich denken. Ach, verehrter Herr Dr., wie trat am vorgestrigen Tage im heißen Schlachtgetümmel so Manches vor mein geistiges Auge, was ich so häufig von Ihnen vernommen! Auf dem Schlachtfelde erst erkennt man, wie klein und elend der Mensch, p'n npi ppin, wie groß und mächtig der 't morite w'-r, der Herr der Schlachten, der ewige Gott! Da lag so Mancher, noch vor wenigen Minuten ein vornehmer Herr, ein