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Der Israelit · 1870-08-31 · Heft 35 (31.8.1870) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 35 (31.8.1870)
Date
1870-08-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XL Jahrgang. Beilage zu Rr. 35 des Israelit. Zeitungsnachrichten nnd Correfpondenzen. Deutschland. lH München, 23. Aug. (Statistisches.) Ueber den Stand des Elementarschulwesens in Italien, welches seither ganz ungenügend bekannt war, sind jüngst in einer ministeriellen Veröffentlichung folgende sehr interessante Thatsachen in die Oeffentlichkeit gelangt. Während die Zahl aller Elementarschulen, öffentlicher wie privater, im Königreich Italien, mit Ausnahme Venedigs, im Jahre 1861 auf 31,804 und 1866 nur auf 31,117 sich belief, waren im Jahre 1868 deren 32,027 vorbanden, also 1910 mehr. Wenn man die Bevölkerung Italiens auf 22 Millionen veranschlagt, so kommt 1868 je eine Schule auf 659 Köpfe und hievon sind 140/g jüdische.- □ Berlin, 22. August. Der Plan zur Gründung einer Hochschule für die Wissenschaft des Iudenthums" d. h. einer sogenannten jüdisch-theologischen Fakultät, hat bei den jüdischen Einwohnern Berlins und Deutschlands überhaupt, wie er es verdient, nicht diejenige Theilnahme gefunden, die es ermöglichte, ihn auszuführen. Denn außer einem Geschenke von 10000 Thlr, die zu diesem Zweck hergegeben worden sind, dürfte der Fond auf höchstens 20000 Thlr. sich belaufen! r6sr «d vty ->L" 'sn b. Berlin, 23. August. Wir erhalten über den im Hauptblatte bereits kurz mitgetheilten Heldentod des sel. I. Königsberger noch die nachfolgende Correspondenz von anderer Seite: Zu einer ernsten Feier hatte sich ein zahlreiche Versammlung am 21. d. M., Vormittags 11 Uhr auf dem Friedhofe der jüdischen Gemeinde eingefunden. — Ein hoffnungsvoller junger Mann, durch Tüchtigkeit und Bescheidenheit ausgezeichnet, Joseph Königsberger, im Geschäft von Jacob' Saling hier hatte im Jahre 1866 beim zweiten Garderegiment den österreichischen Feldzug mitgemacht, und wurde wegen bewiesener Tapferkeit mit einem Orden decorirt. — Vor wenigen Wochen hatte er dem Rufe unseres Königs Folge geleistet, als es galt, den frechen Anmaßungen des Franzosenkaisers mit deutscher Manneskraft entgegenzutreten; er kämpfte als Reserve-Unteroffizier im 37. westph. Füselier-Regiment. — In der blutigen Schlacht bei Wörth wurde er schwer verwundet, und trotzdem drang er mit Ungestüm in die feindlichen Reihen, bis er abermals, im heftigsten Kugelregen, von den mörderischen Geschoffen zu Boden geschmettert, und aus dem Schlachtgetümmel nach dem Heidelberger Lazareth gebracht wurde. — Hier starb der junge Mann den schönen Tod für sein Vaterland. — Nachdem die rituelle Reinigung noch in Heidelberg vollzogen worden, wurde die irdische Hülle auf den Wunsch ffeiner Angehörigen zur Friedhofshalle der hiesigen Gemeinde überführt. — Der Hauptmann vom zweiten Garde-Regiment, mehrere Offiziere, zwei Züge Mannschaften, und Tausend der verschiedensten Confessionen wohnten der Leichenfeier bei. — Sechs seiner ehemaligen Kampfgenosien trugen den so früh Dahingeschiedenen zum Grabe, drei Ehrcnsalven wu den zum Schluß über das Grab gefeuert. — Nicht genug konnte der Hauptmaun einigen Herren des Beerdigungs-Vorstandes gegenüber, die Tapferkeit des Verstorbenen, ehrend anerkennen. — So ruhet er nun, die Hoffnung und die Freude seiner Eltern, im kühlen Grabe. — Friede sei ihm — Friede, Dem, der sein Th euer ft es, dem deutschen Vaterlande hingegeben. Franker* t a. M Ende August. Die Thora bestimmt, daß der wegen unvorsätzlichen Mordes Flüchtige die Zufluchtsstadt, die ihm Schutz vor der Rache des Verfolgers gewährte, verlassen dürfe, sobald der Hohepriester stirbt. Es ist gewiß nicht fehlgegriffen, wenn man zu den verschiedenen Gründen, welche für den Zus mmenhang des Todes des Hohenpriesters mit der Freiheit des Mörders, geltend gemacht werden, noch hinzufügen wollte, daß dieser Bestimmung die psychologische Wahrheit zu Grunde liege?, daß Zeilen allgemeimer Trauer die Herzen der einzelnen Menschen zusammenführe, daß das, was das Ganze bewegt, die Interessen der Einzelnen in den Hintergrund drängend, die Gesammtheit sich als ein großes Ganze fühlen lasse, la schweigt jede Kränkung, da vergißt sich der Einzelschmerz, da ist jede Unbill vergessen und vergeben. Die allgemeine Trauer, wie die allgemeine Gefahr schlichtet besser alle Parteistrcitigkeiten, als alle philosophischen Systeme von Einigkeit und Brüderlichkeit. Ein herrliches Beispiel dafür ist unser deutsches Vaterland: die herannahende Gefahr vereinigte alle Parteien zu einem großen Ganzen. Sollte man es nun glauben, daß in dieser schrecklichen Zeit gerade in der deutschen Iudenheit sich Stimmen erheben, die es versuchen unter Glaubensgenossen Haß zu schüren, die eben diese trübe und traurige Zeit als paffend gefunden haben, giftige Verläumdung

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